So kommentieren Aschebergs Politiker die Wahl

Starkes Abschneiden der FDP

Die Liberalen sind es, die der Union am Sonntag zusammen mit der AfD massive Verluste beschert haben. Ascheberg macht da keine Ausnahme. Hier holte die FDP das zweitbeste Ergebnis im ganzen Münsterland.

ASCHEBERG

, 25.09.2017 / Lesedauer: 3 min

Woher kommen die AfD-Wähler? Diese Frage geistert seit Sonntagabend durch die Wahlanalysen. Viele sind Nichtwähler, lautet die Antwort. Andere kommen von der Union. Zweiter Punkt in der Analyse zur Wählerwanderung: Auch die FDP hat vom ehemaligen Koalitionspartner bundesweit mehr als 1,3 Millionen Wähler gewonnen. Offizielle Zahlen für Ascheberg gibt es nicht – sowohl FDP als auch CDU gehen aber davon aus, dass die Tendenz in der Gemeinde und im Münsterland dieselbe ist wie auf Bundesebene.

Mit 46,3 Prozent der Zweitstimmen verlor die CDU in Ascheberg 7,4 Prozentpunkte, die FDP hingegen legte um 9,3 Prozentpunkte zu und landete am Ende bei 15,5 Prozent. "Ich denke schon, dass auch in Ascheberg viele Unionswähler ihr Kreuz bei der FDP gemacht haben", sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Maria Schulte-Loh (CDU) am Sonntagabend im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Johannes Waldmann eine "erstaunliche" Entwicklung, wie er am Sonntag sagte. CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Dietmar Panske hingegen habe das schon im Wahlkampf kommen sehen.

Unzufrieden mit dem Zweitstimmenergebnis der CDU

"Das sind natürlich alles nur Momentaufnahmen", sagte Panske am Montag auf Anfrage. In Gesprächen mit Bürgern hätte sich aber herauskristallisiert, dass Unionswähler mit ihrer Zweitstimme den natürlichen Koalitionspartner von CDU und CSU hätten stärken wollen. "Ich kann aus dem Wahlkampf bestätigen, dass sich viele eine ähnliche Konstellation vorgestellt haben wie nun auf Landesebene."

Zufrieden sei er mit dem Zweitstimmenergebnis der CDU in Ascheberg nicht, resümierte Panske, der sich nach der Wahlparty am Sonntag direkt auf den Weg ins Kreishaus nach Coesfeld und anschließend nach Havixbeck machte, um Direktkandidat Marc Henrichmann zum Einzug in den 19. Bundestag zu gratulieren.

Anteil der Kommunalpolitik?

Dass das starke Abschneiden der FDP auch auf die Kommunalpolitik zurückzuführen sei, verneinte Panske am Montag. "Davon gehe ich nicht aus, zumal das auch kein neues Phänomen ist." Auch FDP-Ratsmitglied Jochen Wismann bleibt realistisch: "Im Grundsatz sind das bundespolitische Entscheidungen", sagte Wismann am Montag auf Anfrage.

In überschaubarer Weise hoffe er aber, dass auch die Kommunalpolitik daran ihren Anteil hatte. Wismann: "Ich denke, dass wir in der vergangenen Zeit in Ascheberg auch eine Politik für die Bürger gemacht haben." Ähnlich wie auch Bürgermeister Dr. Bert Risthaus führt er das Wahlergebnis aber in erster Linie auf enttäuschte Unionswähler zurück, die mit der Politik von Angela Merkel und der Großen Koalition nicht zufrieden waren.

Dass die AfD ähnlich wie auf Bundesebene auch in Ascheberg viele Nichtwähler mobilisieren konnte, glaubt Bürgermeister Risthaus nicht. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung in Ascheberg bei 81,9 Prozent – und damit noch einmal höher als 2013 (78,6 Prozent). Den Anteil der ehemaligen Nichtwähler, die nun ihr Kreuz bei der AfD gemacht habe, stufte Risthaus am Montag als "marginal" ein.

Freude bei Marc Henrichmann
Mit 51,6 Prozent haben die Bürger des Wahlkreises Coesfeld-Steinfurt II Marc Henrichmann (CDU) am Sonntag in den 19. Deutschen Bundestag gewählt. "Das hat meine Erwartungen deutlich übertroffen", sagte Henrichmann am Montag. "Als Neuling habe ich nicht den riesigen Bekanntheitsgrad."
Ulrich Hampel (SPD) landete mit 23,5 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis auf Platz zwei. Der Listenplatz 19 reichte am Ende nicht, um erneut in den Bundestag einzuziehen.
FDP-Kandidat Daniel Fahr bleibt ein Platz in Berlin trotz eines guten Ergebnisses von 10,5 Prozent verwehrt. "Bis 6.28 Uhr bin ich wachgeblieben und habe gehofft", sagte Fahr. Doch Platz 24 auf der Landesliste der FDP reichte nicht aus. Nach 13 Jahren in der FDP und Kandidaturen 2009, 2013 und 2017 will er sich nun aus der aktiven Politik zurückziehen.

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