Bottroper Apothekerskandal: Minister verspricht erneute Prüfung

Betroffene des Bottroper Apothekerskandals hören den Ausführungen des Gesundheitsministers Laumann (CDU) im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu.
Betroffene des Bottroper Apothekerskandals hören den Ausführungen von Gesundheitsminister Laumann (CDU) im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu. © dpa
Lesezeit

Ihr Vorwurf: Viele Opfer des Bottroper Apothekerskandals würden absehbar keine Entschädigung erhalten. Laumann (CDU) zeigte sich nach einer Diskussion mit den Demonstranten nachdenklich: Man werde die Kriterien für die Entschädigungszahlungen noch einmal überdenken – er bitte um etwas Bedenkzeit: „Geben sie uns mal vier Wochen.“

Der Landtag hatte zehn Millionen Euro für die Opfer des Bottroper Apothekers bereitgestellt. Der Pharmazeut hatte in Krebsmedikamenten die teuren Wirkstoffe unterdosiert und damit enorme Profite erzielt.

Betroffene des Bottroper Apothekerskandals haben ein meterlanges Plakat mit mehr als 2.000 Namen der Opfer vor dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ausgerollt.
Betroffene des Bottroper Apothekerskandals haben ein meterlanges Plakat mit mehr als 2.000 Namen der Opfer vor dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ausgerollt. © Thomas Banneyer/dpa

Das Ministerium hatte die Zahlungen auf die rund 2.000 im Urteil genannten Geschädigten begrenzt. Dies hatte die Demonstranten empört. Die Zahl der Geschädigten sei vom Essener Landgericht aus rein prozessökonomischen Gründen beschränkt worden, um zu einem Urteil zu kommen, sagte etwa Isabel Egidy. Sie tauge nicht für eine gerechte Entschädigung.

„Wir brauchen bei der Auszahlung staatlicher Leistungen aber eine Rechtsgrundlage. Wir orientieren uns an dem Urteil, weil wir nichts anderes haben“, entgegnete Laumann.

Betroffene des Bottroper Apothekerskandals demonstrieren vor dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
Betroffene des Bottroper Apothekerskandals demonstrieren vor dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. © Thomas Banneyer/dpa

Rechtsanwalt Manuel Reiger, der mehrere Opfer vertritt, sagte, das strafrechtliche Urteil passe nicht zum Entschädigungsrecht. Eine bessere Grundlage wären alle in der Anklage aufgeführten rund 3.700 Geschädigten. Diese hätten nachweislich unterdosierte Krebsmedikamente erhalten.

Die Demonstranten hatten vor dem Ministerium eine rund zehn Meter lange Liste mit Namen von rund 3.500 Menschen entrollt, die Opfer des Bottroper Apothekers geworden sein sollen. Der hatte seine Villa mit einst zweistelligem Millionenwert mit einigen kostspieligen Extras ausgestattet – wie eine Wasserrutsche vom ersten Stock in den hauseigenen Swimming Pool.

Lebenslanges Berufsverbot

Der Apotheker war vom Landgericht Essen wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz zu zwölf Jahren Haft und einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt worden. Das Urteil war vom Bundesgerichtshof bestätigt worden. Unlängst war er gegen den Entzug seiner Approbation vor Gericht gezogen – und in erster Instanz gescheitert.