Rocco und Loretta Manfredi lernten sich in Deutschland kennen und lieben

rnGastronomie in Herbern

Ihre Heimatorte liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Trotzdem lernten sich Rocco und Loretta Manfredi erst in Deutschland kennen und verliebten sich. Die Geschichte einer Liebe.

Herbern

, 19.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Heimat Italien lebten sie rund 45 Kilometer entfernt voneinander, ohne sich jemals gesehen zu haben; er in Scorrano, sie in Surbo. Die beiden Orte liegen ganz im Süden, im sogenannten Absatz, in Apulien. Kennengelernt haben sich die beiden allerdings erst viele Jahre später, als beide längst erwachsen waren, in Hamm.

In Herbern kennt sie jeder: Rocco und Loretta Manfredi, die seit 1995 mit viel Herzblut ihre Antica Fattoria betreiben. Loretta (60) kam im Jahr 1969 mit ihren Eltern und ihren zwei inzwischen leider verstorbenen Brüdern als sogenannte Gastarbeiterfamilie nach Deutschland; ihre beiden Schwestern blieben in Italien. In Rünthe fand die Familie ein Zuhause. Der Vater arbeitete in einer Metallfabrik, die Mutter in einer Teppichfabrik. Nach ihrer Schulzeit erhielt Loretta in eben dieser Fabrik eine Arbeit als Maschinenführerin. Später half sie ihrem Bruder in dessen Bistro, dass dieser in Werne führte.

Im Mai 1989 folgte die Hochzeit in der Heimat Italien

Ehemann Rocco, der bereits in Italien eine Ausbildung zum Koch absolviert hatte, kam im Jahr 1979 zuerst für ein paar Monate nach Deutschland, wo er in Hamm lebte und arbeitete. Für seine Bundeswehrzeit ging er zurück nach Italien. Als sein Dienst dort beendet war, führte ihn sein Weg 1982 aus der Heimat abermals nach Hamm. Durch gemeinsame Freunde lernten sich Loretta und Rocco dann im November 1988 kennen und lieben und bereits im Mai 1989 wurde geheiratet; natürlich in der Heimat Italien mit der ganzen Familie und vielen Freunden. Vier gemeinsame Kinder krönen die Liebe der beiden quirligen Italiener: Maria (29), Fernando (28), Stefano (24) und Sandra (22).

Von 1989 bis 1995 führten beide selbständig ein Bistro in der Burgstraße in Werne, bevor sie ab 1995 nach Herbern zogen und sich zuerst im ehemaligen Haus Bathe in der Südstraße mit der Antica Fattoria ihr jetziges Standbein geschaffen haben. „Die erste Zeit hier war schon schwierig“, erzählt Loretta. „Wir kannten hier kaum jemanden und die Menschen hier waren zuerst einmal zurückhaltend.“ Während dieser Zeit lernte Loretta ihre beste Freundin kennen, die ihr nicht nur seelische Stütze war, sondern auch hinter den Kulissen mit angepackt hat. Diese Freundschaft dauert bis zum heutigen Tage an.

Geheiratet haben die beiden am 6. Mai 1989.

Geheiratet haben die beiden am 6. Mai 1989. © Privat

Im Jahr 2004 zog die Familie mit Sack und Pack und ihrer Pizzeria an den Kirchplatz, in die ehemalige Gaststätte der Familie Angelkort. Viele Herberner Vereine nutzen den gemütlichen Saal für Veranstaltungen. „Wegen Corona ist uns allerdings jede Menge weggebrochen“, so Loretta. „Gott sei Dank durften wir irgendwann wieder mit dem Außer-Haus-Verkauf starten und im Restaurant inzwischen wieder vier von acht Tischen besetzen. Ein großes Danke geht an dieser Stelle einmal an unsere Stammgäste, die uns nicht im Stich lassen.“ Noch sind die Sorgenfalten mit einem Blick auf die kommende Zeit nicht zu tief.

Loretta und Rocco Manfredi: „Als Familie schaffen wir das“

Ein großer Vorteil trotz Corona ist, dass Loretta und Rocco immer auf die Unterstützung und Hilfe ihrer Kinder zählen können. Die vier helfen trotz eigener Jobs immer gerne bei den Eltern im Betrieb aus. „Der einzige Angestellte ist unser Pizzabäcker, der zurzeit noch im Urlaub ist“, sagt Rocco. „Das wäre ja ganz furchtbar, wenn wir Mitarbeiter aufgrund der Krise hätten entlassen müssen“, fügt Loretta hinzu. „Als Familie schaffen wir das und blicken nun erst mal positiv gestimmt in die Zukunft.“

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Die Frage nach ihren Leibgerichten beantworten beide sehr unterschiedlich. Während Rocco einfach „alles“ gerne ist, lässt Loretta für ein Jägerschnitzel mit Pommes alles andere stehen. Die Pizza, die am häufigsten von den Gästen bestellt wird, ist die Pizza Rocco. Schinken, Spinat, Krabben, Peperoni und viel Knoblauch gehören auf die Favoritenpizza der Herberner.

Ob eines der Kinder einmal den elterlichen Betrieb weiterführen wird, steht noch in den Sternen. „Aber wir haben eh noch nicht vor, mit dem Arbeiten aufzuhören“, sag Loretta mit Bestimmtheit. Die wenigen Urlaubstage, die beide sich gönnen, verbringen sie in der Heimat Italien. Dort besuchen sie dann „Mama Leone“, die Mutter von Loretta, die mit ihren 91 Jahren noch recht rüstig ist. „Wir wünschen uns für die Zukunft, dass die Menschen nicht mehr so viel Angst wegen des Virus haben und sich die alte Zufriedenheit wiedereinstellt.“

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