Flugplatz: Die Linke will Race@Airport verbieten

rnFlugplatz Schwarze Heide

Die Linke möchte Motorsportveranstaltungen am Flugplatz Schwarze Heide verbieten. Der Geschäftsführer des Flugplatz sieht Probleme an ganz anderer Stelle.

Kirchhellen

, 18.02.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit über 250 Stundenkilometern brettern die schnellsten Fahrzeuge bei der Rennveranstaltung „Race@Airport“ am Flugplatz Schwarze Heide ins Ziel. Tausende Besucher jährlich lassen sich dieses Event, das seit 13 Jahren dort stattfindet, nicht entgehen.

Für die Besucher ein großer Spaß, für die Ratsgruppe Die Linke eine riesige Umweltsünde. „Das ist Wahnsinn, was da an Sprit an einem Wochenende rausgeblasen wird. Da werden 40 Liter pro Rennabschnitt verbraten, das kann man keinem erklären“, sagt Niels-Holger Schmidt. Der Ratsherr der Bottroper Linken hat gemeinsam mit seinen Ratskollegen bereits im Dezember 2019 einen Antrag gestellt, dass auf solche „besonders klimaschädliche Sonderveranstaltungen“ in Zukunft verzichtet werden soll. In der nächsten Ratssitzung soll am Dienstag (18. Februar) darüber diskutiert werden.

„Für den Flughafen darf es keine Extrawurst geben“

„Alle sollen ihr Auto stehen lassen und Bahn fahren, da ist doch so eine Veranstaltung völlig aus der Zeit gefallen“, so Schmidt. Auch generell blickt die Linke kritisch auf die Umweltverträglichkeit des Flughafenbetriebes und hat die Verwaltung daher aufgefordert, eine Klimabilanz für den Flugplatz Schwarze Heide zu erstellen. Gerade im Hinblick auf Innovation City könne es nicht sein, dass bei der Flugplatzgesellschaft andere Maßstäbe gelten würden, als bei anderen städtischen Einrichtungen. „Für den Flughafen darf es keine Extrawurst geben“, sagt Schmidt.

Die Linke fordert außerdem, die Stromversorgung beim Flugplatz sowie auch bei der Arbeitsförderungsgesellschaft gemeinnützige GmbH (GAFÖG), der Vestischen und der Sparkasse auf Erneuerbare Energien umzustellen.

André Hümpel, Geschäftsführer des Flugplatzes Schwarze Heide, kann den Vorstoß der Linken nicht ganz verstehen. „Wir haben schon lange unsere Dächer mit Solarzellen bestückt und erzeugen viermal mehr Strom, als wir verbrauchen“, sagt er auf Anfrage der Redaktion. Insgesamt picke sich die Ratsgruppe mit ihrer Anfrage einen Punkt heraus, der nicht das tatsächliche Kernproblem tangiere.

Problem betrifft fast alle Veranstaltungen

Denn für Hümpel sind nicht die Veranstaltungen wie beispielsweise Race@Airport das Problem, sondern die Besucher dieser Veranstaltungen. „Die Autos fahren beim Rennen eine Strecke von 400 Metern, die Zuschauer aber teilweise 600 Kilometer, um zusehen zu können“, sagt er. Dieses Problem betreffe allerdings fast alle Veranstaltungen. Eigentlich müsse man erreichen, dass die meisten Zuschauer mit Bus oder Bahn anreisen, das sei jedoch aufgrund des mangelhaften Ausbaus des Öffentlichen Nahverkehrs oft nicht möglich.

Der Flugplatz Schwarze Heide von oben

Der Flugplatz Schwarze Heide von oben © Helmut Scheffler

Außerdem sei eine Veranstaltung wie Race@Airport nicht unbedingt ortsgebunden. Wenn man sie am Flugplatz Schwarze Heide verbiete, würden sich die Veranstalter wahrscheinlich eine neue Location suchen. „Insgesamt braucht diese ganze Klima-Diskussion mehr Sachkenntnis und weniger Baugefühl“, so André Hümpel.

Stadt verweist auf Umweltprüfungen

Die Stadt Bottrop, die Mitgesellschafter der Flugplatzgesellschaft ist, verweist beim marginalen Betrieb des Flugplatzes auf die Bezirksregierung und beim Flugverkehr auf Düsseldorf. „Bei den Betriebsgenehmigungen sieht der Gesetzgeber auch Umweltverträglichkeitsprüfungen vor“, heißt es von der Stadt. Auch für den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet am Flugplatz, für den die Stadt zuständig ist, sehe das Baugesetzbuch eine solche Prüfung vor.

Eine Klimabilanz zum Flugplatz gibt es laut Stadt nicht. Als unumstritten sieht sie, dass es bei Veranstaltungen wie Race@Airport Immissionen durch die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gibt. „Die Frage, die zu beantworten ist, ist die, ob ein Verzicht auf diese Veranstaltung ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz für die Gesamtstadt ist?“, so Stadtsprecher Ulrich Schulze. Die Gesellschaft erziele Einnahmen durch solche Veranstaltungen, die wiederum den Gesellschaftern, also auch der Stadt Bottrop, zugute kämen, da sie die Verlustabdeckung verringerten.

„Alles andere wäre ein Rechtsbruch“

Entschieden weist die Stadt die Vorwürfe der Linken zurück, beim Flugplatz andere Maßstäbe als bei anderen städtischen Einrichtungen zu setzen. „In ihrer Rolle als Genehmigungsbehörde ist die Stadt an den gesetzlichen Rahmen gebunden und es gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz. Alles andere wäre ein Rechtsbruch“, so Schulze.

Als Mitgesellschafterin begrüße die Stadt natürlich alle Maßnahmen, die zu einem möglichst klimaneutralen Flugplatzbetrieb führten. Jedoch sehe man nicht das Fliegen als klimaschädlich an, sondern die derzeitige Art der Flugzeugantriebe. „Auch solargetriebene Flugzeuge oder Flugzeuge mit anderen klimaneutralen Antrieben werden in Zukunft Flugplätze brauchen, auf denen sie starten und landen können“, so Ulrich Schulze.

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