Das ist Bottrops Plan gegen die Eichenprozessionsspinner für das kommende Jahr

rnRaupen-Prävention

Der Eichenprozessionsspinner wird immer mehr zur Plage, das haben etliche Kommunen festgestellt. Doch wie bereitet sich die Stadt Bottrop auf die kommende Saison vor - und reicht das?

Kirchhellen

, 18.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Genaue Zahlen sind der Stadt Bottrop nicht bekannt, aber dass es viele waren, das wissen sie. Es geht um den Eichenprozessionsspinner. Er wird von Jahr zu Jahr immer mehr zu einer Plage.

Aufgrund der Vielzahl der Fälle könne man die genaue Anzahl der gemeldeten Fälle nicht mehr genau feststellen, erklärt Ulrich Schulze, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Bottrop. Der Befall sei in diesem Jahr auf jeden Fall so hoch wie noch nie. Im kommenden Jahr werde die Stadt Bottrop voraussichtlich die gleichen Maßnahmen ergreifen müssen wie in diesem Jahr.

Das Phänomen ist nicht neu

Kai-Uwe Dahm (56) ist Sachgebietsleiter beim Grünflächenamt in Bottrop und somit auch für Kirchhellen zuständig. Er sagt zur Menge der Raupen: „Das hatten wir schon vor 12 Jahren, damals haben wir dagegen gespritzt. Das haben wir drei, vier Jahre gemacht, dann war erst einmal Ruhe.“

Seit drei Jahren sei die Zahl der Raupen wieder gestiegen. Der 56-Jährige vermutet, dass die hohen Temperaturen Schuld daran sind. „Die Viecher hatten optimale Entwicklungsbedingungen in den letzten Jahren. Die haben es gerne warm und feucht. Ich glaube, der Winter müsste mal richtig kalt und nass werden“, so Dahm.

Er selbst hat auch mit den Raupen und ihren Brennhaaren zu kämpfen: „Von April bis Juni schlägt mir das immer wieder auf die Bronchien“, sagt der 56-Jährige. Doch vor allem für seine Kollegen, die Baumpfleger, hat er großes Mitgefühl. Sie sind im Sommer immer wieder den gefährlichen Raupen ausgesetzt. Damit sie ihrer Arbeit gefahrlos nachgehen können, sei es ebenfalls wichtig, gegen die Eichenprozessionsspinner vorzugehen.

Maßnahmen gegen EPS

Die Stadt Bottrop setzt präventiv ein Biozid gegen die Tiere ein, das aus dem Neembaum gewonnen wird. Das Mittel wird kurz nach dem Austrieb gespritzt und legt sich auf die jungen Blätter. Junge Raupen nehmen das Mittel bei ihrem ersten Fraß auf. „Das Problem dabei ist, dass nicht nur die Raupen des Eichenprozessionsspinners dabei draufgehen, sondern auch andere Raupenarten“, sagt Kai-Uwe Dahm.

Die Grünanlagen werden von der Stadt Bottrop in drei Zonen eingeteilt:

  • Schulen, Kindergärten und andere stark frequentierte Bereiche wie Einfahrten von Krankenhäusern werden präventiv gespritzt. Die Erfolgsquote sei dabei ziemlich hoch. „Mehr als 90 Prozent der Tiere, die das Biozid aufnehmen, sterben daran“, sagt der Sachgebietsleiter. Trotzdem werde vereinzelt noch abgesaugt an den gespritzten Bäumen. Stichproben erfolgen zusätzlich und regelmäßig.
  • In Grünanlagen und an Straßenbäumen beschildert die Stadt Bottrop. Bei tief hängenden Nestern werden diese abgesaugt.
  • In abgelegenen Waldflächen wird lediglich mit Schildern auf die Gefahr durch Eichenprozessionsspinner hingewiesen. Außerdem hat die Stadt ein neues Flatterband, mit dem gefährliche Bereiche gekennzeichnet werden. Darauf steht deutlich zu lesen: Vorsicht: Eichenprozessionsspinner.

Kai-Uwe Dahm sagt: „Vereinzelt hängen wir auch Meisen-Nistkästen auf, aber die Nutzung ist nur begrenzt hilfreich. So viele Raupen, wie es gibt, können die Meisen lange nicht fressen.“ Seit Kurzem biete eine Firma auch Raupen-Fallen an. Die seien aber „übertrieben teuer“ und in der Menge einfach nicht bezahlbar. Zudem weiß der Sachgebietsleiter nicht, wie wirksam diese Fallen tatsächlich seien. „Das ist eher was für Einzelbäume von Privatleuten oder vielleicht noch für Kindergärten“, so der 56-Jährige. Aber was man dann mit den darin gefangenen Raupen machen soll und darf, das wisse er auch nicht.


Zuständigkeit der Stadt endet

Ulrich Schulze sagt: „Aus unserer Sicht muss das Land NRW mehr in die Problematik eingreifen und koordinieren.“ Bisher sei es so, dass die Städte über die Maßnahmen der stadteigenen Bäume entscheiden und das könne in den verschiedenen Städten unterschiedlich entschieden werden. Da die Raupen sich aber auch über Stadtgrenzen hinweg bewegen, sei die Eindämmung schwierig.

Die Stadt kümmere sich zudem nur um die stadteigenen Bäume.

Das sieht auch der Sachgebietsleiter des Grünflächenamts Bottrop so: „Es gibt keine allgemeingültige Anweisung von der Landesregierung. Grundstücke von privat grenzen oft an Kinderspielplätze, die von uns von den Raupen befreit wurden.“ Wenn dann das private Nachbargrundstück mit Raupen befallen sei, würde auch das Spritzen und Absaugen auf dem Spielplatz nichts helfen. „Das ist Sisyphusarbeit für uns“, so Dahm. Die Landesregierung müsse langsam, aber sicher sagen, wie es laufen soll.

Umgang mit Gefahr erlernen

Wichtig sei es, das richtige Verhalten bei einem Befall, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, zu vermitteln. „So wie man lernt, mit einer stark befahrenen Straße umzugehen, oder wie man sich bei Gewitter verhält, sollte auch das Verhalten bei Raupenbefall in Schulen und Kindergärten vermittelt werden“, sagt Ulrich Schulze.

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