Der Neubau der Unkeler Brücke ist noch nicht freigegeben: Das liegt an der merkwürdigen Kante zwischen dem fertig gepflasterten Weg und dem Stahlgebilde. © Stefan Milk
Unkeler Brücke

Neue Sesekebrücke passt nicht genau: Stadt liefert Erklärung

Die alte Unkeler Brücke über die Seseke ist durch ein modernes Bauwerk aus Stahl ersetzt worden. Doch eine auffällige Kante verhindert bislang die Freigabe. Hat es eine Panne gegeben? Die Stadt liefert eine Erklärung.

Als vor einigen Wochen im unterfränkischen Bürgstadt eine neue Fußgängerbrücke auf ihren Sockel gehoben wurde, gab es eine Überraschung. Es fehlten 14,5 Zentimeter, ein Auflieger lag zu tief. Die Brücke über den Fluss Erf musste wieder abgehoben werden, bis die ungeplante Kante beseitigt ist.

In Kamen ist es die Seseke, deren Fußgängerbrücken nach und nach erneuert werden. Am 26. Februar wurde die neue Unkeler Brücke per Kran auf ihren Sockel an der Henri-David-Straße gelegt – und auch dort gibt es eine auffällige Kante: Ob ebenfalls eine Panne passiert ist wie in Bürgstadt, ist eine Frage, die die Stadt Kamen erst nach zwei Anläufen erhellend beantwortet.

Spaziergängern ist der merkwürdige Höhenversatz an der Unkeler Brücke bereits aufgefallen. Am Übergang zwischen der Brücke und einem fertig gepflasterten Zuweg befindet sich eine Stufe – ungefähr so hoch wie ein Bordstein. Normalerweise schließt sich eine fertige Brücke niveaugleich an die Zuwege an. Die Unkeler Brücke passt aber augenscheinlich nicht genau, was jenseits des Bauzauns Spekulationen über Baupfusch oder einen Planungsfehler auslöst. Ist also bei der Bauausführung oder Planung eine Panne passiert?

Die Stadtverwaltung beantwortet die Frage nach einer Erklärung für die Kante mit einer etwas umständlich klingenden Stellungnahme. Fast eine ganze Woche dauert es, bis die Erklärung vorliegt. Demnach ist die Kante das „Ergebnis von notwendigen Simulationen von Entwässerungsvarianten, um anfallendes Wasser abführen zu können“.

Zur Erklärung heißt es weiter, dass „auf die Entwässerung besonderes Augenmerk zu legen“ sei, weil Pfützen in der kalten Jahreszeit vereisen könnten. „Die Gefälle und Steigungen im Brückenbereich müssen einerseits sehr moderat sein, aber andererseits auch verlässlich Niederschlagswasser ableiten.“

Die Unkeler Brücke wurde am 26. Februar von einem Kran eingesetzt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Auf die Frage, was zu tun ist, um die Kante zu beseitigen, antwortet die Stadtverwaltung: „Mit den beteiligten Planungsbüros und ausführenden Unternehmern wird die Höhenlage nun so angepasst, dass mögliche Probleme verhindert werden können. Die Details zur Umsetzung werden gerade geklärt. Eine Freigabe der Brücke wird selbstverständlich erst nach Umsetzung der Anpassungsarbeiten erfolgen.“

Was genau angepasst werden muss, damit sich auf der Brücke keine Pfützen bilden, und warum nicht gleich so geplant oder gearbeitet wurde, dass eine Anpassung sich erübrigt, lässt die Erklärung offen. Erst auf Nachfrage wird die Stadtverwaltung in einer vertiefenden Stellungnahme deutlicher: „Es handelt sich nicht um einen Baumangel. Die Brücke mit der Entwässerung wurde von externen Ingenieurbüros geplant, aber augenscheinlich nicht mit ausreichendem Gefälle. Simulationen von Entwässerungsvarianten führen idealerweise unmittelbar zur besten Lösung. Die Frage danach, ob das Problem im Planungsprozess entstanden ist, wird im Rahmen von Gesprächen mit den beteiligten Ingenieurbüros erörtert.“ Auf der Südseite der Brücke müssten Brücke und Weg in der Höhenlage gegeneinander angepasst werden.

Die Unkeler Brücke an der Henri-David-Straße ist die dritte Fußgängerbrücke im Bereich der Innenstadt, die seit der Entstehung des Sesekeparks erneuert wird. Zuerst hatte die Stadt Kamen die Vinckebrücke an der Klosterstraße ersetzt. 2021 folgte die Freigabe der Beeskower Brücke am Mühlentorweg. Statt aus Holz bestehen die Sesekebrücken nun aus Metall. An der Beeskower Brücke würden noch Restarbeiten erledigt, um letzte Mängel zu beseitigen, so die Stadtverwaltung. „Dazu gehört eine Beseitigung von Kanten, um eine vollständige Barrierefreiheit herzustellen. Gespräche mit dem Unternehmer haben dazu bereits stattgefunden.“

Wir haben den Artikel mit Informationen aus einer weiteren Stellungnahme der Stadt Kamen aktualisiert.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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