"Es muss mehr um die Sache gehen"

Bezirksbürgermeister im Gespräch

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder hat mit der Dorstener Zeitung über die Themen des Jahres 2016 gesprochen. Er warnt davor, am Bürger vorbei Entscheidungen zu treffen und wünscht sich für 2017, dass im Bezirk weniger das Parteiprogramm als das Beste für Kirchhellen im Mittelpunkt steht.

Kirchhellen

, 30.12.2016 / Lesedauer: 3 min
"Es muss mehr um die Sache gehen"

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder hatte im Sommer die geplante Neuorganisation des Straßenverkehrsamtes scharf kritisiert – und Erfolg damit gehabt.

Für Ludger Schnieder war die Flüchtlingskrise eines der großen Themen des Jahres. Er bedankt sich bei allen ehrenamtlichen Helfern und wünscht sich, dass sie weiterhin aktiv sind und nicht nachlassen.

"Ich glaube, in der großen Politik wird so langsam klar, dass wir in Deutschland mit der ganzen Situation doch etwas überfordert waren. Wir für uns können aber, denke ich, sagen, dass wir das Beste daraus gemacht haben. Bis auf Einzelne, für deren Ängste man Verständnis haben muss, haben die Kirchhellener Verständnis für die Situation gezeigt", sagte er im Gespräch mit der Dorstener Zeitung. Er warnt davor, Entscheidungen am Volk vorbei zu treffen und rät, immer ein Ohr an den Bürgern zu haben, "sonst ist der heile Ort auch irgendwann weg."

Bedarfsorientierte Jugendarbeit

Schnieder spricht sich außerdem für bedarfsorientierte Jugendarbeit aus. Er ist sich jedoch nicht sicher, ob tatsächlich so ein großes Jugendhaus benötigt wird, wie es derzeit geplant wird. "Ich begrüße, dass wir was machen, aber wir sollten das Richtige machen", sagte er. 

Kritik äußerte der Bezirksbürgermeister am Verhalten der Kirchhellener Politiker. Viel zu häufig gehe es nicht um die Sache, sondern um Selbstdarstellung und darum, eigene Ideen durchzusetzen. Man müsse Mehrheiten für das Gute finden und nicht für das, was im Parteiprogramm stehe.

Glücklich zeigte sich Ludger Schnieder über den Erhalt der Kfz-Zulassungsstelle. "Man darf bei so etwas nicht still sein, sondern muss seine Meinung vernünftig und strukturiert darstellen", so Schnieder. Insgesamt müsse man aufpassen, dass nicht die gesamte Zweigstelle Kirchhellen infrage gestellt werde. Man müsse wachsam, aber auch kompromissbereit sein.

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Für 2017 wünscht er sich, dass die Situation im Berich Straßenausbau in Kirchhellen verbessert wird: "Das ist zum Teil wirklich eine Zumutung, die man eigentlich nicht akzeptieren darf." Außerdem fände er es schön, wenn man in Bottrop ein bisschen mehr auf die Wünsche der Kirchhellener Bevölkerung hören würde. 

Der "Job" als Bezirksbürgermeister mache ihm schon noch Spaß, doch zum Abschluss des Gespräches gab Schnieder zu, dass ihm gewisse Illusionen geraubt worden seien. "Ich hatte mir das anders vorgestellt und würde mir manchmal wünschen, dass das alles irgendwie etwas einfacher wäre", sagte er.

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