Drei Kirchhellener Ärzte zeigen Transparenz

Zahlung von Pharmafirmen

Rund 71 000 Ärzte und 6200 medizinische Einrichtungen haben 2015 insgesamt 575 Millionen Euro von der Pharmaindustrie bekommen. Ende Juni haben 54 Pharmakonzerne zum ersten Mal veröffentlicht, wie viel Geld sie an Ärzte in Deutschland zahlen. 30 Prozent dieser Ärzte haben zugestimmt, dass diese Zahlungen veröffentlicht werden. 15 niedergelassene Ärzte gibt es in Kirchhellen, drei davon tauchen in der Liste auf.

Kirchhellen

, 21.07.2016, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Kirchhellener Ärzte haben 2015 Geld von Pharmafirmen erhalten. Drei haben zugestimmt, dass die Beträge veröffentlicht werden.

Auch Kirchhellener Ärzte haben 2015 Geld von Pharmafirmen erhalten. Drei haben zugestimmt, dass die Beträge veröffentlicht werden.

Veröffentlicht wurden die Daten von Spiegel Online und dem Recherchezentrum „Correctiv“. Im Internet (zum Beispiel auch auf dieser Internetseite) kann nun jeder in einer Datenbank nachsehen, welche dieser Ärzte wie viel Geld erhalten haben.

Diese Transparenz begrüßt der Kirchhellener Kinderarzt Gerhard Korn (Hauptstraße 28). „Die muss sein, sonst ist das schlecht. Im Medizinbereich laufen leider manche Sachen ziemlich verkehrt, teilweise geht es da um riesige Summen“, sagt er. Korn selbst taucht mit 441 Euro Reisekosten in der veröffentlichten Liste auf. Dabei habe es sich um einen Kongress in Berlin über Neugeborenen-Intensiv-Medizin mit Flug und zwei Übernachtungen gehandelt.

Keine Werbung

Die Pharmafirma, die zu der Veranstaltung eingeladen hatte, sei die einzige, die einen speziellen Impfstoff für Risikopatienten anbiete. Um auf den neuesten Stand der Medizin zu kommen sei dieser Kongress alternativlos, so Korn. „Für Produkte wird dort keine Werbung gemacht. Selbst Halsbänder mit Namensschildern dürfen seit Neuestem kein Logo mehr tragen“, erzählt der Kinderarzt auf Anfrage der Dorstener Zeitung.

Erst kürzlich hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das Bestechung und Bestechlichkeit bei Ärzten unter Strafe stellt. Bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafen drohen bei Verstoß. Nicht erlaubt ist es demnach, wenn Ärzte durch das Verschreiben von Medikamenten für sich oder Dritte einen Vorteil erhalten. Strafbar ist andersherum auch die aktive Bestechung, beispielsweise durch Pharmavertreter.

Hochkarätig besetzt

Der Kirchhellener Internist Dr. med Rolf Eichner (Hauptstraße 51) hat 175 Euro an Honoraren erhalten und 1251 Euro an Reisekosten. „Dabei geht es ausschließlich um Fortbildungen, die ich besucht habe“, sagt er. Diese von Pharmafirmen gesponserten Fortbildungen seien meistens hochkarätig besetzt und fänden zentral statt – beispielsweise in Berlin. „Da gibt es dann meistens auch eine Hotelübernachtung und Kilometergeld. Wenn es rein um Fortbildungen geht, sehe ich das nicht kritisch“, erklärt der Internist. Es sei aber schon so, dass er nur Fortbildungen von Firmen besuche, von dessen Präparaten er überzeugt sei. „Erst kommt das gute Medikament, dann die Fortbildung“, so Eichner.

Der Kirchhellener Allgemeinmediziner Dr. Josef Weinforth (Hauptstraße 69) ist der dritte Arzt aus Kirchhellen, der einer Veröffentlichung seiner Zahlungen zugestimmt hat. Er erhielt 350 Euro an Honoraren. Aufgrund hoher Arbeitsbelastung war er im Zuge unserer Recherche nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gleiches gilt für den Bottroper Ärztesprecher Dr. Gregor Postberg.

 

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