Bunte Blumen und Bienenhotels retten die Wildbienen

Wildbienen

Anders als der Wildbiene, deren Population stetig abnimmt, geht es der Honigbiene hierzulande recht gut. Was der Wildbiene noch helfen kann, sind bunte Blumen und Bienenhotels.

Grafenwald

, 16.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Bunte Blumen und Bienenhotels retten die Wildbienen

Die Imkerin Dorothea Klümper kümmert sich in ihrem Garten momentan um 300.000 Bienen. © Alina Meyer

Es duftet süßlich, wenn man den Garten von Dorothea Klümper betritt. „Das ist nicht nur der Honig, das sind die ganzen Bienenvölker, die den Duft im Garten verbreiten“, sagt die Imkerin.

Seit sie das erste Bienenvolk 2010 von ihrem Bruder übernommen hat, betreibt Dorothea Klümper mit ihrem Mann eine eigene Imkerei mit eigens produziertem Honig und bildet seit zwei Jahren Interessierte zum Imker aus. „Momentan ist das Imkern als Hobby sehr beliebt.“

Imkern ist ein zeitintensives Hobby

Das war aber nicht immer so. Das Hobby sei ziemlich zeitintensiv, sagt die Grafenwälderin. „Im Grunde ist der Imker das ganze Jahr über mit den Bienen und dem Honig beschäftigt. Wenn man in den Urlaub möchte, muss man sich schon im Vorfeld um die Versorgung der Bienen kümmern. Wir fahren meist erst ab Mitte August. Dann ist etwas Zeit.“

Gerade jetzt im Juli läuft der Imkereibetrieb auf Hochtouren: „Jetzt wird gerade die Sommertracht, also der Sommerhonig, abgeschleudert. Dann müssen die alten Waben eingeschmolzen werden, um sie zu reinigen und den Rohwachs zu gewinnen.“ Die Imkerin macht das mit einem sogenannten Sonnenwachsschmelzer, einem kastenförmigen Gerät, das den Wachs in den Rähmchen mit Hilfe von Sonnenlicht zum Schmelzen bringt.

Bunte Blumen und Bienenhotels retten die Wildbienen

Fleißig sind die Bienen: Sie sammeln Vorräte und lagern sie in den Waben an. © Alina Meyer

„Zusätzlich müssen die Bienenvölker nach Milben kontrolliert werden, weil sie von der Varroamilbe heimgesucht werden. Diese Milbe ist ein Parasit. Sollten die Bienen stark von der Varroamilbe befallen sein und es erfolgt keine Behandlung, so gibt es kaum Chancen, dass das Volk überlebt“, sagt Klümper. Sie behandelt die befallenen Bienen mit organischer Ameisensäure.

Die 55-Jährige macht regelmäßig Fortbildungen und gibt ihr Fachwissen gerne weiter. „Wenn man sich Bienen anschaffen möchte, ist das toll, aber dann ist eine kleine Ausbildung auf jeden Fall hilfreich, weil es beim Imkern viele Dinge zu beachten gibt“, sagt Klümper.

50 Kilogramm Pollen verbraucht ein Volk jährlich

Die Bienen sind zum Beispiel meldepflichtig. Das ist wichtig, weil Abstände zu den Bienenvölkern aus der Umgebung eingehalten werden müssen. Sonst kann die Pollenversorgung nicht gewährleistet werden. „Ein Bienenvolk braucht etwa 50 Kilogramm Pollen im Jahr“, sagt Klümper.

Wer sich im Garten von Dorothea Klümper umschaut, dem fällt eines auf: Alles blüht. Der Apfelbaum, der Kirschbaum, der Kiwibaum und auch die Weintrauben ranken über die Terrasse. „Das habe ich alles den Bienen zu verdanken. Denn sie bestäuben meine Pflanzen. Seit ich die Bienen habe, blüht mein Garten jedes Jahr wunderbar.“

Pflastersteine sind Gift für die Wildbienen

Von Gärten, wie Dorothea Klümper ihn hat, gibt es viel zu wenige: „Ich nenne das die Steinepest“, sagt Zoologe Volker Fockenberg. „Viele Leute kaufen oder erben ein Haus und pflastern dann den ganzen Garten zu.“ Besonders in Dorsten und Dorsten-Hervest könne man das beobachten. „Die Folge ist, dass die Wildbienen keine Nistplätze mehr finden und sterben. Viele der 560 Wildbienen-Arten in Deutschland dürften mittlerweile ausgestorben sein.“

Bunte Blumen und Bienenhotels retten die Wildbienen

So sehen die Nistplätze für Wildbienen aus. © Alina Meyer

Der Zoologe hat seinen Garten bienenfreundlich umgebaut und die Zaunrübe angesiedelt. „Seit dem Umbau habe ich 62 verschiedene Wildbienen-Arten feststellen können, auch die Zaunrüben-Sandbiene gehört nun dazu. „Es ist also noch nicht zu spät. Wir können den Bestand der Wildbienen retten, wenn mehr Leute bereit sind, ihren Garten dementsprechend umzugestalten. Wenn sie zum Beispiel Nahrungspflanzen ansiedeln wie die Zaunrübe und Nistmöglichkeiten schaffen wie Bienenhotels und Hilfen auch für die erdbewohnenden Bienen“, sagt Fockenberg.

Dorothea Klümpers Garten wimmelt nur so vor Bienen

Nistplätze und Bienenhotels gibt es zahlreich im Garten von Dorothea Klümper. „Ich habe etwa 50.000 eigene Bienen und zusätzlich 13 Kästen mit je 20.000 Bienen in meinem Garten stehen, die ich an andere Imker weitergebe.“

Dafür, dass über 300.000 Tierchen ihren Garten bevölkern, ist es doch erstaunlich ruhig - und es duftet.

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