Brezelkönig fühlte sich "wie ein Rockstar"

Abschlussinterview

Für Wehmut ist noch keine Zeit. Dafür haben Brezelkönig Christian I. Schulte-Bockum und seine Königin Andrea I. Sauerbauch jetzt, so kurz vor dem Brezelfest, viel zu viele Termine. Für ein Interview mit Redakteurin Jennifer Riediger nahmen sie sich dennoch Zeit und sprachen über schöne Erinnerungen und die Zeit nach dem 5. September.

KIRCHHELLEN

, 28.08.2017, 13:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Brezelkönig fühlte sich "wie ein Rockstar"

Gemeinsam mit Königin Andrea Sauerbach ließ sich König Christian Schulte-Bockum beim Brezelfest in Kirchhellen am 9. September 2014 feiern.

Erinnern Sie sich noch an den 9. September 2014, als Sie Brezelkönig wurden? Schulte-Bockum: Ich hatte mich lange auf den Tag vorbereitet. Etwas eineinhalb Monate vorher hatte ich aus Freunden eine Wurfgruppe gebildet und geübt. An dem Tag selbst stand ich dann völlig unter Strom und war total aufgeregt. Das hat ja ewig lange gedauert, weil der Brezel einfach nicht fallen wollte. Und als es dann endlich soweit war, da war ich echt aus dem Häuschen. Ich bin bestimmt 20 Mal in die Luft gesprungen. Und dann wird man ja auch schon in die Luft gehoben und ins Zelt getragen. Man kommt sich vor wie ein Rockstar.

Und dann wurden Sie als Königin ausgerufen. Wie haben Sie sich gefühlt? Sauerbach: Oh Gott, jetzt muss ich da rein. Das ist ja auch morgens, da hat man noch nicht so viel getrunken. Ich war total aufgeregt. Da an allen Menschen vorbei zu laufen, das war schon was.

Schulte-Bockum: Und alle haben gratuliert. Ich hatte am Ende eine geschwollene Hand. So viele Gratulationen bekommt man in seinem ganzen Leben nicht.

Sauerbach: Noch nicht einmal bei der Hochzeit. Das ist einfach toll.

Schulte-Bockum: Das Brezelfest ist einfach ein Phänomen. Mir ist an dem Abend und in den ganzen drei Jahren nie jemand negativ begegnet. Das Fest ist so positiv besetzt. Einfach toll.

Wussten Sie, was Sie als Königspaar erwartet? Schulte-Bockum: Wenn man dem Vorstand mitteilt, dass man König werden will, dann kommt der für eine Art Bewerbungsgespräch vorbei und man wird darauf vorbereitet, dass es einige Pflichttermine gibt. Das sind natürlich alle offiziellen Veranstaltungen der Brezelaner, oder auch der Volkstrauertag, wo der Schützen- und der Brezelkönig abwechselnd eine Rede halten. Aber es gibt auch ganz viele tolle freiwillige Termine. So 40 bis 50 waren das schon. Sauerbach: Aber es ist jetzt nicht so, dass jedes Wochenende was ist. Klar, jetzt ist viel. Drei Termine am Tag manchmal. Oder um Karneval herum auch. Aber es gibt auch ruhige Zeiten.

Haben Sie denn viele neue Klamotten für all die Anlässe shoppen müssen? Sauerbach: Also SchuBos Frau und ich waren schon mal einkaufen und ich frage vorher auch immer: Schick oder leger? Wenn ein Kleidchen angesagt ist, muss man ja eins haben.

Bringt man als Königin noch im Schlafanzug den Müll raus? Sauerbach (lacht): Heute Morgen zum Beispiel, als die Handwerker eher kamen, war ich ähnlich angezogen.

Gewöhnt man sich denn an die Ansprache „Königin“? Sauerbach: Ja, das ist schon schön. Und da wird auch Wehmut aufkommen, wenn das nicht mehr so ist.

Schulte-Bockum: Jetzt ist für Wehmut noch keine Zeit. Aber die wird dann schlagartig kommen. Wenn der Brezel fällt, haben wir einen neuen König und dann liegt der Fokus sofort auf ihm.

Was waren denn die Höhepunkte Ihrer Amtszeit? Schulte-Bockum: Der Besuch in Speyer 2015 war ganz toll und für mich persönlich war auch der Brezelausmarsch ein echter Höhepunkt, weil der bei uns zu Hause losging. Wenn dann die ganze Straße voll steht, 500 Leute gekommen sind und kein Auto mehr durchkommt... Und es war ganz toll, dass wir so einen netten Draht zum Schützenkönigspaar entwickelt haben. Natürlich frotzelt man immer, aber am Ende des Tages ist jeder Brezelaner ein Schütze und andersherum. Bei der letzten Vorstandssitzung der Schützen vor dem Fest, bei der ich am Donnerstag war, hab ich mir das Lied „Schön ist es auf dem Brezelfest“ gewünscht und alle Schützen haben mitgesungen: „Das Schönste am Schützenfest, das ist der Dienstag.“ Das war witzig. Wir Königspaare waren auch zusammen auf der Berlinfahrt auf Einladung des Bundespresseamtes, das war toll. Und dieser Draht zwischen uns wird auch nicht abreißen, auch nach dem Ende der Amtszeit nicht.

Ist Ihnen, Frau Sauerbach, etwas anderes besonders in Erinnerung geblieben? Ich bin da voll bei meinem König und stimme ihm zu.

Auch nach drei Jahren noch? Schulte-Bockum: Wir haben vorher auch schon viel zusammen gemacht, waren zusammen mit den Familien im Urlaub.

Sauerbach: Und das machen wir auch immer noch. Das ist doch ein gutes Zeichen.

Worauf freuen Sie sich jetzt am Ende Ihrer Amtszeit? Sauerbach: Ich freue mich auf die Wache am Dienstagmorgen. Das ist schon etwas sehr Besonderes und das Highlight, bevor man abtritt. Dann werden wir wieder in die zweite Reihe treten und dem neuen Königspaar zujubeln.

Brezelkaiser zu werden, ist für Sie also keine Option? Schulte-Bockum: Das ist die Frage, die mir in den letzten Wochen besonders häufig gestellt wird und ich weiß gar nicht, ob das bei uns gehen würde. Aber meine Antwort würde so oder so lauten: Nein. Für mich ist das ausgeschlossen. Das ist eine Sache, die man einmal im Leben macht. Und es gibt genug, die auch Brezelkönig werden wollen, und da das nur alle drei Jahre geht, wäre es ja auch blöd, jemandem diese Gelegenheit zu nehmen.

Sauerbach: Das kann man nicht wiederholen.

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