125 Jahre Fleiter-Orgel: 1119 Pfeifen erklingen zum Geburtstag in St. Benedikt

rnKönigin der Instrumente

Die verschiedenen Klangfacetten der 125 Jahre alten Orgel sind zum Geburtstag in St. Benedikt Herbern zu hören. Wir blicken vorab in die Historie des imposanten Instruments.

Herbern

, 06.04.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die größte Kirchenorgel Deutschlands steht im Dom St. Stephan in Passau. Sie hat 17.974 Pfeifen und 233 Register. Dagegen wirkt die Orgel in der St.-Benedikt-Kirche mit ihren 1119 Pfeifen und 21 Registern fast winzig – sie klingt aber deswegen nicht weniger eindrucksvoll.

Im Jahr 1894 wurde die mit besonders schönen Verzierungen aus Eichenholz versehene Orgel von Orgelbauer Friedrich Fleiter gebaut. Im Jahr 1994 wurde sie komplett ausgebaut und restauriert. Am Sonntag, 7. April, wird das 125-jährige Jubiläum um 17 Uhr mit einem Konzert, das von Bernd Bülskämper und Uwe-Reiner Bochmann gestaltet wird, gefeiert.

Unter anderem dürfen sich die Besucher des Konzertes auf Werke von Bach und Mendelssohn freuen. „Uns war es wichtig, dass die verschiedenen Klangfacetten der Orgel zu hören sind“, so Bochmann.

125 Jahre Fleiter-Orgel: 1119 Pfeifen erklingen zum Geburtstag in St. Benedikt

Während Uwe-Reiner Bochmann die verschiedenen Tasten anschlägt, … © Claudia Hurek

125 Jahre Fleiter-Orgel: 1119 Pfeifen erklingen zum Geburtstag in St. Benedikt

… stimmt Stefan Reider die einzelnen Pfeifen. © Claudia Hurek

Einmal jährlich stimmt und wartet die Orgel ein Mitarbeiter der Traditionsfirma Fleiter, die im Jahr 1872 im ehemaligen Kolpinghaus am Horsteberg zu Münster gegründet wurde. Nicht nur Staub und anderer Schmutz, sondern auch das regelmäßige Spiel auf der Orgel führen zu Abnutzungen.

Die Pfeifenorgel wird auch gerne als Königin der Instrumente bezeichnet, nicht nur wegen ihrer oftmals imposanten Größe, sondern vor allem wegen ihrer Langlebigkeit. Stefan Reider (51), Orgelbauer und bei Fleiter für die Wartung und Stimmung der imposanten Instrumente zuständig, sei immer wieder begeistert, wie gut die Orgel in Herbern erhalten ist.

„Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen große Rolle“

Einen ganzen Tag verbringt er in St. Benedikt, um gemeinsam mit Küster und Organist Uwe-Reiner Bochmann dafür zu sorgen, dass die Töne klar und „hörbar“ rein aus den Pfeifen klingen. Während Bochmann die Tasten auf Anweisung des Orgelbauers bedient, steht dieser im „Inneren“ der Orgel.

Mit dem sogenannten Stimmhorn oder dem Stimmeisen erweitert oder verengt er eventuell falsch klingende Töne direkt an den jeweiligen Pfeifen. „Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen eine große Rolle“, weiß der Fachmann. Sobald sich diese stark verändert, „stimme“ gar nichts mehr.

Mehr als 2000 Jahre alte Technik

Eine Orgel funktioniert noch immer, wie bei ihrer Erfindung vor mehr als 2000 Jahren. Mithilfe von Luft, die kontrolliert in die verschiedenen Pfeifen strömt, wird ein Ton erzeugt. Inzwischen übernimmt der Orgelmotor das Auffüllen des Balgwerks.

In einem kleinen Raum neben der Orgel ist immer noch zu sehen, wie dies früher funktioniert hat: Ein Gemeindemitglied oder Messdiener stellte sich auf die zwei Pedale, um den riesigen Blasebalg mit Luft zu füllen. Hierbei war allerdings Fingerspitzengefühl gefragt. Es durfte nicht zu viel oder gar zu wenig Luft sein. Wenn der Pedal-Tritt nicht stimmte, stimmten auch die Töne nicht.

125 Jahre Fleiter-Orgel: 1119 Pfeifen erklingen zum Geburtstag in St. Benedikt

In diesem kleinen Raum neben der Orgel war in früheren Zeiten viel Muskelkraft gefragt, wenn es darum ging, den Blasebalg mit Luft zu füllen. © Claudia Hurek

Die kleinste Pfeife der Orgel in St. Benedikt ist gerade einmal so groß wie ein Daumennagel, die größte ist gut 4,80 Meter groß, es gibt welche aus Metall und welche aus Fichtenholz. Im Übrigen sind die Pfeifen, die für die Kirchenbesucher sichtbar sind, „stumme“ Pfeifen – heißt: Sie dienen der Zierde der Orgel und haben keinerlei Funktion.

Die Übertragung der Töne von den Tasten geschieht durch die Traktur, bei der die Druckbewegung der Taste in eine Schiebebewegung umgesetzt wird. Diese wiederum öffnet ein Ventil zum Windkanal, sodass Luft in die Pfeife strömt und diese erklingt.

Wie das genau funktioniert, können sich interessierte Besucher im Anschluss an das gut einstündige Konzert am Sonntag ansehen und anhören. Der Eintritt zum Konzert ist frei.

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