Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki sind die Glücksretter auf vier Pfoten

Tiergestützte Therapie

Tiere können bei Menschen wahre Wunder bewirken. Gerade bei Kranken und Alten können sie sogar therapeutisch wirken. Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki tun das – mit großem Erfolg.

Herbern

, 15.03.2019, 17:01 Uhr / Lesedauer: 4 min
Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki sind die Glücksretter auf vier Pfoten

Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki hören genau zu, wenn Frauchen Petra Köppel zu ihnen spricht. Die Hunde haben nicht nur Köppels Leben einen hohen Stellenwert. © Claudia Hurek

In den Augen meines Hundes liegt mein ganzes Glück, all mein Inneres, Krankes, Wundes heilt in seinem Blick.“ Als die deutsche Dichterin Friederike Kempner (1828-1904) dieses Gedicht über ihren Hund schrieb, waren alternativmedizinische Behandlungsverfahren mit tiergestützter Therapie noch so weit entfernt, wie damals eine Reise zum Mond umsetzbar.

Erst in den 1960er-Jahren entdeckte Kinderpsychotherapeut Boris M. Levinson, dass seine kleinen Patienten deutlich zugänglicher waren, wenn sein Hund – ein Retriever – bei der Behandlung zugegen war. Seit Ende der 70er-Jahre wird weltweit auf dem Gebiet der tiergestützten Therapie geforscht.

Ein Team aus tierischen Helfern

Die Herbernerin Petra Köppel (47), die seit über 20 Jahren in einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Münster beschäftigt ist, lebt mit ihren beiden Töchtern Sofie (20) und Luise (20), ihren Eltern sowie fünf Hunden in der Bauerschaft Horn. Die gelernte Altenpflegerin hat vor 24 Jahren ihre große Liebe zu den Cairn Terriern entdeckt, einem idealen Familienhund, der mit einer Größe bis zum 31 Zentimetern und einem Gewicht von rund 7 Kilogramm zu einer sehr anpassungsfähigen, aufmerksamen und fröhlichen Hunderasse gehört und somit prädestiniert für die Arbeit mit Menschen ist.

Ihr Hundeteam besteht aus Nele (10), einem Pon-Mischling, den Cairn Terriern Carla (9), Cookie (5), Loki (1) und dem Landseer-Bärenhund-Mix Lisbeth (3). Katze Luzie und zwei Wellensittiche komplettieren den Köppelschen Haushalt.

Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki sind die Glücksretter auf vier Pfoten

Der Hundetreff im Caritas Wohnhaus in Ascheberg ist bei den Bewohnern sehr beliebt. © Claudia Hurek

Erfahrungen in der Seniorenbetreuung

Bis zum Jahr 2011 nahm Petra Köppel regelmäßig ihre damaligen Hunde mit zur Arbeit. „Gerade in der Seniorenbetreuung habe ich schnell festgestellt, dass der Umgang mit den älteren Menschen viel, viel einfacher ist, wenn die Hunde dabei sind“, sagt sie. Durch Umstrukturierung an ihrem Arbeitsplatz war es dann leider nicht mehr möglich, die Hunde dorthin mitzunehmen.

Bedingt durch die durchweg positiven Erfahrungen bei der Arbeit mit alten, demenzkranken oder geistig behinderten Menschen, hat sich Petra Köppel mit ihren Hunden Nele und Carla im 4-Pfoten-Helfer-Team der Pfotenschule von Regine Zweig im Emsland von 2011 bis 2015 ausbilden lassen. In den Bereichen Grundausbildung und Sachkunde, Erste Hilfe am Hund, Physiotherapie am Hund, Krankheitsbilder in Pflegerichtungen, Umgang mit demenzkranken Menschen, pädagogische Einführung in tiergestützter Arbeit mit Kindern sowie in psychologischen Bereichen, fanden die Abschlussprüfungen statt.

Gemeinsam in der Helping Dogs Company

Gemeinsam mit Regine Zweig und Anke Gerding gründete sie die Helping Dogs Company, ein überregionaler Zusammenschluss des 4-Pfoten-Helfer-Teams (Emsland), der Glücksretter auf 4 Pfoten (südliches Münsterland) sowie des Hundezeit Teams (nördliches Münsterland). Man hilft sich untereinander und kann zum Beispiel problemlos in einem großen Team mit Schulklassen oder größeren Menschengruppen zusammenarbeiten.

