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Auf dem Weg zur Sekundarschule ohne Bücher

Ehrgeizige Ziele

Die Sekundarschule in Kirchhellen gilt als digitaler Vorreiter. Sie verfügt über 48 iPads. Schulleiter Stefan Völlmert will aber noch weitergehen und hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will bis zu seiner Pensionierung Schulbücher abschaffen. Wie er seine Schule auf den Weg dazu bringt, lesen Sie bei uns.

KIRCHHELLEN

, 05.10.2017 / Lesedauer: 4 min
Auf dem Weg zur Sekundarschule ohne Bücher

Die Schülern Piet (r.) und Marten (11) arbeiten mit ihren iPads.

Vor einiger Zeit kamen die iPads an die Sekundarschule. „Damals war es völlig innovativ, dass wir als Schule keine Computerräume haben wollten, sondern iPads“, erinnert sich Schulleiter Stefan Völlmert zurück. Gestartet ist die Schule mit 16 Geräten. Die Stadt Bottrop hat die – inzwischen 48 – iPads gezahlt und Stefan Völlmert möchte noch mehr haben. „Wir nutzen die iPads in jedem Unterricht und sie sind nicht mehr wegzudenken“, so der Schulleiter. Die Apple-Affinität setzt sich bereits bei den Lehrern durch, die sich iPhones anschaffen, um diese im Unterricht mit den iPads unkompliziert zu verbinden.

Vorteile überwiegen

Stefan Völlmert hat eine Vision: „Bis zu meiner Pension möchte ich die Schulbücher abschaffen“, sagt er und fügt hinzu, er habe noch 20 Jahre vor sich. Die Vorteile überwiegen für ihn.

Die Kinder nehmen mit den iPads im Unterricht Lieder auf, machen Podcasts zu bestimmten Themen und filmen eigene Lernvideos. „Ein Schüler hat beispielsweise eine Rakete gebaut. Die Kinder filmten, wie die Rakete startete und konnten in der Slowmotion analysieren, was genau passiert“, sagt Völlmert. Die schönsten Digital-Projekte werden bei der offenen Bühne gezeigt, die vor den Ferien sind. Auch Lehrer können hier präsentieren, wie sie im Unterricht die iPads einbringen.

Schritt für Schritt

Die Klasse 6 hat gerade Informatik-Unterricht. Dominik Nowak und seine Schüler arbeiten mit einem Programm, das die Kinder anleitet, kleine Programmier-Aufgaben zu bewältigen.

Das Programm heißt Calliope Mini. Auf eine spielerische Art lernen die Kinder, wie sie Befehle eingeben, was diese Befehle bewirken und nutzen dieses Wissen, um kniffligere Aufgaben zu lösen, die für „Spezialisten“ sind. „So werden sie Schritt für Schritt an die Problematik herangeführt und werden nicht überfordert. So kriegen wir sie“, sagt Nowak. Zwei Schüler schauen derweil konzentriert auf ein iPad. „Wir haben hier eine Platine, die wir programmieren“, erklärt Marten (11). „Über den Laptop geben wir Befehle ein und dann sehen wir auf der Platine, ob wir die Codes richtig eingegeben haben.“

Marten und Piet (11) gefällt der Informatik-Unterricht. „Es ist unser Lieblingsfach,“ sagen die Jungs. „Wenn die Lehrer mit den iPads in die Klasse kommen, ist es schon eine ganz andere Atmosphäre, weil wir uns direkt freuen.“

Grobe Züge der Programmierung

Dominik Nowak lege Wert darauf, dass alle Kinder einbezogen werden. Auch Mädchen, die, laut Marten, „eher Kunst oder Musik wählen“. „Es ist wichtig, dass jedes Kind die groben Züge der Programmierung kennt, damit es auf dem Arbeitsmarkt eine gute Chance hat“, sagt der Informatik-Lehrer.

Eine Cloud speichert am Unterrichtsende ab, was die Schüler geleistet haben. Lehrer Dominik Nowak kann danach in Ruhe schauen, was die Kinder geleistet haben und die Schüler können in der nächsten Unterrichtsstunde da weiter arbeiten, wo sie aufgehört haben. Der Vorteil: „Wegen der Cloud müssen wir uns nicht merken, welches iPad wir benutzt haben“, sagt Marten.

Der Sekundarschule sei es wichtig, dass auch die Lehrer darin geschult werden, mit den iPads umzugehen. „Es gibt eine interne Grundlagenschulung für Lehrer und wir tauschen uns gegenseitig aus“, berichtet Dominik Nowak.

Eltern mit ins Boot holen

Gleichzeitig ist es dem Schulleiter ein Anliegen, die Eltern mit ins Boot zu holen. In der fünften Klasse lernen die Kinder in der Schulung „Fit for Social Media“, was Datenschutz ist, wie sie sich in Sozialen Netzwerken verhalten sollten und was es beispielsweise mit dem Recht am eigenen Bild auf sich hat. „Danach veranstalten wir einen Elternabend, damit auch sie zu Hause wissen, worauf sie bei ihren Kindern achten sollen“, sagt Stefan Völlmert. Um die Kinder vor den Gefahren im Web zu schützen, gibt es einen separaten WLAN-Zugang für Schüler und für Lehrer. „Die Kinder können auch nichts runterladen“, sagt der Schulleiter. „Sie gehen sehr gewissenhaft mit den Geräten um.“

Der Schulleiter träumt nicht nur von bücherlosen Klassenzimmern, sondern auch davon, dass irgendwann jedes Kind sein eigenes iPad hat. Die Voraussetzung für seine große Vision sozusagen. „Aber das machen wir alles in Ruhe und wir werden nichts überstürzen“, so Völlmert.