Klare Kanten helfen bei der Orientierung

Eine Sehbehinderte berichtet

KIRCHHELLEN Wenn Ingrid Musiol mit jemandem spricht, blickt sie stets rechts an ihm vorbei. Um die Mimik ihres Gegenübers aus dem Augenwinkel erahnen zu können. Denn in der Mitte ihres Gesichtsfeldes sieht sie nur noch einen schwarzen Punkt. Die sehbehinderte Frau spricht über ihren Alltag.

von Von Berthold Fehmer

, 21.07.2009, 18:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Computer-Bearbeitung eines Fotos zeigt, wie Ingrid Musiol den Breuker-Platz sieht. Ein schwarzer Punkt in der Mitte und keine einzige gerade Linie.

Die Computer-Bearbeitung eines Fotos zeigt, wie Ingrid Musiol den Breuker-Platz sieht. Ein schwarzer Punkt in der Mitte und keine einzige gerade Linie.

Als Beispiel nennt Musiol den Johann-Breuker-Platz in Kirchhellen. „Es ist schwierig dort, sich zurecht zu finden.“ Der Platz sei recht dunkel gehalten, es gebe keine klaren Kanten. Klare Kanten – diese Forderung von Sehbehinderten kollidiert durchaus mit den Wünschen von Rollstuhlfahrern, die am liebsten alle Bordsteine abgesenkt hätten. Doch nicht nur mit Kanten, sondern auch mit deutlichen Kontrasten, einem optischen Leitsystem, könnte Sehbehinderten geholfen werden. „Was das betrifft, ist man in anderen Städten aber auch nicht weiter“, sagt die 56-Jährige. Bottrop sei in dieser Hinsicht einer der Vorreiter in NRW, sagt sie und nennt einige Baumaßnahmen im Bottroper Innenstadtbereich.

Mit einem einäugigen Fernglas behilft sich Musiol, wenn sie Straßenschilder lesen will. Wenn sie eine Straße überqueren möchte, geht das am sichersten bei einer Ampel „mit Klack“, also akustischem Warnsystem. „Ich kann zwar die Autos noch halbwegs erkennen, aber nicht mehr einschätzen, wie schnell sie sind.“ Noch mehr Schwierigkeiten hat Musiol mit Zweiradfahrern, die sie plötzlich von hinten überholen. „Radfahrer sind leise und schnell.“ Ärgern kann sich Musiol über undeutlich beschriftete Schilder oder Plakate. Ein deutlicher Schwarz-Weiß-Kontrast würden ihr beim Entziffern helfen. Musiol: „Und bitte keine unterlegten Bilder.“ Wenn sie etwas nicht lesen kann, hat sie aber auch keine Probleme damit, nachzufragen. „Wenn ich nach einer Auskunft gefragt habe, habe ich noch nie etwas Schlechtes erlebt.

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