Hat Wölfin Gloria wieder zwei Schafe gerissen?

rnWolfsgebiet Schermbeck

Zuletzt sorgte Gloria Mitte April für Aufsehen. Das Ehepaar Jansen vermutet, dass die Wölfin jetzt auch in dessen Schafsherde wütete. So wollen die Jansens den „Täter“ überführen.

Kirchhellen

, 01.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss ein Schock für das Ehepaar Jansen gewesen sein, als es am Donnerstagmorgen (30. Juli) zu den Schafen ging. Fünf Tiere der elfköpfigen Herde wurden, so vermuten es die Jansens, von einem Wolf attackiert. Zwei Muttertiere bezahlten den Angriff mit ihrem Leben. Drei weitere Schafe, darunter zwei Jungtiere, haben den Kehlbiss überlebt. „Ich weiß nicht, ob die durchkommen“, erklärt Barbara Jansen besorgt.

Ein wolfssicherer Zaun konnte die Heidschnucken nicht schützen

Erst im Februar hatten vier Experten den Weidezaun für wolfssicher erklärt. Die Wiese befinde sich nahe des Wohnhauses. Die Umzäunung sei 1,50 Meter hoch und stehe unter Strom. Doch augenscheinlich hielt das den Täter nicht auf. „Der muss aus dem Stand hochgesprungen sein.“ Es sei kein Loch im Zaun oder eine Beschädigung zu erkennen gewesen.

Vor neun Jahren haben sich die Jansens Schafe angeschafft. „Die Weiße Gehörnte Heidschnucke gehört einer bedrohten Nutztierrasse an“, so Georg Jansen. Da sich der Wolf laut „Buschfunk“ immer noch im Kirchhellener Bereich aufhalte - zuletzt sichtete man ihn bzw. sie (Gloria) im Bereich der Holthausener Straße -, haben die Jansens nun eine Wildtierkamera installiert.

Diese Heidschnucke wurde durch einen Kehlbiss verletzt. Ein Tierarzt kümmert sich um das verwundete Tier.

Diese Heidschnucke wurde durch einen Kehlbiss verletzt. Ein Tierarzt kümmert sich um das verwundete Tier. © Privat

Der Täter soll mittels Speichelproben überführt werden

Georg Jansen kontaktierte nach der Entdeckung gleich die Wolfsberatungsstelle. Eine ehrenamtliche Wolfsberaterin nahm vor Ort Proben an den Wunden der verendeten Tiere. Ziel ist es, so Speichel des Jägers zu sammeln, um festzustellen, wer hinter der Tat steckt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersucht solche Proben für ganz Deutschland. Deshalb könne es mit den Ergebnissen schon mal länger als zwei Wochen dauern, erläutert Wilhelm Deitermann von der Pressestelle des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). „Die DNA von Wolf und Hund zu unterscheiden, ist nicht schwer. Will man aber individualisieren, braucht man sehr gute Proben“, so Deitermann. Das LANUV gibt im Internet bekannt, wo sich Nutztierrisse ereignet haben und wie die Proben vom Senckenberg-Institut bewertet wurden. Zuletzt gab es am 15. April 2020 einen eindeutigen Nachweis von Gloria, als die Wölfin ein Schaf riss.

„Grundsätzlich gilt: Werden Weidetiere trotz der Anwendung empfohlener Herdenschutzmaßnahmen vom Wolf gerissen, werden die Halter entschädigt“, stellte das LANUV in einer Stellungnahme im Mai klar. Veranlasst sah sich das Ministerium zu einer umfangreichen Stellungnahme, als ein Video hohe Wellen schlug, das einen Wolf im Wolfsgebiet Schermbeck bei der Rotwildjagd zeigt. Wolfs-Befürworter und -Gegner führten hitzige Debatten und stellten Behauptungen auf, die das LANUV entkräftete.

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