„Ehrverletzend und bedrohlich“: So deutlich äußert sich ein Psychologe zu Morddrohungen in Herbern

rnGeschmacklose Papierschiffe

Die geschmacklosen Papierschiffe vor einer Haustür in Herbern haben mit einem Kinderstreich nicht mehr viel zu tun, sagt ein Psychologe. „Hier ging es nur darum, Angst zu verbreiten.“ Aber warum?

Herbern

, 19.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war nur ein Kinderstreich – ein ziemlich übler allerdings. „Zu krass für einen Kinderstreich“, meinte gar eine Facebook-Userin zu dem Vorfall, der sich in der vergangenen Woche in Herbern ereignete.

„Du tot. Ich dich tot“, stand auf den kleinen bunten Papierschiffen, die vor der Haustür von Familie Hankmann lagen. Auch eine konkrete Uhrzeit war angegeben: 15 Uhr.

Ab wann geht eine Alberei zu weit?

Sabine Hankmann (38) aus Herbern hatte keine Angst, aber sie war irritiert – und musste später, nachdem sich die Kinder entschuldigt hatten, doch zugeben: „Es war mir wichtig, dass das passiert. Und dass nicht doch jemand hinter den Büschen auf einen lauert.“

Jetzt lesen

Laut Hankmann waren die Kinder „sehr getroffen, dass das so eine blöde Aktion war“. Einsicht ist wohl der erste Schritt zur Besserung und Streiche sind ein Teil der Kindheit. Aber wo ist die Grenze? Ab wann geht eine Alberei zu weit?

Kein „dummer Jungenstreich“ mehr

Der Lüner Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Christian Lüdke wird deutlich in seiner Bewertung des Vorfalls: Mit „dummer Jungenstreich“ habe das nichts mehr zu tun, sagt er. „Ein Streich soll erst mal witzig sein. Wenn es aber ehrverletzend oder bedrohlich wird, geht das zu weit.“

Der Kinderstreich gehöre zur Kinder- und Jugendzeit dazu – „hier ging es aber nur darum, Angst zu verbreiten“. Das Motiv der Langeweile greift nach Lüdkes Ansicht in diesem Fall nicht. Dann hätten sich die Kinder etwas anderes, weniger Bedrohliches einfallen lassen.

Jetzt lesen

Was also könnte das Motiv sein, fragt Lüdke selbst. „Das kann eine Übersprungshandlung sein“, in jedem Fall aber hätten die Kinder hier die Grenze des Erlaubten überschritten.

In einer Zeit, in der es vor allem im Netz nur so von Hasskommentaren wimmelt, hätte man die geschmacklosen Botschaften mit Stift und Papier in die reale Welt transportiert – „ungewöhnlich“, meint Lüdke.

Vielleicht, sagt der Psychologe, sei die Berichterstattung über den Vorfall den Kindern eine Lektion. Und der nächste Streich wird hoffentlich doch wieder ein „dummer Jungenstreich“.

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Polizeieinsatz an Flüchtlingsheim

Jäger am Flüchtlingsheim kann Aufregung nicht verstehen: „Er hat sogar noch nett gegrüßt“