Badesee am Töttelberg: Politiker kritisieren Pläne der Stadt

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Die Planungen zum Badesee in Kirchhellen werden von vielen Bezirkspolitikern skeptisch beäugt. Erfahrungen von anderen Badeseen aus der Umgebung schrecken sie ab.

Kirchhellen

, 31.01.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angst vor verschwendeten Geldern, zugeparkten Straßen und Badegästen, die auf das Naturschutzgebiet am Heidesee ausweichen - viele Sorgen treiben die Kirchhellener Politiker um, wenn es um den geplanten Badesee am Töttelberg geht. Das wurde in der Sitzung der Bezirksvertreter am Dienstag (28. Januar) deutlich.

Dort hatte Tilman Christian, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Grün, auf Wunsch der Bezirksvertreter den aktuellen Sachstand der Planungen vorgestellt. „Für uns geht es im Moment erst einmal nur darum, die Genehmigung zum Fluten des Sees zu erhalten. Der Rest läuft dann über den Bebauungsplan“, erklärte er. Wie berichtet hat ein Gutachten inzwischen bestätigt, dass der See und auch das anschließende Baden darin realisierbar sind.

Stadt braucht dringend Ökopunkte

Um Fluten zu können, muss der Fachbereich erst das sogenannte wasserrechtliche Planungsverfahren abwarten. Das allein kann zwischen ein und zwei Jahren, die anschließende Flutung rund sieben Jahre dauern. „Vor 2028/29 wird dort kein Baden möglich sein“, bestätigte Christian am Dienstag. Gegen eine Verfüllung des Sees spricht seiner Meinung nach, dass durch den Badesee „eine deutliche ökologische Verbesserung“ erreicht werde. „Dadurch generieren wir Ökopunkte, die die Stadt dringend für andere Bauprojekte benötigt“, so Tilman Christian.

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Wird irgendwo im Stadtgebiet durch Baumaßnahmen in die Natur eingegriffen, ist die Stadt dazu verpflichtet, diesen Eingriff auszugleichen. Durch Projekte wie den Badesee, die eine Fläche ökologisch aufwerten, kann die Stadt Ökopunkte sammeln und sie für andere Bauprojekte nutzen, wo der Ausgleich an direkter Stelle eher schwierig ist. Dieses Verfahren wird vor allem von Umweltschützern kritisch gesehen.

Auch unter den Kirchhellener Politikern regte sich am Dienstag Kritik. „Ich sehe keinen ökologischen Sinn in dem Projekt, wenn der Badesee von den Massen überrannt wird, so wie wir es von anderen Seen aus der Umgebung kennen“, sagte beispielsweise Sigrid Lange (Die Grüne). Sie wies auch darauf hin, dass es am See keine Busanbindung und auch keine Fahrradstraße gebe, die die Badegäste davon abhalten könnten, mit dem Auto anzureisen. Auch Frederik Steinmann (CDU) übte Kritik: „Ich bezweifle, ob eine Badenutzung für den See und das Umfeld ökologisch sinnvoll ist.“ Er sorge sich vor allem darum, dass bei überfülltem See die Badegäste auf den geschützten Heidesee ausweichen könnten.

„Warum gibt es dafür so viele Ökopunkte?“

SPD-Ratsherr Markus Kaufmann ging noch weiter: „Vorher waren dort Wälder und Wiesen, dann wurde die Fläche jahrelang bearbeitet und ausgekiest. Jetzt kommt da nur eine Wasserfläche hin. Warum gibt es dafür so viele Ökopunkte?“ Fachbereichsleiter Tilman Christian gingen viele der Fragen und Sorgen schon zu weit: „Gerade geht es nur um das wasserrechtliche Verfahren. Bei allem anderen wird auch wieder die Politik eingeschaltet und gehört.“

Die CDU thematisierte zudem noch die finanzielle Problematik. „Ich sehe da ein Millionengrab á la Flughafen auf uns zukommen. Bevor wir uns in solche Unkosten stürzen, möchte ich erst ein Konzept und einen Betreiber sehen“, sagte Steinmann. Es gebe Interessenten für die Betreibung des Sees, „fix ist da aber noch nichts“, erklärte Christian.

See soll rund 18 Hektar groß werden

Der Badesee soll rund 18 Hektar umfassen, 650 Meter lang und 350 Meter breit sein. An der tiefsten Stelle wird der See, so die bisherige Planung, eine Tiefe von 16 Metern haben und ein Gesamtvolumen von 950.000 Kubikmetern. Neben dem reinen Badesee sind auch ein Restaurant, eine Wakeboard-Anlage und ein Campingplatz angedacht.

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