VfB-Kicker Fabian Mohs rettete einem Fremden das Leben

rnStammzellenspende

Er kickt seit fast 20 Jahren und hat freiwillig auf Einsätze verzichtet. Für ihn war „nix dabei“ - und so rettete Fabian Mohs ganz entspannt einem Fremden das Leben.

Kirchhellen

, 08.11.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einmal einem Menschen wirklich helfen können, diesen Wunsch hat Fabian Mohs (23) sich erfüllen können - und rettete damit einem Fremden das Leben.

Vor vier Jahren war der 23-Jährige mit seinem Onkel in der Veltins-Arena. Bis zum Anpfiff war noch etwas Zeit und so registrierten sich beide an einem Stand der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS). Vier Jahre nichts, aber am 19. Juli 2019 kam plötzlich der Anruf: „Ich wurde benachrichtigt, dass mein Blut zu einem Patienten passe“, erinnert sich Fabian Mohs. Der Bankkaufmann habe sich im ersten Moment gefreut und im zweiten gefragt, was jetzt auf ihn zukommt.

DKMS rund um die Uhr erreichbar

„Aber das war alles total easy, man hat auch immer einen Ansprechpartner von der DKMS, der einem jeden Schritt erklärt und der immer für einen erreichbar ist“, sagt Fabian Mohs. Eine Woche nach dem Anruf kam per Post ein Blutentnahme-Set. Damit ging er zu seinem Hausarzt. Das entnommene Blut wurde dann zurückgeschickt.

Am 10. September kam die endgültige Nachricht, dass sein Blut zu 99,9 Prozent zum Patienten passt. Darauf folgte am 25. September die Voruntersuchung. Dabei wurde der 23-Jährige komplett durchgecheckt. Es wurde ein EKG und ein Ultraschall gemacht. Außerdem wurden eine weitere Blutprobe entnommen und sein Gewicht vermerkt.

Danach hieß es für Fabian Mohs: vier Wochen warten. „In dieser Zeit wurde der Patient, der die Spende braucht, auf seinen Eingriff vorbereitet“, erklärt er. Den Tag des Eingriffes nennen Erkrankte auch den „Tag Null“, weil sie auf diesen Tag herunter zählen.

Spritzenphase war größte Herausforderung

Vier Tage vor dem Eingriff hat sich Fabian Mohs zweimal täglich Botenstoffe gespritzt, die die Bildung von Stammzellen im Blut anregen. „Das hätte ich auch vom Arzt oder sogar von einem ambulanten Pflegedienst machen lassen können, aber ich wusste schon in etwa wie das geht“, erzählt der Kicker. Er hatte bereits eine OP am Knie, nachdem er sich verletzt hatte. „Da musste ich mir Thrombose-Spritzen selber geben.“ Sich die Spritzen selbst zu setzen, war für Fabian Mohs auch okay. Er hatte nur leichte Nebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen.

Prozedur war „entspannend“

Am 23. Oktober war es dann so weit. Fabian Mohs wurde zum Lebensretter. Er hing 170 Minuten lang an einer Maschine, die aus seinem Blut die Stammzellen filterte. Aus seinem linken Arm wurde das Blut entnommen und dann lief es durch die Filtrierungsmaschine. Im rechten Arm kam das Blut gefiltert wieder an.

„Das war eine ganz lockere Nummer, ich konnte essen und trinken und auch mit dem Handy spielen. Irgendwie war es sogar entspannend“, sagt der Kicker.

Leben retten statt kicken

Wegen der Spende musste Mohs sportlich kürzertreten und verpasste mehrere Spiele seines VfB Kirchhellen. „Ich durfte schon kurz drauf wieder Sport machen, aber keinen Leistungssport“, sagt er. Zudem will er sich lieber noch schonen und unter Umständen noch weitere Partien pausieren. Denn es besteht die Gefahr, dass er sich bei einem Zusammenstoß eine Ruptur der Milz zuzieht.

Da der Bankkaufmann mit dem VfB in der Bezirksliga spielt, sei das schon „leistungsorientiert“, wie er sagt. Die verpassten Spiele nimmt er aber gerne in Kauf, denn: „Was ist das schon für ein Preis für ein Menschenleben, ob ich jetzt drei oder vier Spiele aussetze?“ Auch seine Teamkollegen würden das so sehen.

Großes Glück hatte Mohs in der vergangenen Woche. Da war er mit Freunden und Teamkollegen nachts auf dem Rückweg von einem Discobesuch, als ein Reifen am Bulli platzte. Der Fahrer reagierte geistesgegenwärtig, steuerte den Wagen in die Leitplanke und brachte ihn zum Stehen. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon.

Bald Information über Patienten

Wem Fabian Mohs seine Stammzellen gespendet hat, weiß er nicht genau. Aber das soll nicht so bleiben, denn es interessiert ihn schon, für wen er gespendet hat. Bekannt ist bislang nur, dass es sich bei dem Patienten um einen Amerikaner handelt, der älter als 30 Jahre ist.

In zwei bis drei Monaten wird er von der DKMS hören, wie es dem Patienten geht. Möglicherweise muss er dann noch einmal an die Maschine angeschlossen werden. Für andere Patienten ist der Bezirksliga-Kicker für zwei Jahre gesperrt. Nur wenn es dem Amerikaner schlecht geht oder er mehr Stammzellen braucht, dann darf Fabian Mohs wieder Lebensretter sein, vorerst.

Würde es immer wieder tun

Einen Monat nach der Stammzellenentnahme musste Fabian Mohs noch einmal zu seinem Hausarzt und sich checken lassen. Das ist wichtig, um zu sehen, ob sich seine Stammzellen wieder angereichert haben. „Ich wurde super begleitet und auch die kompletten Kosten wurden von der DKMS übernommen“, sagt der 23-Jährige.

Auf die Frage, ob er wieder spenden würde, hat er eine eindeutige Antwort: „Auf jeden Fall. Man weiß immer, wofür man das macht und da ist wirklich nichts dabei. Es gibt null Risiko und es ist wirklich kein Aufwand.“

Jeder, der sich dazu entschließt, sich zu registrieren, der kann sich online ein Set bei der DKMS bestellen. Für Fabian Mohs steht fest: „Der Aufwand ist so gering, dass man keine Ausrede mehr finden dürfte, es nicht zu tun.“

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