Franziska Rutenfranz, Mitglied des Hundesportvereins HSV Holzwickede, ist mit ihrem Freund Goetz Wirkner im Asselner Wald unterwegs. Mit dabei sind ihre Hunde Cara und Paul. Gemeinsam üben sie den Sport Canicross aus. © Angelina Zander
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Canicross: „Wenn man gerne läuft, ist das ein Adrenalinkick“

Ein Spaziergang im Wald ist Ihnen zu langweilig? Sie haben einen Hund, der gerne läuft und an der Leine zieht? Und auch Sie sind kein Laufmuffel? Dann sollten Sie Canicross ausprobieren.

Überholen, Abbiegen, Anhalten: Klingt wie die Grundlagen des Autofahrens, sind aber Regeln, die Hunde für Canicross lernen müssen. Denn bei diesem Sport geht es für Hund und Herrchen mitunter in rasanter Geschwindigkeit durch den Wald. Vor allem dann, wenn Roller oder Mountainbike ins Spiel kommen. Da muss jedes Kommando sitzen.

Aber was ist Canicross, wer kann den Sport machen und wo? Antworten auf diese Fragen hat Franziska Rutenfranz. Sie lebt in Dortmund und ist Mitglied und Trainerin des Hundesportvereins Holzwickede, der auch Canicross im Programm hat.

Doch eines vor weg: Holzwickede bietet für den „Geländelauf mit Hund“ nicht die optimalen Bedingungen. Deshalb läuft und fährt die Dortmunderin mit ihren Hunden zum Beispiel im Wald in Asseln. Hier findet sie lange, ebene und gerade Strecken vor. Und die braucht sie auch, sonst wäre die Tour mit ihren Hunden schnell beendet.

Dortmunderin tritt bei Deutscher Meisterschaft an

Franziska Rutenfranz holt Cara und Paul aus dem Auto und zieht ihnen ihr Zuggeschirr an. Izzy muss im Auto warten. Sie wird für die Deutsche Meisterschaft im Turnier-Hunde-Sport geschont, die am 9. und 10. Oktober stattfindet. Izzy ist die „Maschine“, sagt Franziska Rutenfranz. Mit ihr rechnet sich die Dortmunderin einen Platz unter den Top 10 aus.

Den schwarzen Labrador-Schäferhund Paul nennt sie liebevoll das „Schulpferd“: Durch ihn sei ihr Freund, Goetz Wirkner, auf den Geschmack des Canicross gekommen. Und nun laufen sie zu zweit über Stock und Stein.

Mit diesem Roller trainiert Franziska Rutenfranz regelmäßig mit ihren Hunden, um sie auch für Wettkämpfe zu trainieren.
Mit diesem Roller trainiert Franziska Rutenfranz regelmäßig mit ihren Hunden, um sie auch für Wettkämpfe zu trainieren. © Angelina Zander © Angelina Zander

Wobei Laufen dabei nur die halbe Wahrheit ist. Franziska Rutenfranz macht ihre Belgische Schäferhündin Cara mit einer elastischen Leine an ihrem Scooter fest. Auf das Kommando „Go“ sprintet die Hündin los – und zieht den Scooter hinter sich her. Das gleiche funktioniert auch mit einem Mountainbike. Neben Franziska Rutenfranz und Cara laufen Goetz Wirkner und Paul.

Hund Paul ist mit einem Laufgurt mit Goetz Wirkner verbunden, der durch den Wald rennt. „Wenn man gerne läuft, ist das so ein Adrenalinkick, wenn man einmal mit Hund läuft“, berichtet Franziska Rutenfranz. Denn durch den Zug erreiche man ganz andere Geschwindigkeiten.

Training viermal in der Woche

Früher sei sie nie joggen gewesen, berichtet Rutenfranz. Im Fernsehen habe sie einen Beitrag zum „Dog-Triathlon“ gesehen. Eine Disziplin: Rad- oder Scooterfahren mit Hund. „Mein Hund hat damals nur an der Leine gezogen“, sagt Rutenfranz. Also lag der Gedanke nah: Das könnte der richtige Sport für ihn sein. Mit dem Labrador-Schäferhundmix Paul stieg sie in die Canicross-Szene ein. Zum Laufen sei sie also nur durch den Hund gekommen. „Um den Hund zu beschäftigen.“

Heute trainiert sie mit ihren Hunden viermal die Woche, insbesondere, weil sie sich gerade auf die Meisterschaft vorbereitet. Auf dem Stundenplan ihrer Hunde steht an einem Tag am Scooter oder Mountainbike laufen, an einem anderen „im Zug“ laufen, also am Laufgurt, und an einem weiteren ihr Frauchen beim Joggen im Wald begleiten. Doch das ist längst nicht alles. Canicross zählt zum Turnierhundesport. Das entspricht Leichtathletik mit Hund und ist in vier Disziplinen aufgeteilt: Hürdenlauf, Slalom, Hindernisbahn und Unterordnung. Immer ist auch der Mensch mit seinen sportlichen Fähigkeiten gefordert. Franziska Rutenfranz übt mir ihren Vierbeinern auch diese Sportarten aus.

Nur mit dem passenden Geschirr können die Hunde durch den Wald flitzen, ohne sich zu verletzen. Auch die Menschen brauchen das passende Equipment - einen Gurt, einen Roller oder ein Fahrrad.
Nur mit dem passenden Geschirr können die Hunde durch den Wald flitzen, ohne sich zu verletzen. Auch die Menschen brauchen das passende Equipment – einen Gurt, einen Roller oder ein Fahrrad. © Angelina Zander © Angelina Zander

Auf dem Hundesportplatz werden Slalom und Hindernislauf geübt

Und trainiert auch andere Hundebesitzer und ihre Hunde beim HSV Holzwickede. „Da üben wir vor allem Vierkampf.“ Slalom und Hindernislauf stehen hier zum Beispiel für die Hunde jeden Mittwoch und Samstag auf dem Programm, Sprinttraining für die Besitzer. „Man sollte engagiert sein und Spaß daran haben, mit seinem Hund Sport zu machen“, fasst Astrid Niemeyer zusammen, die ebenfalls Mitglied im HSV ist.

Alle zwei Wochen findet zudem dienstags ein Canicross-Treff statt. Nicht alle Mitglieder treten auch bei Wettkämpfen und Meisterschaften an. Sportlich-ambitionierte Hundebesitzer seien immer willkommen, betonen die Frauen. Die Gruppe trifft sich mittwochs um 17 Uhr und samstags um 10 Uhr.

Lust am Laufen und passende Ausrüstung sind Voraussetzung

Viel mitbringen müssen Hund und Herrchen nicht, um Canicross machen zu können. Die passende Ausrüstung ist aber unerlässlich: So eignet sich kein herkömmliches Hundegeschirr, um laufen zu gehen. Hiermit könne der Hund schlechter atmen und er habe nicht genug Bewegungsfreiheit, erklärt Rutenfranz.

Neben einer passenden Ausrüstung ist vor allem eines wichtig: „Beide müssen Bock drauf haben. Es gibt auch Hunde, die sind glücklicher auf dem Sofa“, sagt Rutenfranz. Hunderassen, die von Natur aus triebig sind, seien gut geeignet. Und: Wer mit dem Canicross beginnt, sollte langsam anfangen. Maximal 100 Meter am Stück laufen oder fahren reiche völlig aus.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede