Digitalisierung: Wie weit sind die Schulen in Kirchhellen?

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Die Corona-Pandemie hat den Finger in die Wunde gelegt: An deutschen Schulen muss in Sachen Digitalisierung noch viel passieren. Wie ist der Stand an den Schulen in Kirchhellen?

von Maria Dehling

Kirchhellen

, 09.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Eigentlich sind sich alle einig: Das digitale Lernen an den Schulen muss endlich stattfinden und eventuelle Benachteiligungen von Schülern in diesem Bereich müssen ausgeglichen werden. Darin sind sich alle einig - ob Bundesregierung, Land NRW, Bezirksregierung Münster, Stadt Bottrop, Schulleiter, Lehrpersonal und nicht zu vergessen die Eltern und Schüler. Das war schon vor Corona der Fall und das ist jetzt noch einmal umso dringender. Doch wie spielen Zeit, Förderprogramme, Konzepte und technische Anforderungen ineinander?

Ein Blick in die Historie

2018: Der Bund stellt fünf Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung – die Länder legen noch einmal 500 Millionen Euro drauf. Grundlage für die Vergabe sind regionale und lokale didaktische Konzepte.

Mai 2019: Nach Gerangel zwischen Bund und Ländern erfolgt die Verständigung zum sogenannten DigitalPakt Schule. Das Geld wird für die technische Ausstattung, für digitale Tafeln - sogenannte Smartboards -, WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Endgeräte bereitgestellt. Bislang sind 15 Millionen Euro abgerufen.

2020 - Coronakrise: Der Bund stellt eine weitere Milliarde Euro für die Digitalisierung zur Verfügung (500 Millionen Euro für mobile Endgeräte mit dienstlichen E-Mail-Adressen für die Lehrer und 500 Millionen Euro für die Administration von schulischen Computersystemen).

Stadt Bottrop hat Anträge für das Digitalpaket gestellt

„Die Stadt Bottrop als Schulträgerin konnte in 2019 keine Antragstellung für das Digitalpaket realisieren, die Zeit war zu knapp“, so Abteilungsleiterin Nadine Granow-Keysers, Amt 51 Fachbereich Jugend und Schule. „Die Mittel konnten wir sichern, sie sind uns nicht verloren gegangen und stehen uns noch für vier Jahre zur Verfügung. Corona hat eine andere Zeitrechnung erfordert. Uns war es wichtig, so schnell wie möglich die Mittel aus der neuen Förderung zu erhalten. Die Anträge für die Sofortausstattungsprogramme für digitale Endgeräte für Schüler und Lehrkräfte sind gestellt. Bewilligungsbescheide liegen vor. Ich bin optimistisch, dass wir es im Januar schaffen, die Geräte vor Ort einsetzen zu können.“

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In Bottrop gibt es derzeit rund 13.300 Schüler, davon könnten laut Granow-Keysers maximal 3.000 anspruchsberechtigt für ein digitales Endgerät sein. Der sogenannte Sozialindex der Schule bildet dazu die Grundlage. Die Anzahl der Lehrkräfte an den Bottroper Schulen, inklusive der Schulsozialarbeiter, liegt bei rund 1.150.

Arbeitsgruppe beantwortete viele Fragen

Die Beschaffung und der Einsatz von Digitalgeräten war für viele Schulen absolutes Neuland und bedeutete zudem auch einen erheblichen Mehraufwand in einer an sich angespannten Situation. Eine dort von der Stadt eingerichtete Arbeitsgruppe leistete Hilfe auf vielen Gebieten. Mit dabei auch Dominik Nowak, Lehrer an der Sekundarschule Kirchhellen und Medienberater der Stadt Bottrop. Welches Betriebssystem ist für welche Schule das Richtige? Welche Datenschutzauflagen sind zu berücksichtigen? Technische Fragen zur Umsetzung digitaler Elternabende oder der Einsatz von Lernmanagementsystemen, ebenso sicherheitsrechtliche Belange - die Arbeitsgruppe war gut gefragt. Es gab auch viel Lob für ihre Arbeit.

Dominik Nowak ist Lehrer an der Sekundarschule Kirchhellen und Mitglied der vom Schulträger eingerichteten Arbeitsgruppe.

Dominik Nowak ist Lehrer an der Sekundarschule Kirchhellen und Mitglied der vom Schulträger eingerichteten Arbeitsgruppe. Er schwört auf das Lernmanagementsystem vom Land, welches direkt nach den Sommerferien den Schulen zur Verfügung stand. © Maria Dehling

„Zum Glück erfolgt die Administration über den Bildungsträger. Dafür müssen dort jetzt neue Stellen geschaffen werden, doch eine andere Lösung wäre nicht vorstellbar“, so Dominik Nowak. „Für mich ist das Lernen auf Distanz im Schuljahr 2020/21 realistisch und wünschenswert.“ Im Auftrag der Bezirksregierung Münster ist Dominik Nowak zudem in einer weiteren Arbeitsgruppe tätig, dieses Team erarbeitet zurzeit Lehrerfortbildungen für den praktischen digitalen Geräteeinsatz sowie für administrative Aufgaben. „Die Anmeldungen laufen bestens, viele Kurse sind schon überbucht. Wenn die Geräte installiert sind und in den Schulen angekommen sind, müssen wir so schnell wie möglich in die Praxis gehen können.“

Lehrer arbeiteten oft mit eigenen Geräten

„Auch bei uns hat es im Lockdown zunächst ein kleines Durcheinander gegeben. Die gesamte Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus musste auf neuen Wegen erfolgen“, sagt Schulleiter Stefan Völlmert. „Das Chaos konnten wir glücklicherweise schnell beenden. Die Kollegen arbeiteten in der heißen Phase zum größten Teil mit eigenen Geräten, die teils auch von ihnen selbst angeschafft wurden.“

Auf der Schülerseite sah es anders aus, hier standen bereits 90 iPads zur Verfügung - zehn davon angeschafft vom Förderverein. Das direkt nach den Sommerferien vom Land NRW bereitgestellte Lernmanagementsystem LOGINEO beinhaltete auch eine Messenger-Funktion, über die die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus rechtssicher und datenschutzkonform erfolgen konnte und kann.

Informationen kommen jetzt über das neue System

Aufgabenstellungen, Arbeitshilfen, Informationen für Eltern oder kleine Konferenzen erfolgen nun darüber. „Wir konnten den Schülern Lernvideos und andere Hilfestellungen darüber anbieten. Eine gute Grundlage für das Lernen auf Distanz. Mein Blick geht nach vorn, hier heißt es dann unter anderem Freiräume für die anstehenden digitalen Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte zu organisieren. Was natürlich auch eine Mehrbelastung für das gesamte Team bedeutet“, so Völlmert

So sieht das Lernmanagementsystem vom Land aus.

So sieht das Lernmanagementsystem vom Land aus. © Maria Dehling

Auch Lehrkräfte, Eltern und Schüler des Grundschulverbundes Gregorschule/ Marienschule hoffen auf das Eintreffen der Geräte Anfang des Jahres. Die Formalitäten dazu sind erledigt. „Das DigitalPaket Schule ist eines, doch ganz wesentlich sind für uns die Lehrer-Endgeräte. Ein Drittel der Kollegen hat auf Grund der Datenschutzverordnung nicht mit eigenen Geräten gearbeitet. Die Zeugnisse wurden so zum Beispiel an den Geräten in der Schule geschrieben“, so Schulleiter Gregor Fontein. „Zum Glück verfügen wir für 300 Kinder über 60 iPads, zusätzlich sind Beamer und Apple TV-Boxen im Einsatz. Doch das passiert nicht einfach so, dafür muss es einen Motor geben, das bin ich und so verstehe ich auch meine Aufgabe. Dazu kommen unsere Fördervereine, die ebenfalls sehr aktiv sind.“

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Die Zusammenarbeit innerhalb des Lehrerkollegiums hat bestens funktioniert. Schnell bildeten sich Arbeitsgruppen, junge Kollegen holten die etwas Älteren mit ins Boot, Fragen wurden untereinander geklärt. „Selbst unsere älteste Kollegin mit über 60 Jahren hat Lernvideos für ihre Klasse erstellt. Es ist eine schwere Zeit, doch das Ganze macht auch was mit uns.“

Schulen warten auf die neuen Geräte

Alle Beteiligten lobten über den gesamten Zeitraum die Zusammenarbeit mit der Stadt Bottrop als Schulträgerin. Ohne die Unterstützung der Arbeitsgruppe wäre es für die Aktiven vor Ort allerdings ein erheblicher Mehraufwand gewesen. Jetzt hoffen alle Beteiligten auf das Eintreffen der vorprogrammierten Geräte und auf einen gemeinsamen und selbstverständlicheren Umgang damit im täglichen Schulalltag. Wenn das alles passiert ist, geht es dann irgendwann an die Umsetzung beziehungsweise den Erhalt der weiteren Fördermittel.

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