Mangel an sozialem Wohnraum in Ascheberg

Politik diskutiert Handlungsbedarf

Beim Thema sozialer Wohnungsbau hat sich in der Gemeinde Ascheberg lange nichts getan. Eine Option, die jetzt von der heimischen Politik diskutiert wurde: höhere Häuser. Muss Ascheberg sich vom typisch münsterländischen Baustil verabschieden?

ASCHEBERG

, 29.09.2017, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mangel an sozialem Wohnraum in Ascheberg

Herbern von oben: In den 60er- und 70er-Jahren entstanden hier vermehrt Sozialwohnungen. Im Ortsteil Ascheberg hingegen ist sozialer Wohnraum Mangelware. "Müssen wir weg vom typisch münsterländischen Baustil?", fragten sich deshalb am Donnerstag die Politiker im Bauausschuss.

Alles stützte sich am Donnerstagabend im Bauausschuss der Gemeinde Ascheberg auf die Annahme, dass der Bedarf an sozialem Wohnungsbau in Zukunft nicht mehr gedeckt werden kann. Glaubt man den Prognosen der NRW-Bank, wird sich der Mietwohnungsbestand an preisgebundenen Wohnungen von 113 im Jahr 2015 auf voraussichtlich 50 im Jahr 2025 reduzieren.

Fachkräfte finden keine bezahlbare Wohnung

Christian Kamper vom Kreis Coesfeld stellte die Zahlen an diesem Abend vor und resümierte: „Hier hat sich viel zu lange nichts getan“ – vor allem mit Blick auf den Ortsteil Ascheberg. Ja und?, könnte man fragen. Ist das schlimm?

Zumindest insofern, als dass einzelne Firmen bereits darüber klagen, dass sie keine Fachkräfte einstellen können. „Die Leute wollen zwar in Ascheberg arbeiten, können die Wohnungen hier aber nicht bezahlen“, sagte Fachbereichsleiter Klaus van Roje am Freitag unserer Redaktion auf Anfrage.

Situation in Ascheberg ist nicht dramatisch

Hinzu kommt, dass sich die Einkommensgrenze in der sozialen Wohnraumförderung verschoben hat. „Die ist gar nicht mehr so niedrig“, sagt Christian Kamper. Das mögliche Jahresbrutto-Einkommen für eine vierköpfige Familie liegt seit 2016 bei rund 52.000 Euro.

Politisch war das Thema in den vergangenen Jahren kaum präsent. Auch, weil die Verwaltung keine Anfragen bekam. „Vor acht Jahren hatte ich mal eine auf dem Tisch“, sagte van Roje am Freitag. Das hat sich geändert: Aktuell seien immerhin sechs Objekte angefragt. Die Situation in Ascheberg ist nicht dramatisch. Und trotzdem besteht Handlungsbedarf.

"Es wird architektonische Möglichkeiten geben"

„Wichtig ist der soziale Wohnungsbau heute schon – und zunehmend in der Zukunft“, brachte es Volker Müller-Middendorf am Donnerstagabend im Ausschuss auf den Punkt. Der UWG-Politiker gab aber auch zu: „Mir fehlen im Moment die konkreten Handlungsempfehlungen. Was wäre der nächste Schritt? Müssen wir uns von der eingeschossigen und eineinhalbgeschossigen Bauweise verabschieden?“

In diese Richtung geht es zumindest. „Wenn wir nicht von Höhe reden, reden wir am Thema vorbei“, sagte Michael Krieger von der SPD. Parteikollege Johannes Waldmann sprach davon, dass man sich trauen müsse, in die Höhe zu bauen. Ganz weg von der typisch münsterländischen Bauweise will wohl niemand, „aber es wird architektonische Möglichkeiten geben, die trotzdem noch hier reinpassen“, so Waldmann.

Knackpunkt: fehlende Investoren

Diskutiert wurde zum einen über einzelne „Zonen“, was Ludger Wobbe (CDU) aber skeptisch sah („Wir sollten nicht extra Viertel schaffen“), zum anderen über eine insgesamt höhere städtebauliche Dichte in ortskernnahen Lagen und über Quotierungen in Neubaugebieten (Prozentsätze an öffentlich geförderten Wohnungen würden dann für Baugebiete festgelegt).

So weit, so einleuchtend. Der Knackpunkt: „Wir sind nicht Münster, wo die Investoren Schlange stehen“, merkte Bauleitplanerin Gesche Ahmann an.

Ist sozialer Wohnungsbau noch wirtschaftlich – auch im Hinblick auf energetische Standards? Um die Investorensicht zu hören, will die Verwaltung für die nächste Sitzung des Bauausschusses am 28. November einen geeigneten Referenten einladen.

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