Coronavirus: Erkrankter Kirchhellener erzählt vom Quarantäne-Leben

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Nach einem Skiurlaub in Österreich wird der Kirchhellener Philipp H. positiv auf das Coronavirus getestet: So erlebt 26-Jährige die Krankheit und die Zeit in Quarantäne.

Kirchhellen

, 30.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Philipp H. die ersten Symptome wahrnimmt, kreisen seine Gedanken nur um das eine Thema: „Scheiße! Lass es einfach eine Erkältung sein!“ Fast eine Woche ist er in Sankt Anton in Österreich, um mit Freunden und Familie Ski zu fahren. Als am 13. März das Skigebiet abgeriegelt wird und die Urlauber die Heimreise antreten, fühlt sich Philipp bereits unwohl. Kann es wirklich Corona sein?

Vorzeitig geht es zurück nach Kirchhellen – und die Reisegruppe begibt sich sofort in häusliche Quarantäne. Philipp lebt zusammen mit seiner Verlobten Michelle, die nicht mit in Österreich war. Auch die 26-Jährige entscheidet sich, sicherheitshalber in den nächsten Wochen das Haus nicht zu verlassen.

„Zwei Tage nach der Rückkehr ging es mir deutlich schlechter“, berichtet der Sozialarbeiter. Zunächst verliert er seinen Geruchs- und Geschmackssinn. Schließlich kommen Fieber und Abgeschlagenheit hinzu. „Es fühlte sich an wie eine starke Grippe“, sagt Philipp.

Der Kirchhellener tritt telefonisch in Kontakt mit dem Gesundheitsamt und schildert seine Symptome. Am 20. März, eine Woche nach der Abreise, machen er und Michelle einen Corona-Test beim Hausarzt. Drei Tage später erhält das Paar das Testergebnis. Nun hat es Philipp schwarz auf weiß.

„Habe mir unfassbare Gedanken gemacht“

„Als das Ergebnis kam, war ich schockiert. Ich habe mir unfassbare Gedanken gemacht.“ Seine Verlobte, mit der er nun schon gut eine Woche lang in Quarantäne lebt, wird überraschenderweise negativ getestet. Und auch aus seiner 15-köpfigen Reisegruppe wird nur eine weitere Person positiv getestet.

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Das Gesundheitsamt meldet sich regelmäßig telefonisch und erkundigt sich nach Philipps Zustand. „Die Mitarbeiter haben sich echt gut um mich gekümmert“, lobt er. Und schnell melden sich auch viele Freunde, Familienmitglieder und Bekannte, die ihm und Michelle in dieser schweren Zeit helfen wollen.

Lagerkoller bislang erfolgreich vermieden

Den Alltag versucht das Paar so gut wie möglich beizubehalten. Sie versuchen zu geregelten Zeiten aufzustehen, kochen frisch und gesund und Michelle kann im Homeoffice ihrer Arbeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin nachgehen. Der Lagerkoller wird bislang vermieden. „Wir gehen uns nicht mehr als sonst auf die Nerven“, sagt Philipp lachend. „Besondere Situationen bringen auch besondere Rücksichtnahme mit sich.“

Karten spielen auf dem Balkon - so können Philipp und Michelle das Frühlingswetter zumindest ein bisschen genießen.

Karten spielen auf dem Balkon - so können Philipp und Michelle das Frühlingswetter zumindest ein bisschen genießen. © privat

Bei der vielen Zeit zu Hause versuchen die beiden, zu viel Medienkonsum zu vermeiden - um sich selbst nicht verrückt zu machen. „Andauernd die ganzen Zahlen zu hören, ist sehr beunruhigend“, findet Philipp. „Durch die schlimmen Meldungen werden gerade Betroffene der Krankheit in Panik versetzt, da die Todesfälle so im Fokus stehen. Das finde ich sehr belastend und irreführend.“

Gespräche nur noch digital

Am meisten vermissen Philipp und Michelle es, gemeinsam draußen spazieren zu gehen – gerade jetzt bei dem Frühlingswetter. Und natürlich den persönlichen Kontakt zu ihren Mitmenschen. Ihr Kommunikationsverhalten hat sich in den vergangenen Tagen stark verändert. Die Gespräche sind nur noch digital - es wird telefoniert, gechattet und geskypt.

Mittlerweile geht es Philipp wieder besser. Der Geschmacksinn ist nach zwei Wochen endlich zurück. „Heute Morgen bin ich das erste Mal aufgewacht und konnte die Zahnpasta schmecken“, erzählt der 26-Jährige. Bis zum 6. April müssen Philipp und Michelle mindestens noch in Quarantäne bleiben. Dann erst sind die zwei Wochen nach Erhalt des Testergebnisses um. „Quarantäne ist nichts Schlimmes und nichts, wovor wir Angst haben müssen“, sagt Philipp und möchte denjenigen Mut machen, die den Verdacht haben, an Corona erkrankt zu sein.

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