Die Arbeit in Kindergärten liegt Petra Köppel ganz besonders am Herzen. „Hier lernen die Kinder, die Sprache der Hunde und den richtigen Umgang mit den Vierbeinern zu verstehen.“

Unter tiergestützter Therapie, Intervention und Pädagogik versteht man Maßnahmen, bei denen durch den Einsatz eines Tieres in Begleitung einer Fachkraft positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen erzielt werden. Vor allem zur Heilung oder Linderung psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen sowie zur Verbesserung körperlicher Defizite dient der Hund als Mittler zwischen Patienten und Fachkraft.

Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki sind die Glücksretter auf vier Pfoten

Carla, Nele, Cookie, Lisbeth und Loki hören genau zu, wenn Frauchen Petra Köppel zu ihnen spricht. © Claudia Hurek

Das Personal muss „mitspielen“

Neben ihrer Festanstellung in Münster besucht Petra Köppel einmal monatlich das Katharinenstift St. Georg und bietet hier den überwiegend psychisch kranken Bewohnern in einer Gruppenstunde mit den Hunden eine Abwechslung im Alltag an. Hier muss Köppel als Trainerin Sicherheit geben, da der Stresslevel für die Hunde durchaus hoch sein kann – auch wenn sie eine gewisse Toleranz haben: „Sonst würde das Ganze auch hier nicht funktionieren“, so Köppel. „Ganz wichtig ist es auch, dass das Personal ‚mitspielt‘ und wertschätzt, was man tut. Eine ruhige Atmosphäre und gute Vorbereitung sind die Grundvoraussetzung, um effektiv arbeiten zu können.“

Im Caritas Wohnhaus in Ascheberg gibt es sogar einen wöchentlichen Hundetreff für die überwiegend geistig behinderten Bewohner. Da das Interesse an diesem Hundetreff so groß ist, gibt es inzwischen zwei Gruppen, die im Wechsel Besuch vom Hundeteam bekommen. Anders als im Katharinenstift – hier wird der Hundetreff von der Einrichtung finanziert – zahlen die Bewohner des Caritas Wohnhauses pro Treffen jeweils 5 Euro von ihrem monatlichen Taschengeld.

Oftmals ist selbst dieser geringe Betrag eine Hürde, die viele Bewohner nicht stemmen können.

Bewohner freuen sich auf Lisbeth und Co.

Judith Nierhaus und Petra Brinkmann, die in der Tagesbetreuung der Einrichtung beschäftigt sind, stellen fest, dass sich der wöchentliche Hundetreff positiv auf die Teilnehmer auswirkt. „Die Bewohner freuen sich riesig auf die Treffen“, so Brinkmann. „Sobald die Hunde hier sind, kann man sofort eine Veränderung feststellen.“ So wie zum Beispiel bei Ute, die in ihrem normalen Alltag sehr introvertiert ist und kaum spricht. Sobald ihr „Lisbeth“ zu Füßen liegt, ist sie kaum zu halten und redet freudig drauf los. Immer wieder ruft sie die Hunde, die sie alle beim Namen kennt; ihrem Gesichtsausdruck ist die große Freude deutlich anzusehen.

Wenn Petra mit den Hunden wieder weg ist, hallt die Freude über das Erlebte bei den Bewohnern noch lange nach, wissen die Tagesbetreuerinnen: Da werde noch über das Erlebte gesprochen und Gedanken ausgetauscht. „Es gab hier auch mal Tiere im Wohnhaus“, erzählt Judith Nierhaus. „Fische, Hasen und auch mal Ziegen. Das große Problem ist leider nur die Versorgung und der Unterhalt, so dass man die irgendwann abgeschafft hat.“

Therapiekosten werden von Krankenkassen nicht übernommen

Neben den Gruppentreffen gibt es auch Einzelbetreuungen. In einem Fall hat hier der behandelnde Neurologe die tiergestützte Therapie ausdrücklich empfohlen. „Schön wenn inzwischen auch Schulmediziner einmal von ihrer starren Haltung abweichen“, sagt Köppel. Der Behandlungserfolg gibt ihr in diesem Fall Recht.

Aber es ist immer noch so, dass diese Art der Therapie von den Krankenkassen weder bezahlt noch bezuschusst wird.

„Hier müsste sich dringend etwas ändern“, so Köppel. Dass Hunde auch Lebensretter sein können, hat Petra Köppel bereits am eigenen Leib erfahren müssen. Bei einem Wohnungsbrand im Jahr 2015, der durch eine defekte Dunstabzugshaube, ausgelöst wurde, haben die Hunde sie geweckt und so dafür gesorgt, dass alle Hausbewohner mit einem Schrecken davongekommen sind. „Sonst wären wir jetzt vielleicht nicht mehr da.“

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