Durch eine private Initiative wird das 350 Jahre alte Ackerbürgerhaus vor dem Verfall gerettet. Rechtzeitig vor dem Winter sind alle Lücken in der Fassade wieder geschlossen. © Stefan Milk
350 Jahre altes Ackerbürgerhaus

Paar restauriert Fachwerkhaus: Jetzt regnet es nicht mehr rein

Ein Dortmunder Paar opfert fast jede freie Minute, um ein Ackerbürgerhaus am Kamener Marktplatz zu restaurieren. An langen Arbeitstagen muss nur der Schein der Straßenlaterne reichen.

Ein lange vernachlässigtes Ackerbürgerhaus am Marktplatz in Kamen schält sich wieder als Schmuckstück im Stadtbild heraus – auch wenn die begonnene Restaurierung noch relativ am Anfang steht. Die Dortmunder Bauherren haben jetzt eine wichtige Etappe bei dem Vorzeigeprojekt geschafft.

Patricia und André Brust aus Dortmund sanieren seit diesem Frühjahr das 350 Jahre alte Fachwerkhaus an der Südostecke des Marktplatzes in Kamen. Erst sah es so aus, als würden die Eigentümer ihren Neuerwerb in die Einzelteile zerlegen, denn sie ließen von der Nord- und Ostfassade nur noch ein Balken-Gerippe übrig. Doch der radikale Rückbau bis auf das nackte Ständerwerk war nötig, um einzelne marode Balken des Baudenkmals zu ersetzen und um die Gefache, die mit ungeeigneten Steinen ausgemauert waren, wieder denkmalgerecht mit Lehmziegeln zu füllen.

André Brust mauerte die letzten offenen Stellen zu.
André Brust mauerte die letzten offenen Stellen zu. © privat © privat

Während Zimmerermeister Christoph Ableiter und Lehm- und Holzbau-Expertin Uta Görler als Profis Hand anlegten, machten sich die Eheleute Brust unter fachkundiger Anleitung ans Werk. Die Eigentümer, die tagsüber Bürojobs in Unna und Dortmund nachgehen, steckten in ihrer Freizeit Hunderte Arbeitsstunden in ihr Traumobjekt. Beispielsweise setzten sie Ziegel ein und verfugten Lücken im Gemäuer.

Fachwerkhaus ist winterfest

Rechtzeitig vor dem Winter ist es ihnen gelungen, alle Lücken in den Fassaden wieder zu schließen. Die neuen Holzfenster, eine denkmalgerechte Spezialanfertigung, heben sich strahlend weiß von den dunkel gestrichenen Balken und den lehmbraunen Gefachen ab. „Wir sind so weit, dass wir die Nord- und Ostseite komplett zugemauert haben. Dadurch dass die Fenster drin sind, ist das Haus vor der Witterung geschützt“, sagt Patricia Brust. „Nun können wir beginnen, den Innenputz zu machen.“

Wandheizung für die Räume

Mehrere Schichten sind aufzutragen: Zuerst kommt ein Ausgleichsputz aus Lehm, um Unebenheiten zu beseitigen. „Manche Balken stehen vor“, sagt Brust. Damit das Haus später seine Wärme nicht zu schnell verliert, folgen Dämmplatten und darauf Matten mit dünnen Schläuchen für die Wandheizung. Diese werden wiederum mit Lehmputz überdeckt. Die Energie für die Heizung soll später durch eine Luftwärmepumpe gewonnen werden.

Der erste große Herbststurm hat dem alten Haus nichts anhaben können, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch viele Stellen offen oder notdürftig mit Spanplatten abgedeckt waren. „Alles was reinregnete, konnte ja auch wieder raus“, sagt Brust.

Patricia und André Brust im Obergeschoss mit Blick auf den Marktplatz: Die Deckenverkleidungen müssen runter.
Patricia und André Brust im Obergeschoss mit Blick auf den Marktplatz: Die Deckenverkleidungen müssen runter. © Stefan Milk © Stefan Milk

Was ist das für ein Gefühl, einen wichtigen Bauabschnitt geschafft zu haben? „Das ist eine große Erleichterung“, sagt Brust. An manchen langen Arbeitstagen wurde noch im Schein der Straßenlaterne weitergearbeitet, um den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen. „Die letzten Fachungen zu schließen hat gefühlt ewig gedauert. Die Schneidearbeiten der Steine an den Streben nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Nur in der Brandgasse, also auf der Westfassade zum Nachbarhaus, gebe es jetzt noch offene Stellen. Aber das ist wiederum ein Thema für einen der nächsten Bauabschnitte.

So sah das Fachwerkhaus (l.) vor 15 Jahren ursprünglich aus.
So sah das Fachwerkhaus (l.) vor 15 Jahren ursprünglich aus. © Archiv © Archiv

Bauherren fühlen sich durch Lob angefeuert

Kein Tag vergeht auf der Baustelle, ohne dass Patricia und André Brust von neugierigen Passanten angesprochen werden. „Wir werden täglich angefeuert, weil die Kamener uns total loben. Das hat uns motiviert, jetzt aber voran zu machen, damit wir fertig werden.“ Es gibt noch viel zu tun, bis die Dortmunder ihr neues altes Haus in Kamen beziehen können.

Offenes Ständerwerk des Ackerbürgerhauses: So sah die Baustelle im Juni 2021 aus.
Offenes Ständerwerk des Ackerbürgerhauses: So sah die Baustelle im Juni 2021 aus. © Stefan Milk © Stefan Milk
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Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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