Die Fotografin Valerie Misz (rechts) hat mit Vertretern des sächsischen Landtags und Betroffenen die Ausstellung feierlich eröffnet. © Privat
Ausstellung

Kirchhellenerin kreiert besondere Ausstellung über „Ort des Justizterrors“

Das Schloss Hoheneck im sächsischen Stollberg war das größte Frauengefängnis in der DDR. Die Kirchhellenerin Valerie Misz beleuchtet die Vergangenheit, Schicksale und wahre Begebenheiten.

Am 2. Oktober wurde die Ausstellung „Frauenzuchthaus Hoheneck – Ort des Justizterrors – 40 Jahre Diktatur der DDR“ im Phänomenia Stollberg in den ehemaligen Arbeitsräumen des Zuchthauses eröffnet. Für die Kirchhellenerin Valerie Misz ein echtes Herzensprojekt: „Es war mir eine Ehre die Geschichten der Betroffenen aufzuschreiben. Ihnen eine Stimme zu verleihen und den Worten durch die Fotografien Leben einzuhauchen. Sie haben verdient, als das gesehen zu werden, was sie heute sind: stark und mutig.“

Mit ausdrucksstarken Porträts der betroffenen Frauen lässt sie die Geschichte lebendig werden und sich vom bloßen Papier abheben. Doch ein Wehrmutstropfen bleibt, denn die Ausstellung konnte aufgrund der Pandemie erst mit über einem Jahr Verspätung eröffnet werden. Im Laufe dieses Jahres ist eine der porträtierten Frauen verstorben und kann dieses Projekt nicht mehr miterleben.

Diese Geschichte hat es in sich

Zu Gast waren bei der Eröffnung Zeitzeugen, Politiker, Geschichtslehrer und natürlich Mitglieder des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, der Verein, mit dem Valerie Misz die Ausstellung gemeinsam realisierte. Die Vorsitzende des Frauenkreises, Regina Labahn, war zu Tränen gerührt und überwältigt, als sie das Ergebnis der monatelangen Arbeit betrachten konnte. Denn die Geschichte hinter dieser Ausstellung hat es durchaus in sich.

Um die Geschehnisse in den Burgmauern nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wollen die Frauen beitragen, zu bezeugen, welchen Leiden, Herabwürdigungen, gesundheitlichen Strapazen bei der Zwangsarbeit, Intrigen unter den Häftlingen, Zersetzungen und Willkür sie ausgesetzt waren. Das ehemalige Schloss Hoheneck im sächsischen Stollberg war das größte Frauengefängnis in der DDR. Heute ist das Zuchthaus für seine katastrophalen Haftbedingungen und schweren Schicksale von unschuldig sowie willkürlich, politisch inhaftierten Frauen berüchtigt.

Ein Foto aus der Ausstellung zeigt einen der Zellentrakte, in denen sich unvorstellbares Leid zugetragen hat. © Valerie Misz © Valerie Misz

In der Zeit von 1949 bis 1989 wurden tausende Frauen in Hoheneck eingesperrt. Der psychische Druck auf die politisch Gefangenen wurde allein durch das Zusammenleben auf engstem Raum mit den unberechenbaren Kriminellen erhöht. Hinzu kamen Kälte, Hunger, Akkordarbeit, Isolierung von außen und grausame Schikanen. „Es ist ein sehr sensibles Thema. Ich habe monatelang recherchiert, Bücher gelesen, mit Zeitzeugen und Historikern gesprochen. Doch erst richtig verstanden, worum es geht, habe ich, als ich mit den Betroffenen vor Ort war“, so Misz.

Die Ausstellung soll vor Ort bleiben, kann aber bundesweit leihweise beim Frauenkreis angefragt werden. Der nächste Ausstellungsort ab Dezember für voraussichtlich zwei Monate ist die Gedenkstätte „Bautzner Straße“ in Dresden. Geplant ist, die Ausstellung im kommenden Jahr nach Westfalen zu holen. Passende Ausstellungsorte werden noch gesucht.

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