Manfred Lawicki an dem neuen Abfallbehälter auf dem Klöcknerbahnweg. Er hatte dort zwischenzeitlich einen Plastikeimer aufgehängt, als der Mülleimer fehlte. © Carsten Janecke
Klöcknerbahnweg

Mann outet sich: Der Plastik-Mülleimer am Radweg ist von mir

Ein Plastikeimer als Beweis, dass Anwohnern am Radweg nicht alles egal ist: Manfred Lawicki (66) hat einen fehlenden Abfallkorb eigenhändig ersetzt. Er sagt: „Meckern kann jeder, man muss was tun.“

Der Klöcknerbahnweg ist einer der beliebtesten Freizeitwege für Radfahrer und Fußgänger in Kamen. Ist das Wetter schön, herrscht ordentlich Betrieb auf der Strecke zwischen Unna und Bergkamen.

Manfred Lawicki, der von seiner Wohnung aus auf die ehemalige Bahntrasse blicken kann, weiß, dass es dort manchmal zugeht wie auf dem Westenhellweg in Dortmund. Als dort plötzlich ein Abfallbehälter fehlt, offenbar von Vandalen abgerissen, macht sich das sofort bemerkbar.

„Alles war vermüllt. Flaschen, Hundekotbeutel, McDonald’s-Verpackungen“, sagt der 66-jährige Ex-Hoeschianer, der vor drei Jahren von Dortmund nach Kamen gezogen ist. Was tun? Lawicki greift zur Selbsthilfe.

Der Eimer für Meisenknödel ersetzte für einige Tage einen Abfalleimer, der aus seiner Verankerung gerissen wurde. © Stefan Milk © Stefan Milk

Einen Eimer mit Meisenknödeln umfunktioniert

Er schnappt sich einen Plastikeimer, in dem zuvor Meisenknödel gelagert waren, dazu einen Kabelbinder und befestigt das Ganze an dem Pfosten, an dem jener Abfallkorb hing, den Unbekannte aus der Verankerung gerissen hatten. „Ich bin jeden Tag auf der Trasse unterwegs. Und dass dort der ganze Mist lag, fand ich echt nicht gut“, sagt er.

Lawicki erkundet von der Trasse aus immer neue Wege in die Region. Auf Achse ist er mit seinem Hund Luna, einem vierjährigen Russischen Toy, gerade mal drei Kilo schwer. Und er beobachtete, wie „sein“ Abfalleimer jeden Tag voller wurde. „Plötzlich lag da ringsum nichts mehr. Er wurde richtig gut angenommen“, sagt er zufrieden.

Und richtig freute er sich, als Kräfte der GWA anrückten und den Selbstbau-Abfalleimer interessiert in Augenschein nahmen. „Ich dachte, die ignorieren den. Nein. Sie nahmen ihn ab, leerten ihn und hängten ihn wieder auf.“

Der neue Abfallbehälter am Klöcknerbahnweg, der in Kamen auch einfach als Trasse bezeichnet wird.
Der neue Abfallbehälter am Klöcknerbahnweg, der in Kamen auch einfach als Trasse bezeichnet wird. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Nicht das erste Mal dieser Art von Bürgerinitiative

Es ist nicht das erste Mal, dass Lawicki diese Art von Bürgerinitiative ergreift. Auch in Dortmund tat er das – im Steinbruch in Dortmund-Schüren. „Dort hat es aber niemanden interessiert.“ Dass die Stadtverwaltung in Kamen sofort reagierte, als der Missstand öffentlich wurde, findet er gut. „Wenn man merkt, da kommt ein Echo, macht es Spaß, sich um etwas zu kümmern.“

Sein Plastikeimer für Knödel ist mittlerweile weg, dafür hängt dort ein nagelneuer Abfallkorb. „Jetzt ist es hier wieder sauber“, sagt der frühere Mitarbeiter des Dortmunder Stahlwerks Phoenix-Ost, der früher sein Büro in der Hörder Burg hatte und Stahl-Legierungen berechnete. Und der frühere Kostenkalkulator verkalkulierte sich auch nicht am Radweg.

Die Parkbank am Radweg in Höhe Danziger Straße in unbrauchbar.
Die Parkbank am Radweg in Höhe Danziger Straße in unbrauchbar. „Wenn ich ein Brett hätte, dann würde ich sie schon längst repariert haben“, sagt Anwohner Manfred Lawicki. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Bank ohne Sitzbrett wartet auf Reparatur

Lawicki würde zudem gerne mit einer weiteren Hilfe der Stadt rechnen: „Seit Monaten ist die Bank in Höhe der Unterführung Derner Straße beschädigt“, weist er auf einen weiteren Missstand hin.

Die Bank aus Holz ist nicht nur verwittert wie zahlreiche andere Bänke an der Strecke, dort fehlt ein ganzes Sitzbrett, was das Ausruhen dort unmöglich macht. „Ich habe leider kein entsprechendes Brett, sonst wäre ich dort auch schon tätig geworden“, sagt er schmunzelnd. Er hofft, dass auch dieser Schaden schnell behoben wird. Bevor er doch noch ein Brett organisiert…

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke