Blutiges Ehedrama: Vier Jahre Haft

Landgericht

Nach einem Messerangriff auf ihren Mann ist eine Frau aus Kirchhellen verurteilt worden. Ihr Ehemann möchte trotzdem, dass sie zu ihm zurückkommt.

Kirchhellen

, 18.09.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blutiges Ehedrama: Vier Jahre Haft

Will nie mehr zu ihrem Mann zurück: Die Angeklagte neben Verteidiger Thorsten Rühl. © Jörn Hartwich

Es war das traurige Ende einer jahrelang unglücklichen Ehe: Vor rund sechs Monaten ist eine Frau aus Kirchhellen mit einem wuchtigen Küchenmesser auf ihren Ehemann losgegangen. Am Mittwoch wurde die 55-Jährige verurteilt.

Das Essener Schwurgericht hat vier Jahre Haft verhängt – wegen gefährlicher Körperverletzung. Dass der Mann den Angriff überlebt hat, war Glück. Er selbst hatte es zwar zunächst gar nicht gemerkt und sogar noch eine Zigarette geraucht, doch der linke Lungenflügel war getroffen. Es bestand akute Lebensgefahr.

„Ich werde nie zu Dir zurückkehren“

Sauer ist der 62-Jährige auf seine Frau trotzdem nicht. Er möchte gerne, dass sie nach der Haft wieder zu ihm zurückkommt. Doch die Chancen stehen schlecht.

„Ich bereue, was passiert ist“, hatte ihm seine Frau kurz vor der Urteilsverkündung am Essener Schwurgericht noch einmal mit auf den Weg gegeben. „Aber ich werde nie mehr zu Dir zurückkehren. Das muss Dir klar sein. Alles Gute.“

Über 30 Jahre war das Paar verheiratet. Ob es auch mal gute Zeiten gegeben hat, weiß offenbar keiner mehr so genau. Im Prozess hatte die 55-Jährige von Schlägen und absoluten Erniedrigungen berichtet. Einmal habe ihr Mann ihr sogar Katzenkot in den Mund gestopft.

Mehrfach hatte sie in der Vergangenheit schon die Scheidung eingereicht und sogar eine eigene kleine Wohnung angemietet, war am Ende aber immer wieder zu ihrem Mann zurückgekehrt. „Sie können nicht miteinander und auch nicht ohne einander“, sagte Richter Jörg Schmitt in der Urteilsbegründung.

Auch in der Nacht auf den 2. März 2019 hatte das Paar aus Kirchhellen wieder gestritten. Auslöser war ein Online-Pokerspiel, bei dem auch früher schon oft die Emotionen hochgekocht waren. Außerdem war aufseiten der Angeklagten wieder einmal viel Alkohol im Spiel. Eine Blutprobe hatte später über zwei Promille ergeben.

Zugestochen, damit endlich Ruhe ist

Wahrscheinlich war es so, dass der Mann sich provoziert fühlte und seine Frau mit Beleidigungen überzog. Daraufhin war sie in die Küche gegangen, hatte ein Fleischermesser geholt und zweimal zugestochen. „Damit endlich Ruhe ist“, hatte sie später erzählt. Auf der Polizeiwache hatte die 55-Jährige sogar Schlager gesungen. So erleichtert und befreit schien sie gewesen zu sein.

Wegen ihrer hohen Alkoholisierung und der großen Erregung waren die Richter am Ende von verminderter Steuerungsfähigkeit ausgegangen.

Einen Teil der Haft muss die 55-Jährige in einer geschlossenen Therapie-Einrichtung verbringen. Sonst bestehe die Gefahr, dass sie wieder die Nerven verliere, hieß es im Urteil.

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