Irmgard Vennemann setzt sich ehrenamtlich für behinderte Menschen ein

Sozialdienst katholischer Frauen

Wenn Irmgard Vennemann den Raum betritt, fangen seine Augen an zu leuchten. Einmal in der Woche besucht die Kirchhellenerin den 52-jährigen Schwerstbehinderten im Wohnheim für geistig Behinderte in Bottrop. Die Rentnerin ist seit drei Jahren ehrenamtliche Betreuerin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Bottrop.

KIRCHHELLEN

, 09.04.2015, 14:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ulrich Fischer vom Sozialdienst katholischer Frauen in Bottrop steht der ehrenamtlichen Betreuerin Irmgard Vennemann mit Rat und Tat zur Seite.

Ulrich Fischer vom Sozialdienst katholischer Frauen in Bottrop steht der ehrenamtlichen Betreuerin Irmgard Vennemann mit Rat und Tat zur Seite.

„Ich wollte mich in meinem Ruhestand gerne einer sinnvollen und vor allem sozialen Aufgabe widmen“, erzählt die 68-Jährige mit einem Lächeln auf den Lippen. Durch ihre ehemalige Tätigkeit bei der Gemeindecaritas in Kirchhellen, kannte sie Ulrich Fischer, den Geschäftsführer beim SkF Bottrop. Schnell kam es zu Gesprächen und Vorbereitungen. „Nach Informationen zum rechtlichen Hintergrund habe ich Frau Vennemann die zu betreuenden Personen bei einem Besuch vorgestellt. Es ist wichtig, dass beide Seiten sich erst kennenlernen. Die Chemie muss einfach stimmen“, so Ulrich Fischer. Nun kümmert sich Irmgard Vennemann um einen Schwerstbehinderten ohne zuverlässige Angehörige und um eine einsame 81-jährige Dame aus einem Seniorenheim in Bottrop.

Echte Freundschaft

Jede Woche fährt sie gemeinsam mit der älteren Dame im Rollstuhl in die Stadt. Sie trinken Kaffee, essen Kuchen und quatschen. Irmgard Vennemann ist ihre einzige Vertraute. Mittlerweile habe sich daraus eine echte Freundschaft entwickelt. „Ich merke richtig, wie wichtig ich für sie bin. Durch das Schieben des Rollstuhls musste ich einmal meine Hände lockern und sagte, dass ich vor drei Jahren noch mehr Kraft gehabt habe. Daraufhin fragte sie mich besorgt, ob ich meine Aufgabe deswegen aufgeben werde“, erzählt Vennemann.

Ihre Aufgaben bei der Betreuung sind vielfältig: das Amtsgericht einmal im Jahr über die finanzielle Situation in Kenntnis setzen, sich um die Rentenbescheide und die Sozialhilfe kümmern, Einkaufen und mit den Heimleitern oder Stationspflegern im ständigen Kontakt sein. Über all dem steht aber der menschliche Aspekt – zuhören und einfach da sein. „Ich bin das Highlight der Woche“, sagt Vennemann.

Gekonnter Umgang mit Menschen

In der Behinderteneinrichtung in Bottrop erwartet sie etwas völlig anderes. Der zu betreuende Mann hört zwar ihre Worte, kann sie aber nicht verstehen. „Anfangs war er sehr verschlossen und es hat lange gebraucht, bis ich ihm meine Hand geben konnte. Inzwischen freut er sich aber jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin, denn meine Stimme verbindet er mit jemanden, den er kennt.“

Aufgrund der Altersentwicklung und der Vereinsamung steigt der Bedarf an ehrenamtlichen Betreuern immer mehr. Grundvoraussetzungen dafür sind Lesen und Schreiben zu können. Am wichtigsten sei aber der gekonnte Umgang mit Menschen, erklärt Ulrich Fischer. Momentan arbeiten 30 ehrenamtliche Betreuer beim SkF Bottrop. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr für diese Aufgabe bereit erklären würden“, wünscht sich Fischer.

Zufrieden durch die Arbeit

Irmgard Vennemann hat durch ihre Tätigkeit völlig neue Erfahrungen gewonnen. Mit behinderten Menschen hatte sie zum Beispiel vorher nie solch einen engen Kontakt. „Nach beiden wöchentlichen Besuchen gehe ich zufrieden und ausgeglichen nach Hause“, sagt sie.

Wer sich für eine ehrenamtliche Betreuung interessiert, kann sich bei Ulrich Fischer unterTel. (02041) 1866379 melden oder sich informieren unter www.skf-bottrop.de

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