81 Fledermäuse als Untermieter

Erstes fledermausfreundliches Haus in Bottrop

Düstere Tiere, die über Kopf hängen, bei Vollmond ihre spitzen Zähne blecken und nur darauf warten, unser Blut zu kosten. Das stellen sich vielleicht manche Menschen unter Fledermäusen vor. Dass das ein Irrglaube ist, zeigt die Familie Kurschatke aus Kirchhellen.

KIRCHHELLEN

, 01.08.2017 / Lesedauer: 3 min
81 Fledermäuse als Untermieter

Anja, Stefan, Sara (u.l.) und Johanna Kurschatke freuen sich, dass sich die 81 Fledermäuse für ihr Haus entschieden haben.

„Ich habe die Fledermäuse eines Abends entdeckt und hab sofort meine Frau gerufen: ‚Das glaubst du nicht. Das musst du selbst sehen‘“, erzählt Stefan Kurschatke, der mit seiner Familie seit acht Jahren in Kirchhellen wohnt. Entdeckt hat er die Säugetiere im Mai dieses Jahres. Daraufhin suchten Mutter Anja und Tochter Johanna Informationen im Internet. Wie sollten sie sich verhalten? „Wir sind online auf die Fledermaushotline gestoßen. Dort riet man uns, den NABU anzusprechen, der ein Fledermausprojekt führt“, erzählt Anja Kurschatke. Das Projekt des Naturschutzbundes Deutschland läuft seit 2013, wird vom Land gefördert und hat das Ziel, Fledermausquartiere zu wahren und neue zu schaffen. Nadine Willius ist die Projektkoordinatorin und zeichnete am Dienstag mit Claudia Verhoeks vom NABU Bottrop das Haus der Familie Kurschatke als erstes fledermausfreundliches Haus in Bottrop aus.

Projekt gibt es seit 2013 „Wir freuen uns, wenn noch mehr Menschen mitmachen, damit wir gegen das schlechte Bild der Fledermaus ankämpfen, das viele Menschen noch haben. Das Ganze ist natürlich auch kostenlos“, sagt Verhoeks. Beeinträchtigt ist die Familie wegen des neuen Zuwachses nicht. „Die 81 Fledermäuse stören gar nicht. Nur ihre Hinterlassenschaften müssen wir von der Terrasse entfernen. Wir hören sie nicht, können sie aber in der Dämmerung beobachten“, berichtet Anja Kurschatke. Die Töchter freuen sich über die Tiere. „Wir finden die Fledermäuse süß“, sagen sie. Die 8- und 12-Jährige durften extra länger wach bleiben, um die Säugetiere beobachten zu können. Bei den rund 80 Tieren handelt es sich um eine heimische Art. „Es sind wahrscheinlich die Zwergfledermäuse, die daumengroß sind. Ihre Flügelspanne misst circa 20 Zentimeter“, sagt Willius. „Zum Thema Blutsauger: Von 1000 Fledermausarten weltweit saugt noch nicht mal eine Handvoll Blut.“Zwischen Isolierung und Klinker Die 81 Fledermäuse der Kurschatkes sind unter dem Dach zwischen Isolierung und Klinker untergekommen. „Hausbesitzer brauchen keine Angst haben: Die Fledermäuse schleppen kein Material rein und holen nichts heraus“, beruhigt die Biologin Nadine Willius. Ob die Tiere dauerhaft bleiben, ist aber nicht klar. „Die Tiere haben ein Winter- und ein Sommerquartier und merken sich, wo sie gut leben können. Aber wahrscheinlich kommen sie im nächsten Jahr wieder.“ Damit Fledermäuse, die unter Quartier- und Nahrungsmangel leiden, bleiben, sollten Bürger vom „Sanierungswahnsinn“ Abstand nehmen. „Wir machen jede Hausritze zu. Dadurch gehen den Tieren die Unterschlüpfe verloren“, so Verhoeks.Insektenfreundliche Gärten und Teiche locken Fledermäuse an Jedes Haus kann fledermausfreundlich sein. Wenn sich die Tiere nicht selbst das Gebäude aussuchen, können Hausbesitzer Fledermauskästen aufstellen, die als Quartier dienen. Insektenfreundliche Gärten und Teiche locken Insekten und dadurch auch Fledermäuse an. In einem Jahr trifft sich die Familie wieder mit Willius und Verhoeks. Vielleicht sind es dann mehr als 81 Fledermäuse.

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