NABU: Für Radweg in Kirchhellen muss Natur weichen – und wird nicht ausreichend ersetzt

rnRadweg in Kirchhellen

Im Großen und Ganzen findet der Naturschutzbund Bottrop den Bau des neuen Radwegs in Kirchhellen gut. Nicht aber, dass weniger Naturflächen ersetzt werden sollen, als weichen mussten.

Kirchhellen

, 08.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten vorbereitenden Maßnahmen für den Radwegbau aus Kirchhellen in Richtung Schermbeck sind gestartet.

Jetzt verfasste der Naturschutzbund (NABU) Bottrop eine Stellungnahme, die an die Untere Naturschutzbehörde ging. Darin hebt Stefan Voßschmidt ausdrücklich hervor, dass der NABU Bottrop dieses Vorhaben unterstützt.

NABU begrüßt Neuanlage des Radwegs

„Die Planung zur Neuanlage eines kombinierten Geh-/ Radwegs parallel zur L104 von der Stadtgrenze bis zur Straße Hofwiese/Reckelsberg wird durch den NABUBottrop ausdrücklich befürwortet und begrüßt“, schreibt Voßschmidt in der Pressemitteilung.

Doch damit hört das Lob schon auf. Der NABU Bottrop bemängelt, dass mit der landschaftspflegerischen Begleitplanung die begründeten Ansprüche des Naturschutzes und der Landschaftspflege bei der Radwegplanung nicht ausreichend berücksichtigt werden.

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In der Pressemitteilung wird von einem Ersatzflächenangebot von 5400 Quadratmetern gesprochen. Allerdings stünden dem allein durch Gehölzverlust 5500 Quadratmeter und 6300 Quadratmeter durch Flächenversiegelung entgegen.

In Zeiten des Klimawandels sei ein Ausgleich durch Blühstreifen kein Ersatz für die Funktion von Gehölz. Besonders schmerzlich sei aus Sicht des NABU Bottrop der Verlust von 59 Bäumen, deren Kompensation unverzichtbar sei.

NABU bemängelt fehlende rechtliche Unabhängigkeit

Für den Naturschutzbund ist es außerdem unverständlich, dass seitens der Unteren Naturschutzbehörde eine Befreiung von den Verboten der unter Landschaftschutz stehenden Flächen erteilt wurde, ohne über den verbleibenden Kompensationsbedarf entschieden zu haben.

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Das erklärt sich der NABU selbst durch fehlende Unabhängigkeit innerhalb der Stadtverwaltung und fordert daher die rechtliche Unabhängigkeit der Unteren Naturschutzbehörde.

50.414 Wertpunkte

Anna Lea Kopatschek von der Pressestelle der Stadt Bottrop sagt dazu: „Die Stadt Bottrop richtet sich nach dem gesetzlichen Rahmen und nach einem Bewertungssystem“. Dazu gehöre auch eine Einteilung der betroffenen Flächen in Wertpunkte. „Hier liegen wir bei 50.414 Wertpunkten“, sagt Anna Lea Kopatschek.

Diese Wertpunkte müssen von der Stadt Bottrop ausgeglichen werden. Dabei folgt die Stadt dem Bewertungssystem ELES (Einführungserlass zum Landschaftsgesetz für Eingriffe durch Straßenbauvorhaben) von Straßen NRW.

Ausgleich durch Ökokontopool

Dem NABU fehle eine ausführliche Erläuterung für den von der Stadt genannten Begriff „Ökokontopool“. Aus diesem soll ein Ausgleich erfolgen.

Der städtische „Ökokontopool“ dient laut Kopatschek dazu, Ausgleich für den Verlust an Flächen durch den Radwegbau zu schaffen. Dazu gehören unter anderem, die vom NABU als nicht ausreichenden Ersatz schaffend bezeichneten Blühflächen und Begrünungskonzepte.

Diese sind als konkret geplante Maßnahme mit 22.136 Wertpunkten gewichtet. Das besagte Blühflächenkonzept trägt den Namen „Blühflächenkonzept Goldbrede“. Von den insgesamt 50 414 würden somit noch 28 278 Punkte übrig bleiben. Für diese Punkte sind noch keine konkreten Maßnahmen geplant. Fest steht nur, dass diese auf jeden Fall noch ausgeglichen werden.

Forstbehörde entscheidet über Kompensation von Waldflächen

„Über die Kompensation des Teilbereichs Waldflächen entscheidet die Forstbehörde und nicht die Stadt Bottrop.“ Die Entscheidung der Forstbehörde über den Ausgleich von Waldflächen wird laut der Pressesprecherin der Stadt voraussichtlich Ende Januar erwartet. Dann wird es eine Stellungnahme der Forstbehörde zur Kompensation geben.

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