Tiny Houses in Ascheberg: „Minihaus auf riesigem Grundstück ist unvorstellbar“

rnReaktion auf Antrag der UWG

Wohnen auf kleinstem Raum - das steckt hinter der Idee sogenannter „Tiny Houses“. Winzige Häuser als bezahlbarer Wohnraum in Ascheberg? Der Wunsch der UWG ist bisher nur in der Theorie umsetzbar.

Werne

, 21.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Regal dient gleichzeitig als Leiter, aus dem Tisch wird eine Arbeitsplatte und das Bettgestell wird abends mit einem Seil von der Decke auf den Boden gezogen. Das Leben auf engstem Raum will durchdacht sein. Mit raffinierten Einrichtungskniffen wird jede Ecke im sogenannten „Tiny House“ ausgenutzt.

Winzige Häuser werden immer beliebter. Vielerorts gibt es bereits ganze Siedlungen mit Tiny Houses. Ist so etwas auch in der Gemeinde Ascheberg möglich? Diese und weitere Fragen zu dem Thema dieser alternativer Wohnform möchte die UWG-Fraktion der Gemeinde Ascheberg beantwortet wissen.

Einen entsprechenden Antrag stellte Volker Müller-Middendorf, Fraktionsvorsitzender der UWG, im jüngsten Bau-, Planungs- und Umweltausschuss Anfang Mai vor.

Tiny-House-Siedlung als Pluspunkt für Ascheberg?

„Die Anforderungen an Wohnraum und Wohngebäude verändern sich permanent, es wird bezahlbarer und individueller Wohnraum gebraucht. Die sich überall verknappende Siedlungsfläche trägt dazu bei, dass flexiblere Wohnformen mit geringerem Flächenbedarf attraktiver werden und in den Markt drängen. Das klassische Einfamilienhaus ist nicht mehr die bevorzugte Lösung für alle“, heißt es in dem Antrag der UWG.

Der Trend des „Tiny House“ ist in den 1920er-Jahren in den USA entstanden.

Nur wenig Wohnraum: Der Trend des „Tiny House“ ist in den 1920er-Jahren in den USA entstanden. © picture alliance/dpa

Ein Wohnen auf kleinem Raum und kleiner Fläche könne eine Alternative sein - vor allem bei immer größerem Druck auf dem Immobilien- und Grundstücksmarkt. Darüber hinaus könne eine Tiny-House-Siedlung die Gemeinde Ascheberg attraktiver machen, so Müller-Middendorf weiter.

Aber weder die mobile Variante (das Haus passt auf einen Anhänger), noch die stationäre Variante kommen ohne Baurecht aus. Außerdem gilt stets der Bebauungsplan, der gewisse bauliche Anforderungen an die Häuser stellt.

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Einen entsprechenden Antrag auf Baurecht habe es bislang in der Gemeinde Ascheberg noch nicht gegeben, erzählt Klaus van Roje, Bereichsleiter Bauen und Wohnen bei der Gemeinde. Etwa zehn Anfragen - darunter keine konkrete - habe es in den Jahren 2018 und 2019 gegeben.

Theoretisch könnte man ein Tiny House in den Neubau-Wohngebieten realisieren. So gibt es in den Gebieten Königsallee (Ascheberg), Hemmen (Davensberg) und Breilbusch (Ascheberg) nur Höchstmaße als Vorgaben im Bebauungsplan. Das heißt, es dürfen dort maximal zweigeschossige Bauten entstehen.

Minihaus auf riesigem Grundstück

Doch was theoretisch machbar ist, ist nicht gleich praktisch sinnvoll. Auf den recht großen Baugrundstücken von teilweise 600 Quadratmetern werde sich wohl kein Bauherr ein Tiny House für 30.000 Euro vorstellen können.

Die Grundstücke für mehrere solcher Minihäuser zu unterteilen, sei darüber nicht rechtens. Denn aufgrund der Vergaberichtlinien dürfen die Eigentümer ihr Grundstück nur selbst nutzen, wie van Roje erklärt.

Ob stationär oder mobil - für jede Minihaus-Variante bedarf es Baurecht.

Ob stationär oder mobil - für jede Minihaus-Variante bedarf es Baurecht. © Alexander Heinl/dpa-tmn

Dennoch werde man die Nachfrage nach dieser speziellen Wohnform weiter beobachten und gegebenenfalls mit anderen Kommunen, die bereits Erfahrung mit Tiny Houses gemacht haben, Kontakt suchen. Klaus van Roje bezeichnet die Minihäuser bisher als Modeerscheinung: „Die Erfahrung vieler Kommunen zeigt, dass die Häuser zu minimalistisch sind. Da wird gleich zum Einzug gesagt, dass man keine Geschenke mitbringen sollte, weil zu wenig Platz dafür sei.“

Wohnraum sei in Ascheberg derzeit generell knapp. Ob Doppelhaushälfte, Eigentumswohnung oder bezahlbarer Wohnraum: In allen Bereichen sei die Nachfrage sehr hoch, so Klaus van Roje.

Ursprünge in den USA

Der Ursprung der Tiny Houses liegt in den USA. Bereits in den 1920er-Jahren wurden dort Mini-Häuser errichtet. Nach amerikanischem Baurecht gilt ein Haus mit bis zu einer Wohnfläche von 37 Quadratmetern als Tiny House. In Deutschland kam ein regelrechter Tiny-House-Trend in den vergangenen Jahren auf. Erste Siedlungen sind bereits in Planung - darunter etwa in Dortmund-Sölde.

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