Milder Winter lässt Bäume und Sträucher blühen, aber nicht alle sind glücklich darüber

rnMilder Winter

Der Winter kommt in diesem Jahr mild daher. Es ist kein Schnee in Sicht und die Temperaturen sind oft im zweistelligen Bereich. Worüber sich Wintermuffel freuen, sorgt bei anderen für Unmut.

Kirchhellen

, 22.01.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Schnee in Sicht und die Temperaturen sind größtenteils sehr mild für Januar. Was für die meisten angenehm ist, ist für andere eher problematisch. Für die Natur kann das noch böse Folgen haben.

Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW sagt zu den derzeitigen Temperaturen: „Für den Ackerbau ist das zurzeit nicht problematisch, das Getreide steht gut. Obstbauern hingegen könnten Probleme bekommen. Wenn nach den milden Temperaturen bald Frost folgt, erfrieren die Knospen, die bereits jetzt schon zu sehen sind.“

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Ein Irrglaube sei, dass bei Frost lästige Insekten, wie Mücken und Blattläuse, „kaputt gehen“. „Eine Insektenpopulation richtet sich nicht nach dem Wetter, sondern nach dem Nahrungsangebot. Kälte macht den Tieren nichts aus“, so Rüb.

Obstbauer fehlen Kältestunden

Jörg Umberg ist Obstbauer in Kirchhellen. Er sagt: „Einige Obstkulturen benötigen dringend eine gewisse Anzahl an Kältestunden (Temperaturen unter 7°C), damit sie ordentlich Qualitäten und Erträge in der Ernte bringen können.“

Der Kirchhellener Landwirt Jörg Umberg sorgt sich angesichts der aktuell milden Temperaturen unter anderem um seine Erdbeeren.

Der Kirchhellener Landwirt Jörg Umberg sorgt sich angesichts der aktuell milden Temperaturen unter anderem um seine Erdbeeren. © Kolbe (Archiv)

Einzelne Pflanzen würden schon Anzeichen zeigen, dass sie beginnen wollen zu wachsen. „Achten Sie nur mal auf Ihren Garten oder die Blumenzwiebeln im öffentlichen Grün. Starke Fröste im Februar könnten hier große Schäden verursachen“, so Umberg. Die meisten Sorgen machen ihm derzeit seine Erd- und Himbeeren.

Temperaturen auf zweistelligem Niveau

Michael Drescher vom NABU Bottrop sagt zu den milden Temperaturen: „Grundsätzlich sind milde Temperaturen im Januar zunächst nicht ungewöhnlich. Auffällig ist in diesem Fall jedoch, dass die Temperaturen über einen längeren Zeitraum auf einem zweistelligen Niveau bleiben und sich nicht nur auf wenige Tage beschränken.“

Insekten profitieren von den milden Temperaturen und seien bereits zum Teil wieder aktiv. Für Pflanzen haben die milden Temperaturen dagegen Lockwirkung, die in einem früheren Austrieb/Blüte gipfeln können.

Spätfröste können für schlechte Ernte sorgen

Dies habe sich bereits in der Evolution als erfolgreicher Mechanismus bewährt. So seien die heutigen Pflanzen und Artenzusammensetzungen in ihrer Räumlichkeit entstanden. „Langfristig, in evolutiven Zeiträumen, können solche vermehrt frühen milden Temperaturen dazu geeignet sein, Verschiebungen im Artenspektrum und der räumlichen Verteilung auszulösen“, sagt Michael Drescher.

Spätfröste können die frühe Blüte empfindlich schädigen, beispielsweise wenn Knospen oder bereits Blüten dadurch erfrieren - dann wäre zumindest in Teilen nur eine verringerte Reproduktion (Blüten, Früchte, Samen) in dem Jahr möglich.

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