Neue Nutztierstrategie: Herberner Schweinebauer Tobias Großerichter (32) ist skeptisch

rnGesetzesentwurf

Videokameras in Schlachthöfen, kürzere Transporte, mehr Kontrollen: Das Land NRW wünscht sich Veränderungen in der Nutztierhaltung. Und was ist mit den Wünschen der Landwirte?

Herbern

, 18.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr Licht, Luft und Auslauf sollen die Schweine in NRW durch die neue Nutztierstrategie bekommen, welche am 1. Oktober in Düsseldorf vorgestellt wurde. „Ich baue sofort so einen Stall, wenn das Land mir das Geld dafür zusichert“, so Großerichter. Ganz so einfach ist es aber nicht: Andere Gesetze hindern ihn daran, seinen Schweinen Freilauf zu gönnen.

Emissionsschutz gegen Freilauf

„Emissionsschutz ist da ein ganz großes Thema. Wenn ich meine 2000 Schweine drinnen halte, werden die Emissionen über einen Schornstein nach draußen geleitet und halten sich in Grenzen“, erklärt er. Würden die Schweine aber Auslauf bekommen und auf Stroh gehalten werden, so wie es das Land vorschlägt, würden sich nicht nur die Nachbarn über den Geruch beschweren.

Großerichter müsste die Zahl seiner Tiere reduzieren, wenn er die Schweine an die frische Luft lassen würde. Davon könnte der Landwirt aber nicht leben: „Irgendwo muss das Geld herkommen. Da liegt der Hase im Pfeffer.“ Denn in Deutschland werde statistisch gesehen am wenigsten für Fleisch bezahlt, erzählt Großerichter.

Günstige Tiere aus dem Ausland

Andererseits gäbe es Gesetze, die die Schweinehaltung teurer machen. Seit Anfang des Jahres sei es beispielsweise nicht mehr erlaubt, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Wenn der Tierarzt kommen muss, um die Schweinchen zu kastrieren, kostet das natürlich. In den Niederlanden und Dänemark sei es aber beispielsweise noch erlaubt, dass der Landwirt das Tier entmannt. Deshalb seien die Tiere von dort, trotz des Transportes, mitunter günstiger.

Schlachthöfe bekommen Videoüberwachung

Auch in den Schlachthöfen soll es mehr Transparenz geben. Die vorgeschlagene Videoüberwachung von Schlachthöfen hält Großerichter für eine gute Sache: „Ich finde auch, dass jeder, der Fleisch essen möchte, sehen sollte, wie die Schlachtung abläuft. In Dänemark gibt es beispielsweise einen Schlachthof, bei dem man durch Glasscheiben zusehen kann.“

„Wer die Auflagen erfüllt, macht das auch noch ein Jahr später“

Mehr Kontrollen fordert das Land - Großerichter hält nicht viel davon. „Hier wird bereits zweimal im Jahr kontrolliert, eine Kontrolle wird erst kurz vorher angekündigt. Ich finde, das reicht vollkommen. Wer die Auflagen erfüllt, macht das auch noch ein Jahr später.“

Nach der neuen Nutztierstrategie soll ein Tierschutzbeauftragter vom Land eingestellt werden, der zwischen Politik, Verwaltung und Tierschutzverbänden vermittelt. Großerichter glaubt nicht, dass das etwas an der Lage der Tiere verbessert: „Das bringt nur Bürokratie und Kosten für das Land.“ Wie das Land die neue Nutztierstrategie finanzieren will, wird erst in den nächsten sechs bis acht Monaten geklärt.

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