Feuerwachen-Standort: Anwohner beklagen fehlende Transparenz

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Bei der Auswahl eines Standortes für eine neue Kirchhellener Feuerwache fühlen Anwohner sich übergangen. Weder ans Klima noch an sie sei gedacht worden, obwohl es Alternativen gebe.

Kirchhellen

, 04.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Freiwillige Feuerwehr verspricht auf ihrer Internetseite schon erwartungsfroh ein Bautagebuch, da hat die Bürgerinitiative gegen den neuen Feuerwachen-Standort an der Ecke Rentforter Straße/In der Koppel gerade erst den Kampf aufgenommen.

Die Nachbarn des von der Stadt favorisierten Standortes sind nämlich überhaupt nicht davon überzeugt, dass das Feld an der Ecke wirklich der optimalste Standort ist.

Am Mittwoch hatten sich mehr als 40 Anwohner, darunter auch welche aus dem benachbarten Neubaugebiet Schultenkamp, an besagtem Acker versammelt, der in einigen Jahren Feuerwehr-Standort sein soll. 11,5 Millionen soll das unbedingt benötigte neue Gerätehaus kosten. Grundstückskosten von 720.000 Euro kommen hinzu. Ein Kauf, der übrigens bereits in „trockenen Tüchern“ ist.

Wie wurde aus der Fläche für Gemeinbedarf ein Biotop?

Zu Beginn ihres Treffen machten die Anwohner klar, dass sie weder gegen die Feuerwehr noch gegen die Neubaupläne sind. „Wir sind aber davon überzeugt“, erklärte Ute Riedel-Kolbe, eine der Sprecherinnen, „dass es geeignetere Standorte gibt.“ Jahrelang sei von Politik und Verwaltung der Standort Im Pinntal favorisiert worden, der auch als Fläche für den Gemeinbedarf im Flächennutzungsplan eingetragen worden sei. Plötzlich sei der jedoch zum Biotop erklärt worden.

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Bei der Betrachtung möglicher Standorte sei die Fläche dann ganz schnell herausgefallen. So ging es übrigens, wie Vertreter der Stadt bei einer Pressekonferenz Anfang Juni im Rathaus berichteten, weiteren sechs von zehn möglichen Standorten, sodass am Ende drei Standorte einer genaueren Prüfung unterzogen wurden. Der Standort Rentforter Straße/In der Koppel, so hieß es im Juni, sei unter Berücksichtigung aller Belange am besten geeignet.

Wen kümmert in Innovation-City das Klima?

„Ans Klima hat da in Innovation City wohl niemand gedacht“, kritisiert Anwohnerin Monika Stratmann. Obwohl Bottrop 2019 den Klimanotstand ausgerufen habe, mache man in Kirchhellen eine wichtige Klimaschneise für die Dorfmitte und die vielen neuen Wohneinheiten am Schultenkamp kaputt. Außerdem gebe es dort eine Kiebitz-Population, die durch die Bebauung immer kleiner werde.

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Und ja, die Anwohner fürchten auch den unvermeidlichen Lärm durch Feuerwehreinsätze. Das leugnen sie nicht. Sprecherin Sabine Brands: „Eine Feuerwache ist doch wie ein LKW-Betrieb, da wird Tag und Nacht gefahren. Schließlich soll die Freiwillige Feuerwehr künftig ja durch die Berufsfeuerwehr in Kirchhellen unterstützt werden.“

Monika Stratmann (l.) und Ute Riedel-Kolbe

Monika Stratmann (l.) und Ute Riedel-Kolbe erläuterten die Argumente der Bürger. © Petra Berkenbusch

Da gebe es unweigerlich mehr Verkehr auf dem Kirchhellener Ring, auch der Schulweg zur Gregorschule werde tangiert. „Und wenn das mit dem Grundstückstausch nicht klappt, gibt es keinen direkten Zugang zur Rentforter Straße, dann beginnen die Einsätze auf der Straße In der Koppel“, fürchtet ein Anwohner der schmalen Anlieger-Straße.

Von Behörden und Politikern im Stich gelassen?

Dass man ihnen eine Feuerwache vor die Haustür setzen will, ärgert die Anwohner schon, aber noch mehr wurmt sie, dass sie sich mit ihren Argumenten allein gelassen fühlen. „Von Bürgernähe ist hier keine Spur“, beklagt Monika Stratmann. Von der städtischen Klimamanagerin sei keine Stellungnahme zu bekommen. Die Feuerwehr präzisiere ihre Aussage, der Standort berge die besten Erreichbarkeiten für Feuerwehrleute und Einsatzorte, trotz schriftlicher Anfrage nicht.

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Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU) werfen die Anwohner vor, ihre Anliegen und Sorgen interessierten ihn und seine Parteikollegen nicht. Und auch die SPD gilt in dieser Frage als abgetaucht. Dazu habe der ihrer Ansicht nach „klammheimliche“ Grundstückskauf für 720.000 Euro Fakten geschaffen.

Bei der bevorstehenden Offenlegung der Pläne wollen die Bürger ihre Einwände nun auf jeden Fall zu Protokoll geben.

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