Vor Bohrungen: Sorgen ums Trinkwasser in Herbern

Grenzwerte bei Tests überschritten

Frank Holtrup (36) war neugierig. Was trinken er und seine Familie jeden Tag, wenn sie den Wasserhahn aufdrehen? Der Ingenieur aus der Bauerschaft Nordick, nahe der Stelle, wo Hamm-Gas jetzt Probebohrungen nach Flözgas durchführen will, hat das Brunnenwasser untersuchen lassen - mit überraschendem Ergebnis.

HERBERN

, 20.05.2015, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frank Holtrup hat das Grundwasser ausgiebiger testen lassen, als das Gesundheitsamt es vorschreibt. Das Ergebnis: „Mehrere Grenzwerte werden deutlich überschritten“, so der CDU-Politiker.

„Der Ammoniumgrenzwert ist um mehr als das Dreifache überschritten“, so Holtrup: 1,6 Miligramm pro Liter statt 0,5 Milligramm, wie es die Trinkwasserverordnung vorschreibt. Das aus Waschmitteln bekannte Bor sei sogar mit 4,43 statt 1,0 Milligramm pro Liter vertreten.

„Beim Chlorid liegen wir ebenfalls deutlich höher.“ Nur ein erhöhter Wert macht ihm kaum Sorgen: das Fluorid (2,0 statt 1,5 Milligramm). „Das ist ja gut für die Zähne“ sagt der dreifache Familienvater und schmunzelt. „Man muss dann nur die Fluortabletten weglassen, sonst gibt es Fluorose“ - eine Krankheit, die in der Region schon bei Kindern aufgetreten sei.

Thema im Bauausschuss

Die hohen Werte, die Mitarbeiter der Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Nordrhein-Westfalen - (LUFA NRW) in Holtrups Auftrag ermittelt haben, hatte der CDU-Politiker Holtrup am Dienstagabend zum Thema im Bauausschus gemacht. Bauamtsleiter Klaus van Roje zeigte sich wenig verwundert: „Das ist in Nordick so.“

Ähnlich auffällige Werte ließen sich auch in der Osterbauer und in anderen Nachbarorten finden: „Geogene Ursachen“ seien dafür verantwortlich – mit anderen Worten: Die natürliche Erdbeschaffenheit sei schuld und nicht Verschmutzungen durch die Industrie – etwa durch den Bergbau, wie Holtrup es vermutet.

"Durchlöchert wie ein Schweizer Käse"

„Die Gegend hier ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse“, so Holtrup. 99 Bohrlöcher gäbe es in nächster Nähe: Relikte der Suche nach Kohlen, die die Ruhrkohle AG in den 1970er- und 80er-Jahren ins Münsterland geführt hatte. Dass bei der einen oder anderen Bohrung auch einmal mit Salzen und anderen Stoffen durchsetztes Wasser aus der Tiefe nach oben gelangt sei – in das etwa 60 Meter tiefe Grundwasser der Nordicker – „ist doch gar nicht unwahrscheinlich“. Leider fehlten Unterlagen.

Die gibt es auch nicht mehr bei der RAG, wie Ulrich Aghte, Sprecher des Unternehmens in Herne, dieser Redaktion mitteilte. Dass bei den geophysikalischen Untersuchungen das Grundwasser beeinträchtigt worden sei, „kann ich heute nicht mehr sagen“. Akten existierten nicht mehr. Bei der für den Bergbau in NRW zuständigen Bezirksregierung Arnsberg müsse der Abschlussbericht aber noch vorliegen, meint Aghte.

Welche Werte sind wichtig?

Egal, woher die hohen Werte stammen: Sie machen Holtrup in jedem Fall Angst. „Ich weiß nicht mehr, ob ich das Wasser überhaupt noch trinken kann.“ Das Gesundheitsamt sei jetzt gefragt. Dem hat Holtrup gestern den Analysebericht zugeschickt.

Bislang fühlt sich der Nordicker von den obersten Gesundheitswächtern des Kreises allerdings nicht gut beraten. Die hätten sich bislang immer mit einer einfachen Wasseranalyse zufrieden gegeben – bei der Bor, Ammonium und Co. gar nicht abgefragt würden.

Sind diese Werte überhaupt wichtig, um die Qualität des Wassers zu beschreiben? Das konnte Holtrup bislang niemand sagen. Dabei stelle sich diese Frage gerade jetzt: vor den Probebohrungen von Hamm-Gas „Wir müssen den Ist-Zustand genau feststellen, um später Verschlechterungen nachweisen zu können.“

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