Corona: Hauptschul-Ära wird in Kirchhellen still und heimlich enden

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Die Kirchhellener Hauptschule steht kurz vor der Schließung - und das mitten in der Coronakrise. Für den letzten Jahrgang ist nun alles anders als geplant.

Kirchhellen

, 27.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie hatten sich eigene Pullover und T-Shirts mit dem Schullogo entworfen, wollten auf große Berlin-Fahrt gehen, die Prüfungen machen und danach ihren Abschluss und das Ende der Hauptschule Kirchhellen mit einer großen Sause feiern. Doch das Coronavirus macht dem letzten Jahrgang der Hauptschule einen Strich durch all ihre Pläne.

Das macht nicht nur die 44 Schüler traurig, sondern auch Jahrgangsstufenlehrerin Sarah Briese. „Ich wollte ihnen den schönsten Abschluss ihres Lebens ermöglichen - daraus wird jetzt nichts“ sagt sie. Denn die Schüler des letzten Jahrgangs vor der Schließung der Kirchhellener Hauptschule hätten eh immer schon so viel zurückstecken müssen.

Lehrerin wollte Schülern tolles Jahr schenken

Immer wieder hätten sie beispielsweise durch die Übernahme einiger Räumlichkeiten durch die Sekundarschule ihren Klassenraum wechseln müssen, dann waren immer wieder vertraute Lehrer langfristig ausgefallen. „Nebenan entstand das neue, schicke Gebäude für die Sekundarschüler und unsere fühlten sich dabei oft wie die zweite Wahl“, so Briese. Daher sei es ihr wichtig gewesen, ihnen ein „richtig tolles Abschlussjahr“ zu schenken.

Und dann kamen die Corona-Pandemie und die Schulschließung. Nach mehr als fünf Wochen sind die Hauptschüler am 23. April (Donnerstag) wieder mit dem Unterricht gestartet. Bis auf einen kamen alle. „Die Schüler waren sehr diszipliniert. Das hat wirklich gut funktioniert“, erzählt Sarah Briese. Die Lehrer hätten im Vorfeld in Eigenregie Mund-Nase-Schutzmasken für ihre Schüler genäht, die alle Schüler dann auch getragen hätten.

Hauptschule Kirchhellen

So sah die Hauptschule Kirchhellen 2015 aus. Seitdem hat sich viel getan. Jetzt endet die Zeit der Schule mitten in der Coronakrise. © Ronny von Wangenheim (A)

Unterrichtet werden sie in fünf Gruppen mit maximal zehn Schülern. Die Lehrer haben ein Einbahnstraßensystem ausgetüftelt, damit sich keiner im Gebäude zu nah kommen muss. Von acht Lehrern dürfen jedoch nur noch drei unterrichten (die anderen gehören zur Risikogruppe). „Daher ist so ein Unterrichtstag gerade ein ganz schöner Marathon und wir müssen etwas improvisieren“, erzählt die Lehrerin. Unterrichtet werden die Hauptfächer Mathe, Deutsch und Englisch. Jeden Tag erhält jede Gruppe drei Stunden Unterricht. Allerdings dauert eine Schulstunde dabei nur noch 45 Minuten.

Schüler waren froh über Schulstart

„Am Anfang ging es erst einmal nur darum, zu gucken, wie es den Schülern geht. Manche leben aktuell auf engstem Raum mit der Familie zusammen, das ist nicht ganz leicht“, so Briese. Ihr sei auch aufgefallen, dass trotz Aufgaben für Zuhause vielen der Lehrer dabei gefehlt habe. So seien die meisten Schüler froh über den Schulstart und die wiedergewonnene Unterstützung und Struktur gewesen.

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„Manche hatten aber auch Angst vor einer Ansteckung. Ich habe die Schüler viel reden lassen. Ein Mädchen hat zum Beispiel jemanden aus der Familie aufgrund des Coronavirus‘ verloren“, erzählt die Lehrerin. Doch trotz allem werden im Mai die Abschlussprüfungen geschrieben werden müssen - so zumindest der aktuelle Stand. „Viele Schüler hatten große Sorge um ihren Abschluss, aber es sieht so aus, als ob wir die Prüfungen stellen dürfen und somit auch nur das vorkommen wird, was wir tatsächlich thematisch behandelt haben. Das ist natürlich gut für die Schüler“, erzählt Sarah Briese.

Sie ist nicht nur traurig, dass ihre Schüler ihren Abschluss nicht richtig werden feiern können, sondern auch, dass das Ende der Hauptschule Kirchhellen nun im ganzen Corona-Chaos untergehen wird. Eigentlich war noch einmal ein Extra-Fest mit Oberbürgermeister Bernd Tischler sowie vielen ehemaligen Lehrern geplant. „Es ist sehr schade, dass auch das wohl ausfallen muss, denn auch in der aktuellen Krise sieht man, dass wir hier eine Familie mit einem einmaligen Zusammenhalt sind.“

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