Missbrauchsprozess steht auf wackligen Füßen

Landgericht Münster

Das Strafverfahren um einen mutmaßlichen Missbrauchs-Skandal in Ascheberg und Drensteinfurt musste am Dienstag (25. August) überraschend unterbrochen werden. Wie es weitergeht, ist unklar.

Ascheberg

, 25.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein 58-jähriger Mann, der mit seiner Familie lange in Ascheberg lebte und später nach Drensteinfurt umgezogen ist, soll seine heute 20-jährige Tochter immer wieder sexuell missbraucht haben.

Ein 58-jähriger Mann, der mit seiner Familie lange in Ascheberg lebte und später nach Drensteinfurt umgezogen ist, soll seine heute 20-jährige Tochter immer wieder sexuell missbraucht haben. © picture alliance / dpa

Es wäre der dritte Verhandlungstag gewesen – und der erste nach der Aussage der Hauptbelastungszeugin. Doch dann kam alles ganz anders. Der Prozess um den mutmaßlichen Missbrauchs-Skandal in Ascheberg und Drensteinfurt musste am Dienstag (25. August) überraschend unterbrochen werden.

Die Entscheidung fiel erst am frühen Morgen. Der Grund: Eine Schöffin hatte sich kurzfristig krankgemeldet. Damit war eine Fortsetzung des Verfahrens unmöglich. Wie es weitergeht, ist unklar. „Der nächste Verhandlungstag am Donnerstag steht noch“, erklärte Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus. Doch das kann sich natürlich ändern. Denkbar ist, dass das Strafverfahren am Landgericht Münster auch länger unterbrochen werden muss.

Glaubwürdigkeitsgutachten steht noch aus

Angeklagt ist ein 58-jähriger Mann, der mit seiner Familie lange in Ascheberg lebte und später nach Drensteinfurt umgezogen ist. Ihm wird vorgeworfen, seine heute 20-jährige Tochter immer wieder sexuell missbraucht zu haben – und zwar ab ihrem achten Lebensjahr. Während sie ihren Vater bei ihrer nichtöffentlichen Vernehmung schwer belastet haben soll, streitet er die Vorwürfe vehement ab.

Damit kommt es im Prozess auch auf die von der 1. Strafkammer hinzugezogene Glaubwürdigkeitsgutachterin an, die sich im Vorfeld mit der jungen Frau unterhalten hat. Nach ihrer vorläufigen Einschätzung sollen die Angaben der 20-Jährigen glaubhaft sein.

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Hinweise auf Alkoholkonsum

Außerdem steht noch das psychiatrisch-psychologische Gutachten aus. Dabei geht es um die Schuldfähigkeit des Angeklagten. Es gibt offenbar Hinweise auf einen übermäßigen Alkoholkonsum. So soll seine Tochter in einer früheren Vernehmung berichtet haben, dass er einmal betrunken in ihr Zimmer gekommen sei, und ihr auf den Hintern gehauen habe.

Darauf angesprochen, hatte der 58-Jährige vor Gericht erklärt: „Das stimmt nicht.“ Er sei auch kein Alkoholiker, würde aber natürlich mal ein Bier trinken. Die Frage der möglichen Schuldfähigkeit spielt natürlich nur im Falle einer Verurteilung eine Rolle.

Ehefrau hält zu ihrem Mann

Seine Tochter war im Alter von 16 Jahren plötzlich nicht mehr nach Hause gekommen und hatte später Anzeige erstattet. In Untersuchungshaft hat ihr Vater trotz der schweren Vorwürfe allerdings nie gesessen. Er wohnt weiter mit seiner Ehefrau zusammen, die zu ihm halten soll.

Insgesamt haben die Richter für den Prozess vorerst noch zwei Verhandlungstage vorgesehen. Die Urteilsverkündung war eigentlich für den 3. September vorgesehen.

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