Blick auf die besagte Fläche, auf der das neue Industriegebiet in Herbern entstehen soll. © Harenbrock (A)
Ondrup in Herbern

Unzufrieden mit Gewerbegebiet Ondrup: Bürger konfrontieren Bürgermeister

Die Kritik an dem neuen Gewerbe- und Industriegebiet Ondrup in Herbern reißt nicht ab. Am Dienstagabend nutzten die Bürger die Einwohnerfragestunde im Rat, um Kritik zu üben.

Die Sorgen um die Firmen, die sich in dem neuen Gewerbe- und Industriegebiet H33 „Ondrup“ in Herbern ansiedeln könnten, reißen nicht ab. Mehrere Bürger hatten am Dienstagabend (5. Oktober) die Chance zur Einwohnerfragestunde in der Ratssitzung der Gemeinde in der neuen Aula der Profischule in Herbern genutzt, um dem Bürgermeister ihre Sorgen mitzuteilen. Thomas Stohldreier hatte am Ende die Fragen der zahlreichen Bürgerinnen und Bürger beschränkt.

Nicht nur besteht Sorge um eine Verzögerung des Baus der neuen Feuerwehr, die Teil des Gesamtbebauungsplanes ist. Deshalb hatten Bürgerinnen und Bürger bereits in dem vorangegangenen Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss (HFWA) nach Paragraf 24 Gemeindeordnung NRW den Antrag eingereicht, die Fläche der neuen Feuerwehr aus dem Verfahren auszuklammern.

Da hatte der HFWA vorab aber ins Verfahren verwiesen. Und erklärt, dass das Ausklammern der Feuerwehr für erhebliche Mehrkosten sorgen würde, auch, weil dann etwa neue Gutachten nötig würden, wie Helmut Sunderhaus, Fachbereichsleiter Allgemeine Verwaltung, Finanzen und Wirtschaftsförderung, auf Anfrage erklärt hatte.

Bürger sind mit Aussagen zum Baugebiet sichtlich unzufrieden

Auch besteht weiterhin Sorge über die Art der sich ansiedelnden Firmen. Zunächst habe es im Bauausschuss geheißen, dass sich örtliche Firmen ansiedelten, später habe es dann geheißen, man wisse noch nicht, wer sich ansiedele, erklärte ein Bürger. Hier forderte der Herberner Klarheit. „Wir sind jetzt in dem Stadium, in dem sich Betriebswillige anmelden können“, so Klaus van Roje, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen. Das gehe über einen Betriebsanmeldebogen. Das alles sei ein sehr dynamischer Prozess, da sich die Betriebe kostenfrei an- und wieder abmelden könnten, was mit einer hohen Fluktuation einhergehe. Als eine weitere Nachfrage zu konkreten Firmen nur vage beantwortet wird, kann sich ein Bürger ein sarkastisches Lachen nicht verkneifen.

Van Roje erklärte, dass die Zusage zur Ansiedlung in einigen Fällen zögerlich gewesen sei, als es zum Schwur kommen sollte. „Deshalb geben wir ungern Wasserstandsmeldungen. Wir haben derzeit eine gute Bewerberlage. Wenn alle kommen, die auf der Liste stehen, könnten wir das Gebiet ausverkaufen.“ Gleichzeitig bestehe die Sorge, dass der ein oder andere doch nicht unterschreibe, weil sich das Verfahren hinziehe.

Das neue Gewerbe- und Industriegebiet Ondrup war in der Vergangenheit von Anwohnern massiv kritisiert worden, da sich dort rein rechtlich auch Tierverwertungsanlagen oder Schwerindustrie ansiedeln könnte und die Gemeinde die Grundstücke verkauft und so aus der Hand gebe. Auch sind in den Plänen keine Lärmobergrenzen festgeschrieben. Das wolle man einzeln mit den jeweiligen Betrieben klären und bei der Ansiedlung der Firmen könne man die heraussuchen, die in den Ort passten, heißt es stets von der Verwaltung. Die Feuerwehr in Herbern werde nicht verzögert, der Bau soll im kommenden Jahr starten, so Stohldreier.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller