Hüseyin Gürbüz an der Großbaustelle in Südkamen. Hier soll künftig der Verkehr zwischen Dortmunder Allee und Westicker Straße verlaufen. © Stefan Milk
Bahnstrecke Dortmund-Hamm

Spannender Countdown an der Bahnstrecke: Jetzt geht es gegen die Uhr

Tag und Nacht geht es gegen die Uhr auf der Mega-Bahnbaustelle zwischen Dortmund und Hamm. Die Schienen, auf denen ab Freitag die Züge wieder rollen, sollen erst Stunden vorher gelegt werden.

„Wir arbeiten 24 Stunden durch.“ Das sagt Hüseyin Gürbüz, leitender Bauüberwacher, auf der Mega-Baustelle an der Südkamener Straße. Dort, wo gerade eine riesige Unterführung unter der Bahnstrecke Dortmund-Hamm entsteht, geht es jetzt gegen die Uhr.

Nur noch wenige Tage und Stunden, bis die Züge wieder rollen. Am Freitag, 21 Uhr, schnellen hier Intercitys mit bis zu 200 km/h und Regionalzüge über die Strecke. Über die neue Brücke, die die im Rohbau befindliche Unterführung überquert. „Das wird auch klappen. Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, sagt Gürbüz. Jeder Handschlag muss jetzt sitzen. Verzögerungen sind nicht vorgesehen.

Das Brückenbauwerk wird jetzt an die Bahnstrecke Dortmund-Hamm angeschlossen. Die gelbe Verschalung ist erforderlich für die Errichtung einer Betonwand, die den motorisierten Verkehr von Fußgängern und Radfahrern trennt.
Das Brückenbauwerk wird jetzt an die Bahnstrecke Dortmund-Hamm angeschlossen. Die gelbe Verschalung ist erforderlich für den Bau einer Betonwand, die den motorisierten Verkehr von Fußgängern und Radfahrern trennt. © Stefan Milk © Stefan Milk

Schienen sind noch nicht wieder zu sehen

Dass es bis dahin allerdings noch richtig viel zu tun gibt, kann man mit einem Blick erkennen. Die Schienen enden noch einige Meter vor der neuen Brücke, ein dort gespanntes Flatterband zeigt an: Hier geht es nicht weiter.

Das gilt nicht für mehrere Dutzend Mitarbeiter unterschiedlicher Firmen, die Kabel verlegen, Beton anrühren und die neue Brücke rechts und links an die Bahnstrecke anschließen – über sogenannte Randkappen. „Dabei müssen die Lücken mit Fließbeton verfüllt werden“, erläutert Gürbüz, als er vor dem mächtigen Bauwerk steht, das durch jeden Arbeitsschritt mehr Stabilität erhält.

Spektakulärer Blick auf die Baustelle der Deutschen Bahn. Gut zu erkennen sind die wuchtigen Bohrpfähle, die eine Wand bilden. Damit der Verkehr dort künftig rollen kann, müssen die Pfähle an den Enden (oben) wieder abgerissen werden.
Spektakulärer Blick auf die Baustelle der Deutschen Bahn. Gut zu erkennen sind die wuchtigen Bohrpfähle, die eine Wand bilden. Damit der Verkehr dort künftig rollen kann, müssen die Pfähle an den Enden (oben) wieder abgerissen werden. © Stefan Milk © Stefan Milk

Für jeden Arbeitsgang ein festes Zeitfenster

Für jeden dieser Arbeitsschritte ist ein festes Zeitfenster vorgesehen: Für die Geländer auf den Randkappen sind am Montag von 20 Uhr an zehn Stunden eingeplant, für das Setzen der Winkelsteine, die das Brückenbauwerk einrahmen, 18 Stunden, ebenso ab 20 Uhr.

Jeder Handgriff ist auf einem Sperrpausenplan genau verzeichnet. Man muss schon Fachmann sein, um zu wissen, was gemeint ist, wenn von Auflagerknaggen, Füllstabgeländern oder dem Herstellen der Rucksäcke die Rede ist. Sofort ersichtlich wird aber, dass die gelbe Verschalung, die unter der Brücke zu sehen ist, für eine Betonwand gedacht ist, die den motorisierten Verkehr von Radfahrern und Fußgängern trennt.

Bahnschwellen und Schienen liegen bereit, um wieder eingebaut zu werden.
Bahnschwellen und Schienen liegen bereit, um wieder eingebaut zu werden. © Stefan Milk © Stefan Milk

Im Schichtbetrieb 24 Stunden durcharbeiten

Die Fachleute der Firma Falkenhahn und weiterer Unternehmen, die für die Bahn arbeiten, haben den Bauzeitenplan längst verinnerlicht. Für sie ist es bereits die vierte längerer Sperrpause, seitdem die Unterführung gebaut wird.

Die Kräfte arbeiten im Schichtbetrieb auch in den nächsten vier Tagen durch, bis die Sperrpause aufgehoben wird. Die Schienen werden erst am Freitag gelegt. Da ist ein exaktes Timing angesagt, wenn Stunden später die ersten Züge wieder rollen.

Erst danach setzt ein wenig Normalität auf der Baustelle ein, dann ist sie von 7 bis 18 Uhr besetzt – und die riesigen Scheinwerfer, die den Bereich nachts in helles Licht tauchen, bleiben aus.

Die Schienen enden noch einige Meter vor der neuen Brücke, ein dort gespanntes Flatterband zeigt an: Hier geht es nicht weiter.
Die Schienen enden noch einige Meter vor der neuen Brücke, ein dort gespanntes Flatterband zeigt an: Hier geht es nicht weiter. © Stefan Milk © Stefan Milk

Gleise werden nach dem Einbau gestopft

Bis Ende des Jahres laufen die Arbeiten der Bahn weiter. Dazu gehört auch das sogenannte Stopfen der Gleise, bei dem der Schotter unter den Bahnschwellen verdichtet wird. „Damit die Schienen in ihre Endlage gelangen“, erläutert Gürbüz. Wenn dann die Bahn schließlich das Feld räumt, will der Kreis Unna mit dem Straßenbau beginnen.

Die jetzt noch beziehungslos im freien Feld liegende Unterführung wird dann angeschlossen an die Westicker Straße und Dortmunder Allee. Ende 2023 könnte die Südkamener Spange dann fertig sein – als südliche Umgehungsstraße für Kamen. Jetzt wird erst einmal die Bahnbrücke fertig. Bis es am Freitagabend, 21 Uhr, heißt: Bahn frei!

Die Unterführung für die Südkamener Spange reißt ein Loch in die Landschaft. Sie wird auf dem Bild eingerahmt von der Südkamener Straße (oben) und der Westicker Straße (rechts) Rechts im Bild ist das Firmengeländer von Gülde zu sehen.
Die Unterführung für die Südkamener Spange reißt ein Loch in die Landschaft. Sie wird auf dem Bild eingerahmt von der Südkamener Straße (oben) und der Westicker Straße (rechts) Rechts im Bild ist das Firmengeländer von Gülde zu sehen. © Stefan Milk © Stefan Milk
Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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