„Mit Leib und Seele“

Neuer Schützenkaiser

Der Schützenverein Grafenwald hat ein neues Oberhaupt: den dritten Kaiser Bernd Kroker. Um ein etwas anderes Interview zu führen, stellten wir insgesamt zehn Thesen auf, zu denen sich Bernd Kroker und seine Frau Ulrike äußerten. Sie sprachen über den Papst, die Zukunft des Schützenvereins und Gänsehaut-Momente.

KIRCHHELLEN

, 13.07.2017, 16:22 Uhr / Lesedauer: 3 min
„Mit Leib und Seele“

Bernd Kroker und seine Frau freuen sich, dass sie Schützenkaiser und -kaiserin sind. In den Händen hält Kroker den Rest des Vogels.

Wenn Sie erneut beim Schießen mitmachen und Sie gewinnen würden, sind Sie dann Schützenpapst? Bernd Kroker (lacht): Da bin ich mir selbst nicht so sicher. Vielleicht bin ich dann Bettelmann? Wer weiß. Ich denke, dass ich nach den zwei Jahren Amtszeit als Kaiser eine Pause einlegen werde, denn andere möchten auch Kaiser werden. Den letzten Kaiser gab es übrigens 1964. Ich denke aber, dass es in Zukunft noch mehr Kaiser geben wird. Herr Ellekotten wäre ja auch ein Kaiser geworden.

Als Schützenkaiser muss man trinkfest sein. Bernd Kroker: Nein, ganz im Gegenteil. Der König oder Kaiser repräsentiert ja den Verein und trägt die Verantwortung. Man muss ja bei den Versammlungen alles mitbekommen. Natürlich stoßen wir miteinander an. Ulrike Kroker: Es ist jetzt nicht so, dass wir Tee trinken. Aber zu gegebenen Anlässen stoßen wir an. Bernd Kroker: Nach dem Schützenfest war ich auch direkt arbeiten. Wir wollen weg von dem Klischee des Trinkvereins.

Es war für Sie emotionaler Schützenkaiser zu werden als Schützenkönig. Bernd Kroker: Es war beides sehr emotional. Es war Adrenalin pur und ich bin immer noch sehr euphorisch. Wenn ich nur daran denke, bekomme ich Gänsehaut. Da geht etwas in mir vor. Es ist ja auch nicht abgesprochen, wer gewinnt. Es ist ein fairer Kampf zwischen den besten Schützen. Sonst gebe es ja gar keinen Kick. Wer selbst nicht drauf geschossen hat, der kann da auch nicht mitreden.

Als Schützenkaiser muss man gut den Ton angeben können. Bernd Kroker. Nein. Als Repräsentant muss man diese Eigenschaft nicht haben. Es ist generell schwierig, zu sagen, wie ein König oder Kaiser sein muss, weil es jeder auf seine Art macht. Ulrike Kroker: Vielleicht ist es wichtig, sich anpassen zu können und sowohl etwas für die Jugend als auch für die älteren Mitglieder zu machen. Ich denke, dass sich mein Mann gut anpassen kann.

Für die nächsten zwei Jahre schreiben Sie sich die Jugendarbeit im Schützenverein besonders auf die Fahne, weil Sie als Hausmeister an der Grundschule in Grafenwald arbeiten und Kinder sehr mögen. Bernd Kroker: Das ist richtig. Udo Ellekotten hat gut vorgearbeitet und sich um die Jugend gekümmert. Zum Beispiel mit dem Seifenkistenrennen. Die Jugend ist die Zukunft des Vereins. Wir planen an Ostern eine große Ostereier-Such-Aktion. Lars Hansen und Stefan Kreul kümmern sich auch weiterhin um die Kinder und Jugendlichen. Sie sind sehr beliebt und ziehen einen mit. Die Kompanieführer planen auch etwas und wir wollen eine Paddeltour und Fahrradtouren machen. Am Dienstag haben wir ein Fußballturnier organisiert, bei dem wir gegen die Freiwillige Feuerwehr und die Alten Herren des VfL Grafenwald gespielt haben. Wir haben den ersten Platz belegt. Das schrie auch nach einer Wiederholung. Noch nie war die Stimmung so gut.

Ihre Schützenkaiserin ist Ihre Frau, weil sie traurig wäre, wenn sie eine andere wählen. Bernd Kroker (lacht): Eigentlich ist es unüblich für den Verein, dass meine Frau meine Kaiserin ist. Denn eigentlich geht es immer über Kreuz. Das hat man bei Joachim Hansen und Udo Ellekotten gut gesehen. Udo Ellekottens Königin war Joachims Frau Susanne und andersherum. Es gibt natürlich nichts Schöneres, als das alles zusammen mit meiner Frau zu erleben. Wir sind seit 43 Jahren zusammen.

Sie kommen aus einer Familie, die schon immer im Schützenverein ist. Bernd Kroker: Eher gar nicht. Aber meine Frau. Ulrike Kroker: Ich habe für eine Zeit bei meinen Großeltern gelebt und mein Opa ging immer zum Schützenfest. Meine Oma meinte dann immer „Wehe, du holst den Vogel herunter“. Ich bin damit groß geworden. Obwohl ich nie gedacht hätte, dass ich irgendwann selbst Teil des Schützenvereins sein werde. Bernd ist seit neun oder zehn Jahren im Verein.

Sie haben Anregungen von anderen Mitgliedern bekommen, was Sie in den nächsten beiden Jahren machen könnten.  Bernd Kroker: Ach, nein. Eher nicht. Ich bin sehr kreativ und habe meine eigenen Ideen, sprudel quasi vor Ideen. Als ich 2013 König wurde, habe ich für die Kinder hier an meiner Grundschule einen Tannenbaum zu Weihnachten im Schulgebäude aufstellen lassen. Ulrike Kroker: Eigentlich bringst du dein eigenes Ich ein. Das stimmt.

Es war die gesamte erste Mannschaft der Kreisliga A und die komplette Grundschule Grafenwald beim Schießen dabei, um Sie anzufeuern. Bernd Kroker (lacht): Nein, so voll war es nicht. Es waren natürlich viele Leute vom Fußball da. Und ich möchte den Siegerwillen und den Ehrgeiz vom Schießen auf den Fußball übertragen. Ich erfahre sehr viel Unterstützung hier in Grafenwald. Die Kinder hier an der Schule sangen neulich sogar „Wir sind eine Kaiserschule“, als ich König wurde, standen Hunderte Kinder in einer Reihe und klatschten mich nach und nach ab. Das war natürlich großartig.

Sie würden nie in eine Großstadt ziehen wollen, weil Ihnen Grafenwald so gut gefällt. Bernd Kroker: Ich bin mit Leib und Seele Grafenwälder. Da kann ich auch für meine Frau sprechen. Wir fühlen uns hier sehr wohl und möchten hier gar nicht weg. Es macht so einen Spaß, sich für den Ort einzusetzen. Ulrike Kroker: Wenn wir aus gesundheitlichen oder alterstechnischen Gründen nicht umziehen müssen, gehen wir nicht aus Grafenwald weg.