Daniela Onken (48) und Simone Menkhaus (46) aus Herbern verbindet ein Schicksal. Kurz vor dem Weihnachtsfest bekommen sie die zerschmetternde Diagnose Krebs.

Herbern

, 25.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie feiert man Weihnachten, wenn man kurz davor eine zerschmetternde Diagnose vom Arzt bekommt? Warum gerade ich? Wird alles wieder gut? Diese und ähnliche Fragen mussten sich Daniela Onken (48) und Simone Menkhaus (46) aus Herbern stellen. Sie beide erhielten kurz vor dem Fest die Diagnose Darmkrebs.

Die Büroangestellte Daniela Onken bekam die Diagnose im vergangenen Jahr genau eine Woche vor Weihnachten, am 18. Dezember 2017. Im Rahmen einer normalen Vorsorge und der damit verbundenen Blutuntersuchung habe der Hausarzt festgestellt, dass der Eisenwert viel zu niedrig sei. Nachdem auch andere Blutwerte darauf hinwiesen, dass im Körper von Daniela Onken irgendetwas nicht stimmen kann, begab man sich auf die detaillierte Suche nach dem Auslöser.

Schließlich hätten die Ärzte nach einer Magen- und Darmspiegelung festgestellt, dass sich im Darm ein Tumor gebildet hat, der von seiner Beschaffenheit wohl bösartig war.

OP musste bis nach Weihnachten warten

Als mir die Ärztin im Werner Krankenhaus dann die Diagnose mitteilte, dachte ich, die Erde tut sich unter meinen Füßen auf“, sagt Daniela Onken heute. „Mein erster Gedanke war: Was macht denn jetzt meine Familie? Und die erste Frage an meinen Arzt lautete: Wie lange habe ich noch?“ Die Ärztin habe ihr dann mit vielen Erläuterungen doch etwas die Angst nehmen können. „Wir haben den OP-Termin dann auf nach Weihnachten verschoben.“

So gut es ging habe Daniela gemeinsam mit Ehemann Holger (49) das Weihnachtsfest „über die Bühne gebracht“, bevor sie am 27. Dezember ins Krankenhaus musste. Am 29. Dezember entfernten die Ärzte den Tumor, dessen Bösartigkeit sich bei der anschließenden Untersuchung bestätigte, sowie 39 Lymphknoten.

„Ich habe die Zeit wie in einem nebligen Tunnel verbracht.“
Daniela Onken

„Im Nachhinein betrachtet, habe ich die Zeit ab der Diagnose bis zur Operation wie in einem nebligen Tunnel verbracht“, sagt Onken. Da einer der entnommenen Lymphknoten leichte Veränderungen aufwies, riet der Onkologe damals zu einer Chemotherapie. „Die erste Chemo von insgesamt zwölf – jede dauert circa drei Stunden – war noch ganz easy. Mir war nicht schlecht oder sonst irgendwas. Das änderte sich aber mit jeder weiteren Chemo, die im Abstand von 14 Tagen stattgefunden hat. Mir wurde jedes Mal schlechter, ich war ständig müde.“

Eine Auszeit im Lieblingsurlaubsland Dänemark sorgte zwischen den einzelnen Therapien für eine kurze Erholung. „Auch für den Kopf ist es wichtig, mal rauszukommen“, erzählt Onken. Ehemann Holger sowie der Rest der Familie des kinderlosen Ehepaares standen wie ein Fels in der Brandung hinter ihr. „Für Holger war das Ganze auch nicht einfach. Der hat sich schon große Sorgen gemacht, es aber nie gezeigt.“

„Der 4. Oktober ist wie ein zweiter Geburtstag“

Das Abschlussgespräch nach der letzten Chemo fand am 4. Oktober statt. „Dieser Tag ist für mich nun wie ein zweiter Geburtstag, nachdem mir mein Onkologe gesagt hat, dass ich ‚geheilt‘ bin. Daran können auch die künftig anstehenden regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen nichts ändern.“

Nach der abschließenden Reha in Bad Brüggenau habe sich die Büroangestellte wie neu geboren gefühlt. Sie freut sich, wie sie sagt, schon jetzt auf ihre Wiedereingliederung in ihren Job ab Januar und ihre Kollegen beim Landschaftsverband in Münster. „Auch dieses Weihnachtsfest können wir nun wieder viel befreiter feiern. Die dunklen Wolken sind endlich vorübergezogen.“

„Wie lange habe ich noch?“: Zwei Herbernerinnen bekommen vor Weihnachten die Diagnose Krebs

Simone Menkhaus will die Weihnachtszeit genießen. Anfang Januar geht ihre Therapie weiter. © Claudia Hurek

Für Simone Menkhaus (48) dagegen ist der Himmel zum Weihnachtsfest noch zugezogen, da sie erst am 2. Januar genau erfahren wird, wie und mit welcher Therapie es weitergeht.

Anfang November ging sie, geplagt von heftigen Magenschmerzen, zu ihrer Hausärztin. „Ich hatte das im Frühjahr schon einmal. Aber wer rennt denn schon jedes Mal zum Doc bei etwas Bauchweh! Aber jetzt im November habe ich gedacht, mein Bauch zieht sich auf die Größe einer Erbse zusammen.“

Eine Ultraschalluntersuchung habe keinen Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung gebracht. Erst eine Blutuntersuchung ließ vermuten, dass hier irgendetwas nicht stimmt. „Bis zu dem Zeitpunkt habe ich noch nicht an irgendetwas Böses gedacht“, sagt Simone Menkhaus. „Erst als meine Ärztin mich Dienstagsmorgens um 7 Uhr anrief und mir mitteilte, dass meine Blutwerte auf eine dolle Entzündung hinweisen, wurde ich doch etwas kribbelig; zumal sie auf eine sofortige Einweisung in ein Krankenhaus beharrte.“

„Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht“

Inzwischen erhielt Simone Morphium wegen starker Schmerzen – „ich fühlte mich wie der Wolf in Rotkäppchen, als er jede Menge Steine im Bauch hatte“. Bei einem minimalinvasiven Eingriff durch die Bauchdecke entdeckten die Ärzte eine Perforation im Darm, Darminhalt und Eiter waren bereits in den Bauchraum gelangt. Sie entschieden sich sofort zu einer Not-Operation. „Mir wurden jede Menge Blätter zum Unterschreiben vorgelegt, Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht.“

Während der Operation entdeckten die Mediziner dann einen Tumor, den sie mit einem Stück Darm sowie den Lymphknoten entfernten. „Ich hatte Pech und Glück zugleich. Wäre das Loch im Darm nicht gewesen, hätte der Tumor unentdeckt erst einmal noch ganz ruhig weiterwachsen können. Der war zwar bösartig, aber für die Perforation nicht ursächlich.“

Gemeinsam mit Ehemann Willi (48) und den Söhnen Daniel (17) und Jens (10) schaut sie nun trotz allem relativ gelassen auf das Weihnachtsfest. Einen Termin beim Onkologen für die weitergehende Therapie hat sie am 2. Januar. „Was soll ich mich jetzt schon verrückt machen? Der Tumor ist erfolgreich entfernt, die Lymphknoten nicht betroffen. Wir genießen jetzt einfach die Weihnachtszeit und im Januar können wir uns immer noch Gedanken machen“, sagt Menkhaus zuversichtlich. „Alles andere hilft weder mir noch meiner Familie.“

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