In Hof Jünger hängen die Bilder eines Künstlers, der nie wirklich ausstellen wollte

Hof Jünger

Der Essener Ernst Sender hat über 100 Bilder gezeichnet und gemalt. Ausgestellt hat er sie jedoch fast nie. Nach seinem Tod übernehmen das nun seine Kinder für ihn in Hof Jünger.

Kirchhellen

, 29.03.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hans-Dieter und Brigitte Dammer haben dafür gesorgt, dass die Bilder von Ernst Sender ausgestellt werden.

Hans-Dieter und Brigitte Dammer haben dafür gesorgt, dass die Bilder von Ernst Sender ausgestellt werden. © Johanna Wiening

Malen war für Ernst Sender wie Atmen - da sind sich seine engen Vertrauten einig. Sein ganzes Leben lang hat der Künstler mit verschiedenen Techniken viele Bilder angefertigt. Nach seinem Tod wollen seine Kinder diese nun ab Sonntag einer breiten Masse im Hof Jünger zugänglich machen.

„Bei uns stehen die Bilder in einem großen Lagerraum. Aber wir glauben, dass ein so vielfältiges Werk nicht einfach so liegen bleiben kann“, erzählt Hans-Dieter Dammer, Schwiegersohn des Künstlers. Über 100 Zeichnungen, Aquarelle, Ölmalereien und Radierungen hat Ernst Sender in seinem Leben angefertigt. In den meisten Fällen jedoch nur für sich selbst.

Gemalt ohne Auszustellen

„Er war nicht der Maler, der die Wohnzimmer schmücken wollte“, erinnert sich sein langjähriger Freund Heinz Ochmann. Ernst Sender habe den Schwerpunkt auf das Entstehen seiner Bilder gelegt, nicht auf das Verbreiten. Lediglich an einer Ausstellung in einer Essener Synagoge hat er zu Lebzeiten teilgenommen.

„Mein Vater war ein introvertierter Mensch“, erklärt Brigitte Dammer. So lebensbejahend und gutmütig er auch zu einzelnen Menschen gewesen sei: Die Masse sei für den Essener stets eine Barriere gewesen. „Er hätte Gespräche mit Außenstehenden eher so gesehen, dass sie ihm Zeit nehmen würden, die er in das Malen investieren könnte“, so Dammer.

Gesellschaftskritische Bilder standen im Fokus

Die Werke von Ernst Sender beschäftigen sich in vielen Fällen mit den gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit. Unter anderem der Zweite Weltkrieg hat Ernst Sender in seiner Malerei stark beeinflusst. Aber auch die Kirche und die Unvollkommenheit des Menschen sind immer wieder ein Thema in den Kunstwerken. Besonders die Zeichnungen zeigen gesellschaftskritische Motive.

Dass seine Bilder über seinen Tod hinweg Anklang finden sollen, war für die engen Vertrauten klar. Gemeinsam fragten sie bei mehreren Museen und Ausstellungshäusern an - Hof Jünger gab den Zuschlag. Ab Sonntag (31. März) werden die Bilder bis zum 14. April jeweils samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Haus 1 von Hof Jünger ausgestellt. Der Eintritt ist frei. Wer von einem Werk so begeistert ist, dass er es in sein Wohnzimmer hängen möchte, bekommt auch dazu eine Möglichkeit: An den Ausstellungstagen wird eine Preisliste ausliegen.

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