Wenn die 44 Zehntklässler am Ende des Schuljahres die Hauptschule Kirchhellen verlassen, endet die 50-jährige Geschichte der Schule. Der Standort gehört dann der Sekundarschule allein.

Kirchhellen

, 14.11.2019, 15:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Endspurt hat längst begonnen. Für die Kirchhellener Hauptschüler und ihre Schule läuft das letzte Schuljahr. Im Frühsommer 2020 müssen (und wollen) 44 Teenager Abschied nehmen von ihrer Schulzeit. Und das Dorf muss sich nach 50 Jahren von seiner Hauptschule trennen.

Bei den jungen Menschen mischen sich Vorfreude und Wehmut, wenn sie ans nächste Jahr denken. Immerhin beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt, für den viele von ihnen in den Wochen vor den Herbstferien wichtige Weichen gestellt haben.

Beim Praktikum haben manche Klarheit gewonnen

Beim Praktikum haben sie ins Arbeitsleben hineinschnuppern dürfen, und manchen hat das bei der Berufsfindung echt geholfen.

Lea zum Beispiel: „Ich hatte ein Mega-Praktikum als zahnmedizinische Fachangestellte, aber das möchte ich doch nicht ewig machen.“ Sie strebt nun das Fachabitur an, um danach Wirtschaft/Verwaltung oder Gesundheit/Soziales zu studieren.

Ganz so weit ist Anni noch nicht. Sie weiß zwar seit ihrem Praktikum, dass es sie doch nicht für den Rest ihres Lebens in den Kindergarten zieht, aber eine Alternative ist für sie gerade noch nicht in Sicht. Vielleicht noch länger zur Schule gehen? Anni stöhnt auf. Eigentlich ist sie darauf auch nicht scharf.

Anders sieht‘s bei Eric aus: Ihm hat das Praktikum als Tierpfleger am Wasserschloss Wittringen zwar Spaß gemacht, er zieht aber einen weiteren Schulbesuch in Erwägung. „Und dann vielleicht nach dem Abi Musik und Kunst studieren“, formuliert er seine Idee.

Manchmal zerstört das Praktikum auch Berufsträume

Während das zweiwöchige Praktikum manche der Jugendlichen ihrer Berufsträume beraubt hat, stehen andere seither nur umso fester zu ihrem Plan. Zu denen gehört Anna-Lena. Sie will Arzthelferin werden, medizinische Fachangestellte heißt das heute. In der nächsten Woche macht sie noch ein zweitägiges Praktikum in einer Radiologie-Praxis. „Wenn es mir da gefällt“, berichtet sie vom Ergebnis des Vorstellungsgesprächs, „bekomme ich dort einen Ausbildungsvertrag.“

Anna-Lena ist Teil der 20-köpfigen 10b. Diese Schüler arbeiten an ihrem Realschulabschluss, während 24 der 10a für den Hauptschulabschluss büffeln. Elf Inklusionsschüler streben den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 an. Die jungen Frauen und Männer der 10a absolvieren übrigens ein Langzeitpraktikum. Sie gehen einmal wöchentlich in „ihren“ Betrieb.

Schule hat gut vorbereitet auf den Bewerbungsprozess

Tim zum Beispiel, der Garten- und Landschaftsgärtner werden möchte, und Florian, der schon seit der 5. Klasse weiß, dass er KFZ-Mechatroniker werden will. Er ist beim Bottroper Edel-Autotuner Brabus in der engeren Wahl als Azubi und hofft, dass er das Probearbeiten dort mit Bravour besteht.

Maurice muss auch noch ins Vorstellungsgespräch, um seinen Wunsch-Ausbildungsplatz als Chemikant zu bekommen. Das Praktikum beim Rohrreinigungsservice hat sich bei ihm auch nicht als lebenslanges Berufsmodell erwiesen.

Auf Bewerbungs- und Vorstellungsgespräche fühlen sich die Schüler bestens vorbereitet. Anna-Lena erzählt: „Wir hatten schon in der achten Klasse ein Bewerbungstraining, bei dem wir das alles üben konnten.“ Und die Lehrerinnen und Lehrer seien jederzeit für sie da, um sie im Bewerbungsverfahren zu unterstützen.

Neue Wege ohne die lieb gewonnenen Lehrkräfte

„Die Hauptschule Kirchhellen“, lobt Maurice, „hat einen guten Ruf. Das hat uns viele Türen geöffnet.“ Das fast schon familiäre Miteinander der auslaufenden Hauptschule mit 44 Schülern und einem kleinen Kollegium mögen die Schüler.

Und der Gedanke, sich künftig am Berufskolleg ohne die langjährige Lehrerin durchboxen zu müssen, macht Anni zum Beispiel ein bisschen Angst. „So eine Lehrerin wie Frau Kohnen wird es nicht noch einmal geben“, ist sie sicher – und freut sich dennoch aufs Ende der Schulzeit. So geht es allen.

Anna-Lena mag allerdings nicht daran denken, dass sie nach dem Ende der Schulzeit Freunde verlieren könnte. Und sie weiß jetzt schon, dass sie auch ihre Lehrerinnen vermissen wird: „Die waren doch immer wie unsere zweiten Muttis.“ Das sehen die jungen Männer etwas anders. Die sind mit einer Mutti meist gut „ausgelastet“.

Am 19. Juni 2020 ist der Tag des Abschieds geplant

Schon jetzt sind die Hauptschüler in die Planung der Abschiedsfeierlichkeiten eingestiegen. Am 19. Juni ist der Tag der Tage, an dem Schüler und Schule sich gleichzeitig verabschieden.

Vorher geht‘s noch auf Abschlussfahrt. Die jungen Leute sind wild entschlossen, mehreren lustigen Klassenfahrten eine weitere hinzuzufügen. Vor Ostern geht es für fünf Tage nach Berlin. Alle Schüler, alle Lehrer.

Dann haben viele Mädchen und Jungen sicher schon einen Ausbildungsvertrag in der Tasche oder ihre Anmeldung zu einer weiterführenden schulischen Ausbildung abgegeben. Und vielleicht wissen auch jene Hauptschullehrer, für die das Ende der Schule nicht den Einstieg in den frühzeitigen Ruhestand bedeutet, wie es in ihrem Berufsleben ab Sommer 2020 weitergeht.

Auch für sie sind unsichere Zeiten angebrochen.

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