Der Wolf ist in Kirchhellen nicht überall willkommen

Wolf

Seit Oktober ist Kirchhellen offiziell Teil des Wolfsgebiets Schermbeck. Auch einige Bürger im Dorf sind in Sorge. Beim Infoabend des NABU stellten sie ihre Fragen.

Kirchhellen

, 01.02.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Wolf ist in Kirchhellen nicht überall willkommen

Wolfsexpertin Katharina Stenglein informierte die Kirchhellener. © Julian Schäpertöns

Dass der Wolf ein Thema ist, das die Gemüter erhitzt, war am Mittwochabend (30. Januar) auch im Klosterstübchen zu spüren. Der NABU Bottrop (Naturschutzbund Deutschland) hatte zum Informations- und Diskussionsabend eingeladen. Brechend voll war es in der Gaststätte, als Wolfsexpertin Katharina Stenglein einen Vortrag über das Tier hielt. Hitzig wurde es, als die Gäste Argumente für und gegen den Wolf austauschten.

Der Wolf ist zurück in Deutschland

Nach fast 200 Jahren ist der Wolf in Deutschland zurück. Im Osten der Republik schon länger, nun hat sich im vergangenen Jahr das erste Tier in der Region rund um das Dorf angesiedelt. Die Rückkehr des Wolfes hat mehrere Gründe: Unter anderem die Öffnung der innerdeutschen Grenze hatte die Ansiedlung der Wölfe zu Folge. Zudem ist das Tier streng geschützt und darf nicht gejagt werden. Außerdem erwarten Wölfe im Schnitt einmal im Jahr Nachwuchs mit vier Jungtieren. Somit wächst die Population schnell. „Der Wolf hat hier eine gute Nahrungsgrundlage. Der Wildbestand war noch nie so hoch und die Habitate bieten optimale Bedingungen“, erklärte Biologin und Wolfsexpertin Katharina Stenglein. Dies alles hat eine Zuwachsrate von bis zu 30 Prozent im Jahr zur Folge.

Mit der Ansiedlung der Wölfin Gloria von Wesel wurde im vergangenen Jahr das Wolfsgebiet Schermbeck ausgerufen. Dieses ist mit 950 Quadratmetern großzügig bemessen und auch Kirchhellen fällt in dieses Gebiet. Durch Schafsrisse in der Schwarzen Heide wurde im Dezember 2018 der Wolf auch in Kirchhellen nachgewiesen. Viele Schäfer und Nutztierhalter sind besorgt.

Der Wolf ist streng geschützt

„Das Thema ist hoch emotional“, weiß auch Katharina Stenglein. „Wir müssen versuchen, damit vernünftig umzugehen, denn der Wolf ist streng geschützt“, ergänzte Stefan Voßschmidt, stellvertretender Vorsitzender des NABU Bottrops. Sowohl Befürworter als auch Gegner tauschten am Mittwochabend Argumente aus.

„Wir sind für unsere Tiere verantwortlich. Hobbyhirten werden es sich zweimal überlegen, Schafe zu halten. Das fände ich sehr schade“, so Bernhard Steinmann, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Landwirt. Doch nicht nur der Schutz der Tiere war Thema. Vor allem wurde befürchtetet, dass das Verhalten der Wölfin sich würde ändern können, wenn sie einen Partner fände und im Rudel durch das Gebiet ziehen würde. „Die Bedrohung durch ein Rudel wäre gar nicht vorstellbar. Der Aufschrei wird groß sein, wenn das erste Rotkäppchen tot gebissen wird“, argumentierte ein Jäger. Und auch eine anwesende Mutter befürchtet Angriffe auf Menschen. Katharina Stenglein entgegnete: „Der Wolf hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht aggressiv gegenüber Menschen verhalten.“ Fakt ist: Seit 40 Jahren gibt es in Europa keine tödlichen Angriffe auf Menschen.

Die Frage nach der Bezahlbarkeit

Doch auch die Frage nach der Bezahlbarkeit wurde gestellt. Denn Nutzviehhalter bekommen Präventionsmaßnahmen subventioniert und erhalten eine Entschädigung, sollte der Wolf trotzdem Tiere getötet haben. „Der Steuerzahler wird dafür aufkommen müssen, wenn immer mehr Wölfe in NRW beheimatet sind“, so ein anwesender Jäger des Hegerings Gladbeck.

Was von dem Abend bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Menschen mit der Tatsache, dass der Wolf zurück ist, leben müssen. Denn es sind politische Entscheidungen, die die Regeln vorgeben. Das europäische Gesetz schreibt vor, dass der Wolf unter Artenschutz steht und eine Regulierung des Bestandes durch Menschenhand verboten ist. Ob man dies gut oder schlecht findet – es sind momentan die Spielregeln im Zusammenleben mit dem Wolf.

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