Zoff bei den Grünen in Ascheberg: Hubertus Beckmann bricht mit seiner Partei

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Nach dem Stimmungshoch bei der Wahl gibt es bei den Grünen in Ascheberg Zoff. Der führte nun dazu, dass Hubertus Beckmann, langjähriger Ortsverbandssprecher und Ratsmitglied, mit seiner Partei bricht.

Ascheberg

, 03.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Grünen in Ascheberg waren die Kommunalwahlen im September 2020 ein voller Erfolg. Mit einem Plus von gut 10 Prozent avancierten sie zum großen Gewinner. Die Öko-Partei als Überflieger - von nun an mit vier statt wie bisher bloß einem Ratsmandat. Doch hinter den Kulissen scheinen sich unschöne Szenen abgespielt zu haben. Im Fokus: das bisherige Ratsmitglied Hubertus Beckmann. Der 56-jährige teilte am Freitag (30. Oktober) per Mail an unsere Redaktion seine „definitive Entscheidung zur Fraktionsbildung“ mit.

Demnach werde er künftig nicht Teil der Grünen-Fraktion sein, sondern vielmehr „als einzelner Ur-Grüner“ am Gemeinderat teilhaben. Heißt konkret: Beckmann bleibt Einzelkämpfer – von nun an jedoch in der Rolle eines „politisch unabhängigen Mitglieds“ des Gemeinderates. Zudem wolle er sich als sachkundiger Bürger um die Teilnahme am neu gegründeten Ausschuss Umwelt und Nachhaltigkeit bewerben. Seine Mitgliedschaft bei den Grünen wolle er vorerst ruhen lassen. Die Ratsfraktion der Grünen würde sich folglich nur noch aus drei Personen zusammensetzen: Karsten Senne, Sarah Mühlenbäumer und Heinz Wesselmann.

„Schwere Unstimmigkeiten“ in der Parteiarbeit

Der Grünen-Ortsverband Ascheberg hatte sich vor gut sieben Jahren auf Initiative Beckmanns gegründet. Seither war der Landwirt Sprecher des Ortsverbandes – wurde jedoch bei der jüngsten Parteiversammlung abgewählt. Sein Nachfolger ist Heinz Wesselmann, der nun eine Doppelsitze mit Marie Voß bildet. In der Begründung für seine Entscheidung nimmt Beckmann unter anderem Bezug auf eine interfraktionelle Sitzung von Grünen und CDU am Vortag; von der er bewusst „ausgeschlossen worden“ sei.

Auch Sicht Beckmanns hat das das Fass zum Überlaufen gebracht. Schon im Vorfeld habe es „schwere Unstimmigkeiten“ in der Parteiarbeit gegeben. Er habe insbesondere Kritik „an dem von den Parteikollegen angestimmten populistischen Wahlkampf, der leider zu großen Teilen auf fachlichen Defiziten fußte“ geäußert, schreibt Beckmann.

Beckmann erhebt schwere Vorwürfe gegen Parteikollegen

Seine Abwahl als Sprecher des Ortsverbands beschreibt der 56-Jährige so: „Zehn Tage nach der Kommunalwahl wurde ich dann in einer von Sarah Mühlenbäumer und Heinz Wesselmann initiierten Aktion mit Duft nach Hinterzimmerpolitik vom Parteivorsitz verdrängt.“ In einem klärenden Gespräch habe man sich später dann schließlich dennoch auf einen Neuanfang geeinigt.

„Lass uns das Gestern vergessen“, habe es geheißen. Die Nichtberücksichtigung bei der interfraktionellen Sitzung habe ihn erkennen lassen, dass er sich von diesem Versprechen habe blenden lassen. Beckmanns Erklärung endet mit dem Satz: „Eine vielversprechende politische Arbeit in einer grünen Fraktion erscheint mir nicht möglich.“

Ascheberger Partei weist Vorwürfe von sich

Heinz Wesselmann zeigt sich am Dienstag (3. November) durchaus irritiert von den Vorwürfen Beckmanns. Man habe im Zuge einer Fraktionssitzung im Vorfeld der interfraktionellen Sitzung festgelegt, wer an letzterer teilnehmen würde. Die Wahl fiel auf Senne und Mühlenbäumer. „Und da hat sich Herr Beckmann auch nicht zu geäußert“, sagt Wesselmann, der selbst ebenfalls nicht an der gemeinsamen Sitzung mit der CDU teilnahm.

Zu den Geschehnissen im Vorfeld hat Wesselmann eine klare Meinung: „Wir haben uns sehr bemüht, Herrn Beckmann sowohl in der Partei als auch in der Fraktion zu halten.“ Nach den klärenden Gesprächen im Anschluss an die Ortsverbandssitzung habe er auch das Gefühl gehabt, dass „es wieder zusammenwachsen könnte“. Dennoch kam es zum Bruch. „Und die Entscheidung von Herrn Beckmann müssen wir jetzt akzeptieren“, so Wesselmann weiter.

Wahl des Grünen-Vorstands fiel deutlich aus

Den Vorwurf, Mühlenbäumer und er hätten Beckmann in besagter „Aktion mit Duft nach Hinterzimmerpolitik“ vom Parteivorsitz verdrängt, weist Wesselmann ebenfalls von sich. Das sei „völlig an den Haaren herbeigezogen“. Vielmehr sei es so gewesen, dass Mühlenbäumer, die bis dato gemeinsam mit Beckmann an der Spitze des Ortsverbands stand, unter anderem aufgrund ihrer Tätigkeit im Kreistag vom Vorsitz zurückgetreten war.

Die anschließende Wahl zum Ortsverbandssprecher sei dann mehr als deutlich ausgefallen. Beckmann habe keine Stimme bekommen - bei einer Enthaltung.

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