Nach dem Aus für die S1 und S4: Profitieren jetzt die RB50-Pendler vom Lokführer-Überschuss?

rnEurobahn-Verhandlungen

Keolis, der Eurobahn-Betreiber, hat den Zuschlag für die S1 und S4 verloren. Für den Betrieb hat das Unternehmen viele neue Lokführer eingestellt. Könnten diese also künftig auf der RB50 fahren?

Werne, Ascheberg, Capelle, Lünen, Dortmund

, 02.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ärger ist immer noch spürbar. Aus den Medien erfuhr Keolis, Betreiber der Eurobahn, vom geplatzten Deal der S1- und S4-Linien.

Eigentlich sollte ab Mitte Dezember die Eurobahn den Betrieb auf den Strecken übernehmen. Doch dann kündigte der VRR (Verkehrsverband Rhein-Ruhr) überraschend den Vertrag auf. Der Grund: fehlendes Personal.

Wo wird das zusätzliche Personal nun eingesetzt?

Doch Keolis hatte explizit auch für die S-Bahn-Linien neue Triebfahrzeugführer gesucht und auch rund 80 neue Mitarbeiter gefunden. Wenn sie künftig nicht auf den S-Bahnen fahren, stellt sich die Frage, wo sie stattdessen eingesetzt werden.

Auf vielen Linien der Eurobahn fehlt Personal. Nicht selten sind auch Zugausfälle die Folge. Das gilt auch für die leidgeprüfte RB50-Linie zwischen Münster und Dortmund.

Juristische Schritte eingeleitet

Könnte der geplatzte Deal mit der S1 und S4 also dafür sorgen, dass bald mehr Personal für diese Linie zur Verfügung steht? So weit will man bei Keolis offenbar noch gar nicht denken. Denn: Die Verantwortlichen des Unternehemens gehen nun juristisch gegen die Entscheidung des VRR vor.

„Wir fechten die Direktvergabe an“, erklärt Nicole Pizzuti, Pressesprecherin von Keolis. Und solange noch nicht klar sei, ob man den Kampf um die S-Bahn-Linien endgültig verloren habe, werde man nicht über eine neue Personalplanung nachdenken.

„Wir planen noch gar nicht um. Wir sind weiter an der Mobilisierung von Fachkräften dran“, sagt Nicole Pizzuti. Dennoch schließt sie nicht aus, dass künftig auch die für die S-Bahn-Linien eingestellten Lokführer auf anderen Eurobahn-Linien, etwa auf der RB50, zum Einsatz kommen könnten.

Ende November soll es Entscheidung geben

Kommt es tatsächlich zum Ultima Ratio sei man „vom Personal besser ausgestattet als jeder andere Mitbewerber“, so Pizzuti. Doch zunächst bleibt die Hoffnung auf den Sieg vor Gericht.

Spätestens Ende November, also kurz vor dem geplanten Start des Verkehrsvertrags am 15. Dezember, sei mit einer Entscheidung zu rechnen, so die Unternehmenssprecherin weiter.

Gemeinsame Lösung finden

„Für uns ist klar, dass wir die Herausforderung Fachkräftemangel nur im Schulterschluss gemeinsam mit unseren Mitbewerbern schaffen können“, sagt Pizzuti. Doch genau daran scheiterte offenbar der Deal für die S1 und S4.

Aufgrund fehlenden Personals - es geht um etwa 40 Lokführer - wurde Keolis der Zuschlag wieder entzogen.

Pikant: Auch der Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio, die nun bis Ende 2021 die Linien weiter betreiben soll, fehlt Personal. Denn für die S-Bahn-Linien hatte man dort keine Lokführer mehr eingeplant, sondern für andere Linien vorgesehen.

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Vertragliche Vereinbarungen

„Deshalb macht das Ganze noch weniger Sinn“, sagt Nicole Pizzuti. Seitens von Keolis habe man früh auf den Personalengpass hingewiesen, so Pizzuti weiter.

Der mit DB Regio abgestimmte Plan: Bis die Auszubildenden von Keolis verfügbar sind, bedient man sich am Personal von dem bisherigen Betreiber DB Regio. All das sei vertraglich so vereinbart worden, erklärt Pizzuti. „Und die Lücke hätten wir dann mit Azubis ab April geschlossen.“

Keolis hat bereits sechs Millionen Euro investiert

Doch nun soll alles anders kommen. „Wir waren wirklich geschockt. Wir standen von Jetzt auf Gleich im Regen“, beschreibt Pizzuti die Reaktion nach dem überraschenden Vertrags-Aus.

Sechs Millionen Euro habe man im Vorfeld bereits investiert, um sich auf den zusätzlichen Betrieb auf den S-Bahn-Linien vorzubereiten. Nachdem der Deal geplatzt war, hätten zwei Verkehrsunternehmen gleich bei Keolis nachgefragt, ob man Eurobahn-Lokführer verpflichten könne.

Eine Anfrage von DB Regio selbst würde Nicole Pizzuti mittlerweile auch nicht mehr überraschen. „Es sind zuletzt Dinge passiert, die ich auch nicht für möglich gehalten hätte.“

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