Hier dürfen Kinder toben, raufen und sich verkloppen - alles nur zum Spaß

rnRingen und Raufen

Ein neues Sportangebot für Grundschüler bringt die „Spaßkloppe“ in die Turnhalle. Doch ganz ohne Regeln kommt auch „Ringen und Raufen“ nicht aus.

Grafenwald

, 01.10.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

,Kinder im Grundschulalter rennen kreuz und quer durch die Turnhalle. In den Händen halten sie eine Poolnudel. Sich damit (am Oberschenkel) zu treffen, ist dabei nicht nur in Ordnung, sondern Ziel des Spiels. Wenig später versuchen sie sich gegenseitig Wäscheklammern zu klauen, die sie an ihren T-Shirts befestigt haben. Auch hierbei gehen sie nicht gerade sanft miteinander um.

Seit Mai bietet der VfL Grafenwald „Ringen und Raufen“ in der Turnhalle an der Schneiderstraße an. Bei Übungsleiter Christoph Hautkappe dürfen sich die Kinder, zurzeit sind es 17, jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr austoben und mit anderen messen.

Regeln gibt es auch beim „Ringen und Raufen“

Der sechsjährige Robin ist an diesem Donnerstag zum ersten Mal dabei. Seine Mutter, Maren Paß, sitzt auf der Bank am Rand und schaut zu. „Die sogenannte Spaßkloppe ist bei uns schon ein Thema. Vielleicht hilft es ihm, dass er sich hier quasi nach Regeln kloppen darf“, sagt sie.

Hier dürfen Kinder toben, raufen und sich verkloppen - alles nur zum Spaß

Bei dieser Übung mussten sich die Kinder gut festhalten. © Manuela Hollstegge

Denn egal wie wild getobt und gekämpft wird, einige Regeln gelten immer. „Es wird nicht getreten, Schläge gegen den Kopf, den Hals und zwischen die Beine sind auch verboten und wenn einer nicht mehr möchte oder sich wehgetan hat, ist sofort Schluss“, erklärt Christoph Hautkappe.

Der Übungsleiter ruft die Kinder auf die kleinen Matten. Dort soll sich ein Kind auf den Bauch legen, das andere muss versuchen, es auf den Rücken zu drehen. Bei einer anderen Übung sitzen die Grundschüler Rücken an Rücken und versuchen, sich gegenseitig von der Matte zu schieben. Es wird hart gekämpft, keiner möchte unterliegen.

„Viele wissen gar nicht, wie viel Kraft sie haben“

„Die Kinder sollen ihre eigenen Kräfte einschätzen lernen. Viele wissen gar nicht, wie viel Kraft sie haben. Wenn dann hier zum Beispiel ein Erstklässler gegen einen Drittklässler in einem Spiel gewinnt, dann ist das schon gut für das Selbstbewusstsein“, so Hautkappe.

Tatsächlich sind es nicht immer die großen, älteren Kinder, die bei den Spielen die Nase vorn haben. Denn oft geht es auch um die Technik und die können auch jüngere Kinder schon lernen. Christoph Hautkappe zeigt ihnen zum Beispiel einfache Griffe, wie sie sich gut befreien können. Ziel ist es jedoch auch, durch das kontrollierte Toben Motorik, Konzentration sowie Sozialkompetenzen zu fördern.

Hier dürfen Kinder toben, raufen und sich verkloppen - alles nur zum Spaß

Sieger bei den Kämpfen am Ende der Stunde ist, wer am Schluss noch oben auf der Matte hockt. © Manuela Hollstegge

In der Turnhalle kommt es jetzt zum Highlight des Trainings: Die Kämpfe auf den dicken Matten stehen an. Eins zu eins, zwei gegen zwei, drei gegen einen oder alle gegen alle - die Kinder können selber entscheiden, wie gekämpft wird. Ganz wichtig jedoch: Vor jedem Kampf geben sich die Schüler die Hände und wünschen sich einen „fairen Kampf“. Dann wird gezogen und gezerrt, die Kinder verknoten sich ineinander und schenken sich nichts. Gewinner ist, wer am Schluss noch oben auf der Matte hockt.

Der Wanderpokal für den erfolgreichsten, fairsten oder engagiertesten Teilnehmer, der jede Woche neu vergeben wird, geht an diesem Donnerstag an Moritz. Aber auch Robin hat es gefallen. „Am besten waren die Kämpfe am Ende“, sagt er mit rotem Kopf und rennt in Richtung Umkleidekabine.

In der Gruppe gibt es nur noch wenige freie Plätze

Christoph Hautkappe hat „Ringen und Raufen“ in einem Seminar für seinen Trainerschein kennengelernt. „Mir gefällt, dass man dabei die Kinder einfach mal machen lässt, ohne dabei allzu viele Regeln aufzustellen“, sagt er. Das Angebot ist beliebt. Es gibt nur noch wenige freie Plätze in seiner Gruppe.

Händeringend sucht Hautkappe schon seit Monaten jemanden, der ihn bei dem Sportangebot unterstützt. „Das alleine zu machen, ist schwierig. Die Kinder werden unruhig, wenn sie zu lange Pause haben. Mit zwei Personen kann man beispielsweise an zwei Stationen arbeiten“, erklärt der Übungsleiter. Gesucht wird jemand, der donnerstags Lust hat, Hautkappe beim Training etwas unter die Arme zu greifen und mindestens 18 Jahre alt ist. Bis so jemand gefunden ist, helfen die Eltern reihum aus und begleiten die Stunde.

Interessierte, die bei „Ringen und Raufen“ mitmachen möchten, aber auch Personen, die Christoph Hautkappe unterstützen möchten, schreiben bitte eine Mail.
Lesen Sie jetzt