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Heimatverein ist schneller als der Mähdrescher

Wagenabnahme

Gemütlich ziehen Hektor und Fritz den Festwagen des „Heimatvereins zur Erhaltung alten Brauchtums und Förderung ländlicher Lustbarkeiten“ am Golfplatz vorbei. Ihre Hufe klappern im Einklang mit den Bierflaschen und sorgen für die passende Begleitung der Brezellieder, die die Männer vom Vorstand der Brezelgesellschaft und die Vereinsmitglieder zum Besten geben. Idyllischer kann eine Probefahrt wohl kaum sein.

KIRCHHELLEN

, 25.08.2017 / Lesedauer: 3 min
Heimatverein ist schneller als der Mähdrescher

Der „Heimatverein zur Erhaltung alten Brauchtums und Förderung ländlicher Lustbarkeiten“ unternahm bei wunderbarem Wetter eine Probefahrt mit vielen Vorstandsmitgliedern der Brezelgesellschaft.

Nicht nur wegen dieser schönen Stimmung – „die wir uns richtig was kosten haben lassen“, ruft ein Vereinsmitglied lachend – lautet das eindeutige Urteil des Vorstands bei der Wagenabnahme am Donnerstagabend: „Geprüft und für gut befunden.“ Denn der Heimatverein mit dem langen Titel – „weil es einen anderen Heimatverein ja schon gab“ – weiß, wie es geht.

Immerhin ist er jetzt schon zum elften Mal dabei. „Und immer mit dem Erntewagen“, sagt Heinrich Brahm. Denn so einen gab es beim Brezelumzug vorher nicht.

Gegrilltes statt Geld

Der über 80 Jahre alte Leiterwagen, der sich zwischen den Festen auf dem Hof Schulte-Pelkum von seinen Einsätzen erholt, wird von den zwölf Herren des Vereins – „unsere Frauen brauchen uns dabei nicht zu helfen“ – liebevoll geschmückt.

„Die Bauern der Umgebung lassen uns ein paar Hafer-, Roggen-, Gerste- und Weizenähren stehen, die wir uns dann holen dürfen, um sie an den Wagen zu binden“, erzählt Heinrich Brahm. „Dieses Jahr haben wir noch einen Bauern angerufen, der gerade auf dem Mähdrescher saß, und ihn gebeten: ‚Lass uns noch ein bisschen Hafer stehen‘. Den hatten wir nämlich noch nicht. Wir müssen schneller sein als der Mähdrescher.“

Geld bekommen die Landwirte dafür nicht, aber eine Einladung zur Wagenabnahme mit Bier und Gegrilltem. „Das macht man doch gerne“, sagt Theo Marien, der ohne weiteres auf einen kleinen Teil seiner Roggenernte verzichtet. „Wir haben die Ähren nicht gezählt. Aber ich denke, es werden insgesamt so 3500 sein“, meint Heinrich Brahm. „Viel mehr“, glauben seine Vereinskollegen, die drei- bis viermal zu den Feldern ausgerückt sind.

Füße in alten Klotschen

Auch ein Erntekranz schmückt beim Umzug am Brezelfest den Wagen. Und die Männer selbst geben sich, gekleidet in den Bauernklamotten früherer Tage, Mühe, ebenfalls schmuckes Beiwerk zu sein. Ihre Füße stecken sie dafür in alte Klotschen. „Und die lassen wir auch den ganzen Abend an“, sagt Manfred Peters. Obwohl die Füße am nächsten Tag immer voller Blasen seien. „Manche stecken Stroh in die Schuhe, andere ziehen dicke Socken oder Skisocken an.“ Aber richtig helfe das alles nicht. Und noch eine weitere Unannehmlichkeit nehmen die Freunde in Kauf. „Frauen tanzen ungern mit uns“, sagt Manfred Peters. Weil man ihnen mit den Klotschen öfter auf die Füße trete. Nur daran liege es.

Damit die Pferde niemandem beim Umzug auf die Füße steigen, werden sie geführt. Mit Stroh gefüllte Säcke sorgen dafür, dass niemand so leicht unter den Wagen gerät.

Und natürlich der Öhm ut Hei (Onkel aus der Heide). „Das ist eine Puppe aus Stroh, angezogen wie ein alter Knecht. Der Öhm sitzt zwischen uns. Und wenn jemand dem Wagen zu nahe kommt, dann pinkelt er“, erklärt Heinrich Brahm und zeigt die Pumpe, mit der der Öhm an entscheidender Stelle ausgestattet wird. „Wenn man dann nicht aufpasst, wird man richtig nass.“   

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