Party auf dem Hof Steinmann: „Mutter Agnes“ wird 100 Jahre alt

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Arbeit prägte das ganze Leben von Agnes Steinmann. Am Sonntag wird sie 100 und lässt sich ausnahmsweise mal feiern. Besonders wird sie sich über den Gottesdienst auf dem Hof freuen.

von Maria Dehling

Kirchhellen

, 28.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Sonntag wird „Mutter Agnes“ gehören. Sie wird im Mittelpunkt stehen, bei Familie oder Nachbarn, ehemaligen Lehrlingen und Praktikanten, bei zahlreichen Weggefährten und all jenen, die einfach nur für die gemeinsame Zeit Danke sagen und die 100-Jährige ein wenig feiern möchten.

Für Agnes Steinmann wird es einen Gottesdienst auf dem Hof mit den Patres vom Jugend-Kloster geben. Und bei den Vorbereitungen haben mit Sicherheit alle drei Kinder, neun Enkel und 17 Urenkel Hand angelegt.

Die Mutter starb früh, beide Brüder fielen im Krieg

Agnes Hemming wurde 1920 geboren, gemeinsam mit ihren beiden Brüdern Hugo und Paul und den Schwestern Elisabeth, Hedwig und Paula wuchs sie auf dem elterlichen Hof, An der Dringenburg, auf. Doch bereits mit 14 Jahren endete für Agnes die Kindheit, ihre Mutter starb 1934. Die Brüder wurden 1938 ins Heer eingezogen.

Agnes Hemming mit ihrer Zwillingsschwester Hedwig und den Geschwistern Hugo, Paul und Elisabeth. Paula Hemming, die jüngste Schwester, war noch nicht geboren. Sie ist vielen Kirchhellenern als Hebamme in Erinnerung.

Agnes Hemming mit ihrer Zwillingsschwester Hedwig und den Geschwistern Hugo, Paul und Elisabeth. Paula Hemming, die jüngste Schwester, war noch nicht geboren. Sie ist vielen Kirchhellenern als Hebamme in Erinnerung. © privat/Familie Steinmann

Von da an stand sie gemeinsam mit Zwillingsschwester Hedwig für Kühe, Küche und Hof ein. Schnell folgten weitere schwere Einschnitte, beide Brüder fielen im Krieg, in der Nähe von Stalingrad. Agnes war 21 Jahre alt, der eigentliche Hoferbe tot und die Aufgabe fiel auf sie zu.

Der strenge Vater machte ihr das Leben schwer

Sie heiratete am 14. November 1945 ihren Verlobten Josef Steinmann (Haus zur Sonne). Arbeit, Verantwortung, Kinder, Hof und Garten und einen Vater und Schwiegervater, der keine Fünf gerade sein lassen konnte. Das junge Ehepaar hatte es schwer mit dem alten Herrn auf dem Hof. Er heiratete dreimal, seine dritte Frau wurde von Tochter Agnes über drei Jahre gepflegt.

Agnes Steinmann

Das Brautpaar Agnes Hemming und Josef Steinmann © privat/Familie Steinmann

Hier gab es nichts, das über die Arbeit ging – und das ist bis ins hohe Alter für Agnes so geblieben. Die Eheleute Agnes und Josef Steinmann bekamen zwei Töchter, Elisabeth und Marianne, und den Sohn Bernhard.

Agnes Steinmann

Mutter Steinmann im Kreis ihrer drei Kinder, Elisabeth, Bernhard und Marianne © privat/Familie Steinmann

Die Arbeit ging Mutter Agnes stets über alles

„Auch für Mutter gab es nichts, das über die Arbeit ging. Erst kam der Hof, dann die Kirche, dann die Nachbarn und dann irgendwann die Kinder. Für Mutter hatten die Kinder zu funktionieren. Sie hat sich für die Gemeinschaft eingesetzt. Ob Querelen in der Nachbarschaft und in der Verwandtschaft, sie hatte immer die Funktion der Schlichterin. Sie war auch die erste Frau bei der Neugründung des Kirchbauvereins Ekel“, erinnert sich Bernhard.

Als Witwe packte sie die Reiselust

1980 verstarb ihr Mann Josef. Von da an begann für Agnes Steinmann noch einmal eine andere Zeit. Sie liebte es zu reisen. Bei jeder Landfrauenfahrt war sie dabei, ob Salzburg, Prag, Norwegen, Ungarn, Rimini oder Rom. Mit ihrer Tochter besuchte sie Israel, und auch dort hatte sie sich selbstverständlich einen Kuhstall angesehen.

„Sie hat eine schier unendliche Energie, nahezu maßlos, das hat mich immer wieder erstaunt“, so ihre Schwiegertochter Mechtild. „Ein ‚Ich kann nicht‘ – gab es nicht für Mutter. Sie hat mit über 80 Jahren noch für die gesamte Mannschaft, ob Lehrlinge oder Praktikanten, ob in der Ernte oder sonntags, die Küche gemacht. Mit 92 Jahren ist sie noch Auto gefahren, und das gar nicht so schlecht. Eher zu schnell als zu langsam.“

Agnes Steinmann

Agnes Steinmann mit den Urenkeln Till und Romy © privat/Familie Steinmann

Mit 92 turnte sie noch in der Landfrauensportgruppe

Auch hielt sie sich mit 92 Lenzen noch in der Landfrauensportgruppe von Leonie Köpp fit. Unterhaltsam wurde es für sie in ihrer Handarbeitsgruppe bei der gemeinsamen Weißstickerei und bei den schönen gemeinsamen Stunden mit ihren Schwestern. Sie pflegte Kontakte und liebte Geselligkeit. So genoss sie auch jedes Mal wieder die vielen jungen Leute bei den Kirchhellener Bauernolympiaden auf dem Hof.

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Nach mehreren Schlaganfällen wird Mutter Agnes seit 2014 von Barbara Fijak gepflegt. „Ob im Spiel oder bei der Gymnastik, beim gemeinsamen Singen oder der Gesellschaft bei der Gartenarbeit – Barbara schafft es jeden Tag aufs Neue, unsere Mutter zum Lachen zu bringen“, ergänzt Mechtild Steinmann.

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