„Wir müssen alternative Wege gehen“: Kläsener hat eine Lösung für das Azubi-Problem

Bäckerei

Der Mangel an Auszubildenden im Handwerk ist ein altbekanntes Thema. Gerade Bäckereibetriebe klagen über fehlenden Nachwuchs. Nicht so die Bäckerei Kläsener: Sie geht einen alternativen Weg.

Kirchhellen

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min
„Wir müssen alternative Wege gehen“: Kläsener hat eine Lösung für das Azubi-Problem

Für Burim und Sven (v.l.) ist ihre Ausbildung mehr als nur ein Job. © Kevin Kallenbach

Es ist 9 Uhr morgens, der Arbeitstag von Sven und Burim ist somit fast vorbei. Sie stehen schon seit zwei Uhr nachts in der Backstube, kneten den Teig und backen Brote und Brötchen. Beide gehören nämlich zu einer Rarität auf dem deutschen Arbeitsmarkt, sie sind Auszubildende im Bäckereihandwerk.

Junge Generation schätzt Freizeit

Täglich stehen sie zu einer Zeit schon bereit an ihrem Arbeitsplatz, zu der manch Anderer erst ins Bett geht. Täglich stehen sie schwitzend vor den heißen Backöfen, in den Feierabend gehen sie mit Mehl auf der Haut und in den Haaren.

Arbeitsbedingungen, auf die die wenigsten Lust haben. Vor allem die frühen Arbeitszeiten machen für viele den Job unattraktiv, erzählt Svens und Burims Chef, Hans-Theo Kläsener: „Für die jüngeren Generationen wird ihre Freizeit immer wichtiger. Da ist es wichtig flexibel zu sein. Etwas, was nur schwer mit einem klassischen Handwerksberuf zu kombinieren ist“, meint der Kirchhellener.

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Junge Leute, wie Sven die direkt nach der Schule eine Ausbildung zum Bäcker machen, sind daher selten geworden. „Generell reicht es heutzutage nicht mehr, einfach eine Stelle im Internet auszuschreiben. Da muss mehr Mühe hinterstehen. Auch alternative Wege muss man in Erwägung ziehen. Es gibt genug Fördermaßnahmen durch das Arbeitsamt oder die Bäckerinnung“, erzählt Kläsener.

Asylbewerber bekommen Chance

So wie es bei Burim der Fall ist. Der junge Mann kam vor vier Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland und hat sein Asyl beantragt. „Natürlich hatten wir anfangs ein paar Sprachprobleme“, erinnert sich Hans-Theo Kläsener. „Aber wir wurden toll unterstützt. Ein Willkommenslotse von der Kreishandwerkerschaft steht Burim etwa zur Seite und hilft ihm. Außerdem macht er neben der Arbeit einen Sprachkurs.“

Natürlich müsse man manchmal einen Schritt mehr gehen als bei deutschen Auszubildenden, sagt der 49-Jährige, aber dafür bekomme man auch viel zurück. Hans-Theo Kläsener ist ganz begeistert von der Motivation, mit der Burim jeden Tag zur Arbeit kommt. „In dem einen Jahr, in dem er hier arbeitet, ist Burim noch keinen einzigen Tag krank geworden oder zu spät gekommen“, erzählt er.

Ausbildungsstelle ist auch Bleiberecht

Es hängt jedoch auch viel für Burim von seiner Ausbildungsstelle ab. Denn durch diese hat er eine offizielle Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, mit Aussicht eines dauerhaften Aufenthalts bei Übernahme. Und Burim ist nicht der einzige Asylbewerber dem die Bäckerei Kläsener so eine Perspektive gibt: Auch im Verkauf ist zur Zeit eine von den vier Auszubildenden Asylbewerberin, ein weiterer soll in nächster Zeit anfangen.

Mit diesem Konzept hat Hans-Theo Kläsener zu Anfang des Ausbildungsjahres geschafft, wovon viele seiner Kollegen zur Zeit träumen: Er konnte seine freien Ausbildungsplätze komplett vergeben. Damit scheint die Bäckerei Kläsener aber einer von wenigen Einzelfällen zu sein.

Berufsbildungsbericht zeigt ernüchternde Zahlen

Denn der Berufsbildungsbericht für das Jahr 2018 des Bildungsministeriums zeigt auf Bundesebene dagegen ernüchternde Zahlen. Von den zu vergebenden Ausbildungsstellen als Bäcker soll über ein Viertel unbesetzt geblieben sein, bei den Stellen für Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk sogar fast die Hälfte.

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Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurde nun das Einkommen der Azubis um bis zu 50 Euro monatlich erhöht. Eine gute Sache findet auch Hans-Theo Kläsener, nur meint er auch: „Geld sollte nicht der entscheidende Faktor bei der Berufswahl sein. Eine Ausbildung ist nur dann erfolgreich, wenn man Spaß an der Tätigkeit hat und einen Sinn in ihr sieht.“

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