Kampf gegen Armut wegen Energiekrise: Stadt Bottrop stellt Konzept vor

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Vor dem „Haus der Beratung“ stehen Sozialamtsleiter Sascha Borowiak, Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert und Sozialausschussvorsitzender Matthias Buschfeld.
Vor dem „Haus der Beratung“ stehen Sozialamtsleiter Sascha Borowiak, Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert und Sozialausschussvorsitzender Matthias Buschfeld. © Stadt Bottrop
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Diesen Winter stellen steigende Strom- und Gaspreise die Bürgerinnen und Bürger vor neue Herausforderungen. In der kalten Jahreszeit ist es nur bedingt möglich, Ressourcen einzusparen. Das Risiko der Energiearmut steigt damit in der Bevölkerung. Insbesondere Menschen in Leistungsbezügen und mit geringem Einkommen sind betroffen. Dabei nimmt das Sozialamt auch die Menschen in den Blick, die bisher keine Sozialleistungen erhalten haben. Um die zu schützen, will die Stadt Bottrop einige Maßnahmen ergreifen.

Vier-Säulen-Konzept des Sozialamtes

Das Sozialamt stellte am Dienstag im Sozialausschuss ein Vier-Säulen-Konzept vor, das nun schnellstmöglich umgesetzt werden soll. Mithilfe von Unterstützungsleistungen, Kontaktpersonen, Wärmeorten und einem gut organsierten Informationsfluss soll das gelingen. Eine zentrale Anlaufstelle soll der Grundpfeiler aller Maßnahmen sein. Diese wird mit Mitarbeitern des Sozialamtes und Jobcenters besetzt. Bürgerinnen und Bürger können dort Fragen klären und mögliche Ansprüche prüfen lassen. Bei Bedarf können sie auch gleich an andere Stellen verwiesen werden.

Als Einsatzort biete sich das Haus der Beratung gegenüber dem Zentralen Busbahnhof an der Horster Straße in der Stadtmitte an. Dort sitzen auch die Ukraine-Hilfe, Verbraucherzentrale und ELE. Ein weiterer Pluspunkt: Das Jobcenter und Sozialamt befinden sich in unmittelbarer Nähe. Weitere relevante Anlaufstellen sowie alle Bürgerinnen und Bürger werden über das neue Angebot informiert, möglichst sachgerecht, hauptsächlich über die Internetseite der Stadt Bottrop und Flyer. Dabei sollen insbesondere auch Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Migrationshintergrund in den Fokus gestellt werden, da sie vermutlich einen besonderen Informationsbedarf haben.

Informationsfluss soll gesichert werden

Ein Netzwerk aus verschiedenen Stellen und Institutionen, wie der Verbraucherzentrale und dem Energieversorger ELE, soll bei der Koordinierung helfen. Man wolle auf Erfahrungen der Corona-Pandemie zurückgreifen. So verweist der Sozialausschussvorsitzende Matthias Buschfeld auf das Netzwerk aus Familienorten und Kitas, das während des ersten Lockdowns errichtet wurde. Das habe gut funktioniert. Auch Berater von Innovation City werden eingebunden. Sie sollen den Menschen Tipps an die Hand geben, um in Eigenverantwortung bereits im Vorfeld Risiken zu mindern.

Mindestens drei sogenannte Wärmeorte werden auf Bottroper Stadtgebiet eingerichtet. Als Anlaufstelle für von Energiearmut Betroffene ist dies ein niederschwelliges Angebot der Stadt. Um möglichst viele Menschen damit zu erreichen, sollen die Standorte im Norden, Süden und in der Stadtmitte verteilt werden. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich darauf verlassen können, eine beheizte Anlaufstelle zur Verfügung zu haben. Die Sozialdezernentin ergänzt, dass diese Orte auch zum Informationsaustausch dienen.

Individuelle Hilfen für Betroffene

Im Krisenfall, wenn eine Versorgung mit Strom oder Heizung nicht möglich ist, soll auf bestehende Notunterkünfte des Sozialamtes zurückgegriffen werden. Aktuell liegen dem Sozialamt keine genauen Zahlen zu den bedrohten Haushalten in Bottrop vor, „sprich Haushalte, die einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für Wärme und Haushaltsenergie aufwenden müssen oder aufgrund ihrer Einkommenssituation nicht mehr in der Lage sind, ihre Energierechnungen zu bezahlen.“

Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es in Bottrop 4.500 Geringverdiener (Personen mit einem maximalen Einkommen von 2.300 Euro Brutto). Rentner sind darin nicht einbezogen.

Sozialamtsleiter Sascha Borowiak erklärt weiter, dass in Bottrop zwar noch kein Anstieg der Fallzahlen von Leistungsbezügen zu bemerken, wohl aber die Beratungshilfe rund um Hilfen zu Gas- und Stromkosten gestiegen sei. Ein Flyer des Sozialamtes liegt in den Quartierbüros aus und ist auf der Webseite der Stadt zu finden. Er macht auf eben diese persönlichen Hilfen aufmerksam.